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Amalharius, Amalherius, Hamularius, Amularius Fortunatus und Symphosius >>
Amalasvintha
Leben
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Leben ↑
Amalasvintha, Tochter Theodorichs des
Großen und der Audefleda, der Schwester des Frankenkönigs
Chlodovech; Theodorich hatte keine Söhne und die schwerste Sorge
mußte für den "Beherrscher der Gothen und der Italiener" der
Zweifel bilden, ob es gelingen werde, den kühnen Bau seiner
genialen Persönlichkeit auch nach deren Wegfall aufrecht zu
halten. Die Anhänglichkeit der Gothen an
die götterentstammte Dynastie der Amaler, deren Ruhm in der alten
Heldensage des Volkes lebte und durch die Thaten Theodorichs neuen
Schimmer gewonnen hatte, war allerdings tief gewurzelt; gleichwohl
mochte die Vererbung des Scepters an ein Weib, entgegen
vorherrschender germanischer Rechtssitte und gegenüber der
gefährdeten Lage des jungen Reiches, ungesichert erscheinen.
Deshalb vermählte 515 Theodorich die Tochter mit einem Mann, der
ebenfalls das Blut der Amaler in den Adern trug, mit Eutharich
Cillica, einem Sprößling der zweiten Hauptlinie der Amaler, der
Ermanarichs: (s. diesen) seinem Eidam hatte der König, wenn nicht
die Krone, doch die Vormundschaft und Regentschaft für
Athalarich,
den Sohn
Amalasvintha's und Eutharich's, geb. 517/518, zugedacht. Aus solcher Absicht mußte
Eutharich in enge Verbindung mit Kaiser Justinus treten, der ihn
durch Waffenleihe zum Adoptivsohne annahm, und, als ihm das
Consulat für das Jahr 519 verliehen worden, durch prachtvolle
Circusspiele zu Rom, durch Freigebigkeit und Milde die Italiener
zu gewinnen suchen. Doch ließ er es an Kraft und Entschiedenheit
gegen die fanatisch katholische Partei, die Feinde der Gothen als
arianischer Ketzer, nicht fehlen. Da Eutharich bald darauf starb,
mußte Theodorich bedacht sein, den Uebergang der Krone auf seinen
unmündigen Enkel durch andere Mittel zu sichern: er ließ die
Grafen und Edeln der Gothen, dann die gesammte Bevölkerung der
Residenzstadt Ravenna schwören, bei seinem Tode keinen anderen als
den Knaben Athalarich unter der Vormundschaft und Regentschaft
seiner Mutter Amalasvintha als König anzuerkennen. Nach
Theodorichs Tod (526) suchte
A.
die aus dem Gegensatz der Nationalitäten, der Neigung
der Gothen zur Gewalt gegen die Römer drohenden Gefahren dadurch
zu beseitigen, daß sie beide Völker sich gegenseitig Gehorsam
gegen den jungen König und diesen die Fortführung der milden
Regierung seines Vorgängers, — Aufrechthaltung der religiösen
Toleranz gegen die romanischen Katholiken seines Reiches,
Gewährung des Friedensschutzes und der politischen Gleichstellung
mit den Gothen — eidlich geloben ließ; zumal die einflußreichen
Bischöfe suchte die Regentin zu gewinnen. Aber ihre Stellung war
unsicher und das Reich bedroht; die Senatspartei und die
|Katholiken waren durch die letzten Vorgänge unter
Theodorichs Regierung schwer gereizt; in Byzanz bestieg im J. 527
den Thron ein Mann, der die Wiedervereinigung des Abendlandes mit
dem oströmischen Reiche plante.
A.
, vollständig romanisirt — der große Theodorich hatte,
seiner Begeisterung für die antike Cultur folgend, die Tochter zur
Römerin erziehen lassen: sie sprach griechisch und lateinisch wie
gothisch — warf sich völlig diesem gefährlichsten ihrer Feinde,
Justinian, in die Arme. Ihrem Volk war sie entfremdet: mit Ingrimm
sahen die gothischen Großen, wie sie ihren Sohn, statt zu einem
germanischen Heldenkönig, zu einem römischen Imperator
heranbildete:
A.
hatte schon Athalarichs Thronbesteigung dem Kaiser
(Justinus) in einem demüthigen Schreiben angezeigt und um dessen
Schutz für die zarte Jugend des Knaben gebeten, der vermöge der
Annahme Eutharichs zum Waffensohn sein, des Kaisers, Enkel sei.
Gegenüber den äußeren Feinden, Gepiden, Franken, Burgunden wich
die Regentin mit ihrer Politik zurück: sie vermochte die Ermordung
ihrer Tante Amalafrida (s. Trasamund) durch die Vandalen, den
Untergang ihres Neffen Amalarich im Westgothenreich, den Sturz des
verschwägerten Königshauses der Thüringer durch die Franken weder
zu hindern noch zu rächen. Im Innern stützte sie sich, wie
Cassiodorus nicht genug preisen kann, völlig auf die römische
Senatspartei: nicht ein Römer wurde während ihrer achtjährigen
Regierung an Leib oder Gut gestraft, Steuernachlässe, zahlreiche
Beförderungen, günstige Kirchengesetze, Rückgabe der confiscirten
Güter des Symmachus und Boëthius an deren
Erben, Freigebung verhafteter Römer, Bestrafung gothischer
Gewaltthätigkeit sollten die Herzen der Romanen gewinnen. Dahin
gehört auch die Publication des sogenannteu Edictum Athalarici, welches, eine Fortbildung
und Ergänzung des in gleicher Tendenz von Theodorich erlassenen
umfangreicheren Edicts, besonders den Schutz des Landfriedens
bezweckte. Alle diese Bestrebungen konnten die Spannung der
nationalen und confessionellen Gegensätze in diesem Reiche nicht
lösen. Zumal die römische Erziehung Athalarichs erbitterte die
gothischen Großen und als sie ihn einst im Palaste weinend der
Mutter entlaufend trafen, die ihn wegen kleinen Fehlers
geschlagen, forderten nun die ertrotzten Edeln des Volkes
Aenderung des Erziehungssystems: wer als Knabe vor der Ruthe des
Schulmeisters gezittert, werde als Mann vor dem Speer des Feindes
zittern. Sie umgeben ihn mit jungen Gothen, welche ihn alsbald zu
Trunk und Ausschweifung verführen und gegen die Vormundschaft der
Mutter aufreizen. Vergebens sucht diese durch Entfernung der drei
Führer der adligen Opposition an die Marken des Reiches den
Widerstand zu brechen. Als jene Männer gleichwol in Verbindung
untereinander und im Trotz gegen sie verharren, beschließt sie,
durch Mord sich dieser Gegner zu entledigen. Für den Fall des
Mißlingens dieses Planes erbittet sie sich Asyl in Byzanz bei
Justinian, das dieser bereitwillig gewährt. Doch gelang die
blutige That und sie blieb in Ravenna. Gleichzeitig hatte aber
auch ein anderer Sproß des Königshauses, Amalasvinthens Vetter,
der habsüchtige Theodahad, geheime Verhandlungen mit Justinian
gesponnen und diesem ganz Tuscien, wo er reich begütert war, gegen
große Summen in die Hände zu spielen versprochen. Während dieser
Vorgänge war der junge Athalarich durch seine Ausschweifungen in
unheilbare Krankheit gestürzt und dem Tode nahe gebracht worden.
A.
verzweifelte daran, die Zügel der Herrschaft in diesem
Fall in den Händen behalten zu können, sie erneute die geheimen
Verhandlungen mit Justinian und erbot sich, ihm ganz Italien
abzutreten gegen ehrenvolle Aufnahme am kaiserlichen Hof. Aber der
Gesandte Justinians, der Rhetor Petrus, soll zugleich — so
berichtet wenigstens Procop in seiner Geheimgeschichte — im
geheimen Auftrag der Gattin Justinians, der berüchtigten Theodora,
welche eifersüchtig die schöne, edelgeborene und hochgebildete
Gothenfürstin von diesem Hofe fern zu halten trachtete, deren
Untergang geplant haben. Als Athalarich vor Abschluß jener
Verträge mit Justinian starb, entschloß sich
A.
, ihren oben genannten Vetter Theodahad, dessen
Feindschaft sie sich freilich durch Zügelung seiner Habsucht
zugezogen wußte, auf den Thron des Gothenreiches zu erheben, indem
sie in einem geheimen Vertrag sich die wirkliche Ausübung der
Herrschaft ausbedang. Theodahad willigte, scheinbar ausgesöhnt in
jenen Vorbehalt, ließ aber alsbald im Einvernehmen mit den
Verwandten der von ihr ermordeten gothischen Edeln die treuesten
Anhänger der Fürstin tödten diese selbst gefangen auf ein festes
Schloß der kleinen Insel im Bolsenersee in Tuscien abführen und
daselbst im Bad ermorden, sei es auf Andringen jener Bluträcher,
sei es auf geheimes Anstiften des Petrus hin, der freilich
öffentlich mit der Rache seines Kaisers für diesen Frevel drohte.
— So endete die Tochter des großen Theoderich. Begabt und
hochgebildet, hat sie gleichwohl durch die blinde Verehrung für
die antike Cultur das Werk ihres Vaters schwer gefährdet das Volk,
für das sie kein Herz hatte, verrathen und sich in Verblendung,
Herrschsucht und blutiger Gewaltthat das Netz des Verderbens
selbst bereitet, welches dann byzantinische Arglist über ihrem
Haupte zusammenzog.
Literatur ↑
Litteratur: Manso, Geschichte des ostgothischen Reiches in
Italien, Breslau 1824. Dahn, die Könige der Germanen, II. München 1861.
Autor ↑
Dahn.
Empfohlene Zitierweise ↑
Dahn, Felix, „Amalasvintha“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
380-382
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd102420246.html?anchor=adb