<< Albinus, Peter
Albrecht >>
Alboin
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Alboin, Langobardenkönig 566—573, Sohn des
Audoin und der Rodelinda; seine Geschichte ist durch die von Paul,
dem Sohne Warnefrieds, uns überlieferte langobardische Heldensage
noch mehr verhüllt als geschmückt. Schon in den pannonischen
Sitzen der Langobarden (seit 526) zeichnete er sich wiederholt
unter der Regierung seines Vaters in den blutigen Kämpfen mit den
Gepiden aus: als König vernichtete er im Bunde mit den Avaren im
J. 567 in blutiger Schlacht den größten Theil des gepidischen
Volksheeres und zwang den Rest zur Unterwerfung; er hatte den
Gepidenkönig Kunimund mit eigener Hand erschlagen, sich aus dessen
Schädel eine Trinkschale fertigen lassen und dessen Tochter
Rosimunda zum Weibe genommen (da seine erste Gattin Chlodosvintha,
die Tochter des Frankenkönigs Chlothachar, gestorben war). So die
Sage. In dem Kampf gegen die Ostgothen (550) hatten die
Langobarden den großen Feldherrn Narses durch auserlesene
Hülfstruppen unterstützt; nach dem Sturze dieses Staatsmannes und
seiner Abberufung aus Italien beschloß
A.
sein Volk in dies reizvolle und meisterlose Land zu
führen; daß ihn Narses selbst aus Rache nach Italien geladen
|habe, ist unglaubhafte Sage. Im April des Jahres 568 zog
das Langobardenvolk verstärkt durch 20000 stammverwandte Sachsen,
nach Venetien, Pannonien den Avaren überlassend;
A.
übertrug das wichtige Grenzherzogthum Friaul mit der
Hauptstadt Cividale seinem Neffen Gisulf, der hier auserlesene
Geschlechter des Volkes ansiedelte. Der König eroberte nun
Vicenza, Verona und die meisten Städte Venetiens, im J. 569
Mailand und alle Binnenstädte Liguriens — Pavia jedoch erst nach
dreijähriger Belagerung (572) — sowie Tusciens, ausgenommen Rom,
Ravenna und einige Küstenstädte. Obwol
A.
Arianer war und zahlreiche Heiden langobardischen und
anderen Stammes in seinem Volksheere mitführte, schonte er doch
vielfach die katholische Kirche, welche seine Nachfolger häufig
bedrückten. Wie viel von den Einrichtungen des Reiches auf dessen
Begründer zurückzuführen, ist nicht mehr zu ermitteln, jedenfalls
aber die Eintheilung in Herzogthümer (ducatus). Uebrigens trat
A.
als Eroberer auf, enthielt sich der romanisirenden
Neigungen der ostgothischen Könige und entzog ohne geregelte
Landtheilung den Römern in den occupirten Gebieten den Grundbesitz
zu Gunsten der langobardischen Geschlechter (farae). Er wurde der Sage nach auf Anstiften
seiner Königin Rosimunde, welche er im Rausch gezwungen hatte, aus
ihres Vaters Schädelsschale zu trinken, ermordet; sein Grab unter
den Stufen seiner Palasttreppe zu Pavia war noch in den Tagen
Karls des Großen unversehrt zu sehen gewesen und die Heldensage
seines Volkes hatte ihn nicht vergessen.
Literatur ↑
Flegler, Das Königreich der Langobarden in Italien. Leipzig
1857. — Papst, Geschichte des langob. Herzogthums, Forschungen zur
D. Gesch. II. 2. 1862.
Autor ↑
F. Dahn.
Empfohlene Zitierweise ↑
Dahn, Felix, „Alboin“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
223-224
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd135880882.html?anchor=adb
Alboin
Name: Alboin
Lebensdaten: erwähnt um 554, gestorben 573
Beruf/Lebensstellung: Langobardenkönig
Konfession: arianisch
Autor ADB:
Dahn, FelixPND: 135880882