<< Nörrenberg, Constantin
Noether. >>
Noetel, Heinrich Friedrich
Sozialpolitiker und Kirchenrechtler,
* 30.7.1861 Pleschen (Provinz Posen),
† 20.1.1946 Dresden. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Konrad (1830–1902), aus Posen, Richter, 1879
Landger.präs. in Aurich (Ostfriesland), 1884 Reichsger.rat in Leipzig (s.
BJ VII,
Tl.),
S d. Gustav Friedrich (1800–70),
Appellationsger.präs. in Arnsberg;
M Hedwig Wendt;
Ov Richard (1836- 1906), Schulpädagoge in Berlin (s.
BJ XI,
Tl.), Friedrich G. (1839–99), Psychiater,
Dir. d. Provinzial-Irrenanstalt in Andernach/Rhein (s.
BLÄ); –
⚭ Aurich 1890 Marie Ulrichs (1859–1947); 2
S,
u. a. Konrad (1903–47),
Komp., Hindemith-Schüler, 1945
Prof. f.
Komp. an d. Musikhochschule in Berlin (s.
MGG); 4
T ;
Schwieger-S Hans Fischer (
* 1889), Senatspräs, in Dresden.
Leben ↑
Nach dem Schulbesuch in Sangerhausen und Aurich und dem Studium der Staats- und Rechtswissenschaften in Tübingen, München und Berlin trat
N. in den
preuß. Justizdienst ein. Er arbeitete 1888/89 in Posen und Bromberg, danach bis 1919 bei der Provinzialverwaltung in Posen, seit 1890 als Landrat, seit 1893 als stellvertretender Landeshauptmann. 1921-26 war er Direktor des Oberversicherungsamtes und Militärversorgungsgerichts in Dortmund.
Das besondere Interesse
N.s während seiner Posener Zeit galt der Entwicklung der landwirtschaftlichen Unfallversicherung, die er als zuständiger Dezernent und als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für die Provinz Posen kennengelernt hatte. Diese war – wie auch schon die gewerbliche Unfallversicherung – vom Gesetzgeber so konzipiert, daß in ihr der Selbstverwaltung ihrer Träger,
d. h. den jeweiligen Berufsgenossenschaften, ein großer Spielraum zur Fortentwicklung innerhalb eines weiten gesetzlichen Rahmens eingeräumt wurde. Medium solcher Fortschritte waren zunächst von einzelnen Berufsgenossenschaften einberufene Tagungen
bzw. Konferenzen; aus diesen entwickelten aktive Vorstandsmitglieder wie
N. eine festere Verbandsstruktur. Maßgeblich war
N. bei der Vorbereitung der ersten Konferenz der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften 1894 wie auch bei der Gründung des (Konferenz-) Verbandes der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften (1902 in Tübingen) beteiligt, die zwischen den Konferenzen durch eine geschäftsführende Kommission repräsentiert wurde. Inhaltlich wirkte
N. nachhaltig als Sachverständiger bei der Novellierung des Gesetzes über die landwirtschaftliche Unfallversicherung (1900) mit und bahnte damit der Unfallverhütung in der Landwirtschaft den Weg. Er wurde Vorsitzender der 1901 im (Konferenz-) Verband eingerichteten Kommission für Unfallverhütung, die 1903 den ersten Entwurf der „Unfallverhütungsvorschriften für landwirtschaftliche Maschinen“ vorlegte. Dieser wurde Grundlage für die späteren Normalunfallverhütungsvorschriften, die nach und nach in den einzelnen Bundesstaaten und 1923 im ganzen Reich Gültigkeit erhielten.
|1919 – mit der Abtretung der Provinz Posen – endete
N.s Tätigkeit als Sozialpolitiker. In Westfalen half er maßgeblich mit, die Synodalverfassung (nach dem Wegfall des landesherrlichen Kirchenregiments) auf eine neue Grundlage zu stellen.
N. beriet 1922-33 die
Ev. Kirche für Rheinland und Westfalen bei der Schaffung einer neuen Ordnung; zu dieser gab er einen grundlegenden Kommentar heraus, der auch bei Pfarrern und Presbytern Anerkennung fand. Er war Mitglied der Provinzialsynode für Rheinland und Westfalen sowie der Generalsynode und des Rechtsausschusses der
Ev. Kirche in Preußen (Gruppe der Positiven Union). Als Mitglied der Bekennenden Kirche war er 1937 wegen seiner öffentlichen Kritik an Kirchenaustritten kurzfristig in Gestapohaft.
Werke ↑
Hdb. f. d.
Verw. d. Provinzialverbandes Posen, 1902/07;
L.U.V. (Landwirtsch. Unfallvers.) Handausg., 1913;
Ausführungsbestimmungen
z. landwirtsch. Unfallverhütung, 1913;
Die Kirchenordnung f. d.
ev. Gemeinden d.
Prov. Westfalen u. d. Rheinprov.
v. 6. XI. 1923, 1928;
Lebenserinnerungen
(ungedr.).
Literatur ↑
F. Tennstedt, H.
N. u. d. Anfänge d. Unfallverhütung in d.
dt. Landwirtsch., in:
Soz. Sicherheit in d. Landwirtsch. 7, 1976, S. 103-16
(P);
O. Kühn, in:
Jb. f. Westfäl.
KGesch. 70, 1977, S. 167-77.
Autor ↑
Florian TennstedtEmpfohlene Zitierweise ↑
Tennstedt, Florian, „Noetel, Heinrich Friedrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
19
(1998), S.
318 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd139021930.html
Noetel, Heinrich
Name: Noetel, Heinrich
Namensvariante: Noetel, Heinrich Friedrich
Lebensdaten: 1861 bis 1946
Geburtsort: Pleschen (Provinz Posen)
Sterbeort: Dresden
Beruf/Lebensstellung: Sozialpolitiker; Kirchenrechtler
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Tennstedt, FlorianPND: 139021930