<< Nöldeke, Theodor Eduard Bernhard
Nöll von der Nahmer, Robert Philipp >>
Noell
(evangelisch, später katholisch), Fabrikantenfamilie.
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Leben ↑
Die Familie stammt aus dem Taunus, wo sie seit 1570 nachweisbar ist.
Johann Andreas war Bürger und Schmied in der Neustadt von Hanau. Sein Sohn
Johann Matthias (1800–62/63) gründete im
Sept. 1824 in Würzburg eine Schmiede, vor allem für Wagenreparaturen im Dienst der Thurn- und Taxis'schen Post. Zusammen mit seinem Bruder
Georg Heinrich David (1809–74) errichtete er 1851 in Würzburg eine Eisenbahn-Waggonfabrik (Güter- und Personenwagen). Johann Matthias' Sohn
Georg Heinrich (1836–95), in erster Ehe verheiratet mit
Berthe (1847–65), Tochter des Breslauer Eisenbahnwaggonfabrikanten Gottfried Linke (1792–1867, s.
NDB 14), übernahm nach einer Ingenieurausbildung am Polytechnikum 1859 die Waggonfabrik seines Vaters, die er zusammen mit seinem Onkel führte und 1871 in eine
AG umwandelte. 1862 gründete er den „Unterstützungsverein der Noellschen Wagenfabrik“. 1873 war die Zahl der Mitarbeiter auf 730 gestiegen. 1881 verließ Georg die
AG, die bis 1900 liquidiert wurde, und gründete
ca. 1882/83 als Nachfolgeunternehmen in Würzburg die „Georg Noell &
Co. Maschinen- und Eisenbahnbedarfsfabrik und Brückenbauanstalt“. Sein Sohn
Karl (1868–1930) führte nach seinem Ingenieurstudium an der
TH Karlsruhe zusammen mit seinem Onkel, Kommerzienrat
|August Fries (1842–1919) das Unternehmen als oHG weiter. Um die Jahrhundertwende wurden die Produktionsbereiche Stahlhochbau. Hebe- und Fördertechnik, Kran- und Brückenbau systematisch ausgebaut. Nach dem Ausscheiden von Fries nahm Karl 1919 seinen jüngeren Bruder
Friedrich (1881–1967, s. Rhdb.; Klimesch) in die Firma auf.
Dieser studierte an der
TH München (1906 Diplom in Maschinenbau). Nach Berufstätigkeit im Rheinland arbeitete er seit 1909 als 1. Assistent im Laboratorium für technische Physik an der
TH München, wo er über den „Thomson-Joule-Effekt“ zum Dr.-
Ing. promovierte und Ende 1918 Syndikus wurde. 1920 trat er als tätiger Teilhaber in die Firma ein, erwarb viele Patente und gründete die erfolgreiche Abteilung Stahl-Wasserbau. Friedrich führte die Firma, sein Neffe
Georg (1905–42) war Teilhaber. Die Produktion stützte sich auf den Maschinen- und Stahlbau (Hoch-, Brücken-, Wasserbau), den Weichenbau und Eisenbahnzentralanlagen. Während des 2. Weltkrieges hatte die Firma
N. auch Rüstungsaufträge (U-Boot-Bau, Flugzeugbau, Geschützlafetten); durch den Bombenangriff auf Würzburg am 16.3.1945 wurde sie schwer beschädigt, die drohende Demontage aber verhindert. Mit der Elektrifizierung der Bundesbahn verlor der Bereich Eisenbahnausrüstung an Bedeutung, dafür verstärkte man das Engagement im Stahlhochbau (
v. a. Werk- und Kranhallen) und Kranbau. Friedrich bekleidete zahlreiche Ämter in Wirtschaftsverbänden und wissenschaftsfördernden Gremien,
u. a. als Präsidiumsmitglied des
bayer. Industriellenverbandes (bis 1936), als 2. Vorsitzender des
Dt. Stahlbauverbandes, als Ehrensenator der
Univ. Würzburg und der
TH München und 1. Vorsitzender des Universitätsbundes Würzburg. 1928 verlieh ihm die
bayer. Regierung den Titel „Kommerzienrat“. Bis 1933 Mitglied der
BVP, gehörte er seit 1937 der NSDAP an, er war stellvertretender Leiter des Fachamtes Eisen und Metall in der Deutschen Arbeitsfont. Sein Sohn
Kurt Ludwig (1907–81) trat nach dem Studium an der
TH München 1934 in das Unternehmen ein und übernahm die Leitung der Abteilung Weichenbau. Nach dem Tod seines Cousins Georg Heinrich wurde er zusammen mit seinem Vater Geschäftsführer, 1952 auch Teilhaber. Unter seiner Leitung erlebte die Firma einen großen Aufschwung im Stahlwasser- und Schwerkranbau, er leitete das Engagement in der Fertigung im Stahlleichtbau und für Maschinen für Hüttenwerksausrüstungen ein. Er war Vorstandsmitglied des Stahlbauverbandes Köln und Vorsitzender des Stahlbauvereins Bayern; sein soziales Engagement wird gerühmt
|Auszeichnungen ↑
1970 schied die Familie
N. aus dem Unternehmen aus, das von der „Salzgitter-
AG“ übernommen und unter dem Familiennamen weitergeführt wurde. Seit 1990 hält die „Preussag
AG“ die Geschäftsanteile der Salzgitter
AG, die Firma
N. ist ein Unternehmen der Preussag.
Literatur ↑
Gg. N.
GmbH, Würzburg (
Hg.),
N. (
FS 150 J.), 1974;
eigene Archivstud. (Stadtarchiv Würzburg;
StA Würzburg).
Portraits ↑
zu Friedrich:
Mainfränk.
Wirtsch. 1966, H. 12, S. 488;
zu Kurt: ebd., 1967, H. 7, S. 245.
Autor ↑
Herbert SchottEmpfohlene Zitierweise ↑
Schott, Herbert, „Noell“,
in: Neue Deutsche Biographie
19
(1998), S.
312 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd13825303X.html