<< Nider, Johannes
Niebelschütz, Wolf von >>
Nidhard (Nei[d]thardt, Neüthardt), Johann Eberhard
Jesuit, Kardinal,
* 8.12.1607 Schloß Rannariedl (Oberösterreich),
† 1.2.1681 Rom,
⚰ Rom, Il Gesù.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Quellen
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus Ulmer
Patrizierfam., d. 1553 das Gut Gneisenau im Mühlviertel erwarb;
V Hans Neithardt (
† 1638,
ev., etwa seit 1608
kath.), auf Spättenbrunn, Pfleger d.
Gf. Heinrich
v. Salburg auf Schloß Falkenstein, mit
Gf. v. Herberstorff in Oberösterreich Reformations-Commissarius,
S d. Conrad;
M Anna Stebenharter;
vermutl. Verwandter August
Gf. N. v. Gneisenau (1760–1831,
preuß. Gf.),
preuß. GFM (s.
NDB VI).
Leben ↑
Nach Kriegsdiensten begann
N. 1630 an der
Univ. Graz zu studieren und trat 1631 in Wien in die Societas Jesu ein, wo er 1632/33 das Noviziat absolvierte. 1634-40 studierte er in Graz Philosophie und Theologie, legte 1641 in Leoben die einfachen, 1648 in Wien die feierlichen Ordensgelübde ab. Nach einer Tätigkeit am Gymnasium in Linz lehrte er als Doktor
bzw. Professor der Philosophie 1642-46 Logik, Metaphysik, Moralphilosophie und Kirchenrecht an der
Univ. Graz. 1647 wurde
N. als Beichtvater und Instruktor an den Kaiserhof berufen, wo ihm die geistliche Erziehung des späteren Kaisers Leopold I. (1640–1705), vor allem aber von dessen Schwester Maria Anna (Mariana, 1634–96) oblag. Aufgrund persönlicher Verbundenheit blieb er ihr Beichtvater, auch nach ihrer Eheschließung mit
Kg. Philipp IV.
v. Spanien (1605–65). Nach Übernahme der Regentschaft für den vierjährigen Infanten Karl (1661–1700) wurde
N. von der Königin-Witwe mit dem Titel „Exzellenz“ ausgezeichnet. Sie ernannte ihn 1666 zum Mitglied des
Geh. Staatsrates (Consejo real de estado) und der Regierungskommission (Junta de gobierno). Der zum Spanier naturalisierte
N. wurde am 22.9.1666 in das Amt des Generalinquisitors berufen. Als maßgebender Berater der Regentin machte er sich durch innenpolitische Fehlentscheidungen (
u. a. Verbot von Theatervorstellungen und Stierkämpfen, hohe Steuerbelastung) und durch außenpolitische Mißerfolge (Verlust von Portugal und Teilen der Niederlande) bei den Untertanen derart unbeliebt, daß sich unter Führung von Philipps IV. populärem Bastardsohn Don Juan de Austria (1629–79) eine Opposition gegen ihn bildete. Auf
päpstl. Drängen enthob
Kgn. Mariana ihn seiner Ämter (1669) und kam damit einem angedrohten Gewaltakt mit
N.s Fenstersturz zuvor. In der Folge erhielt
N. den Botschafterposten in Rom. Von Papst Clemens X. zum Titular-Erzbischof von Edessa promoviert (1671), empfing
N. als erster Jesuit am 24.1.1672 von Kardinal Federigo Sforza die
bischöfl. Konsekration. Zwei Tage zuvor zum Kardinalpresbyter (in pectore) kreiert und als solcher am 16.5.1672 öffentlich deklariert, erhielt
N. zunächst San Bartolomeo in Isola (1672), dann (1679) Santa Croce in Gerusalemme als Titelkirche zugewiesen. Er wirkte als Mitglied der Kardinalkongregationen für das Konzil, der Riten und des
Hl. Offiziums. An der Papstwahl Innocenz' XI. (1676) war
N. als Führer der
span. Faktion beteiligt. Kein Staatsmann, aber ein gewissenhafter und rechtschaffener Ordensmann, der als theologischer Streiter für die Unbefleckte Empfängnis Mariens hervortrat, schrieb
N., dessen vorbildlicher Lebenswandel auch die Anerkennung seiner Gegner fand, an seinen Memoiren, ehe er im
röm. Profeßhaus seines Ordens verschied.
Werke ↑
W-Verz.:
Sommervogel 5, 1894, S. 1716-22;
H.
Hurter, Nomenclator literarius theologiae catholicae 4,
31910, S. 340 f.
Quellen ↑
Qu
A. F. Pŕibram, M. Landwehr
v. Pragenau, Privatbriefe Kaiser Leopolds I., 1903/04;
J. Andritsch, Die Matrikeln d.
Univ. Graz I, 1977,
Nr. 1388;
ebd. II, 1980,
Nr. 125 u. 845;
L. Lukács, Catalogus personarum et officiorum Provinciae Austriae
SJ, 1982.
Literatur ↑
[Domenico Regi], Panegirico scritto a G. E.
N. confessore della Regina, 1668;
[Johannes Thomas Vigo], Elogium, Virtus honore coronata in
em. E. Card.
N. purpura, 1672;
D. Bouhours, Relation de la sortie d'Espagne du père E.
N. Jesuite, Confesseur de la Reine et Inquisiteur General, 1669;
M. C. Au(l)noy, Mémoires des Intrigues de la Cour de Rome, depuis l'année 1669 jusques en 1676, 1676;
dies.,
Span. Staats-
Gesch., 1703;
G. J. Eggs, Purpura docta 3, 1714, S. 508-14;
J. Drews, Fasti
SJ, IV, 1740, S. 22;
L. Cardella, Memorie storiche de' Cardinali della Santa Romana Chiesa 7, 1793, S. 213 f.;
P. Bayle,
Dict. historique et critique 11,
41829, S. 150-56;
J. Crétineau-Joly,
Gesch. d.
Ges. Jesu IV, 1847;
B. Duhr, in:
Hist.-
pol. Bll. f. d.
kath. Dtld. 98, 1886, S. 139-54, 154, 1914, S. 465-84;
J. Poeschl, J. E.
N., e.
Kard. aus d. Mühlviertel, 1914;
A. Astrain, Historia de la Compañia de Jesús en la Asistencia de España 6, 1920, S. 102-17;
L.
v. Pastor,
Gesch. d.
|Päpste 14, 1929;
L. Pfandl, Karl II., 1940;
G. Duque de Maura Gamazo, Vida y Reinado de Carlos II, 2
Bde.,
21954;
A. Zerlik, in: Freinberger Stimmen 35/2, 1965, S. 43-54;
J. Lynch, Spain under the Habsburgs II,
21981;
A. A. Strnad, Vom Hofbeichtvater
z. Gen.inquisitor, in:
ders., Dynast u. Kirche,
hg. v. J. Gelmi
u. a., 1997, S. 511-40;
L. Polgár,
Bibliogr. sur l'histoire de la Compagnie de Jésus 1901–80, III, 1990;
Zedler 23;
Jöcher III;
Wurzbach 20;
Duhr III;
Koch;
Dipl. Vertr. I;
Hierarchia
Cath. V, 1958;
LThK3 VII.
Portraits ↑
Kupf. v. F. Andriot (1672)
n. e.
Gem. v. J. de la Borde,
Abb. in: M. Guarnacci, Vitae, et res gestae Pontificum Romanorum et S.R.E Cardinalium, I, 1751, S. 36.
Autor ↑
Alfred A. StrnadEmpfohlene Zitierweise ↑
Strnad, Alfred A., „Nidhard, Johann Eberhard“,
in: Neue Deutsche Biographie
19
(1998), S.
212 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100223559.html