<< Neundörfer, Ludwig
Neupert >>
Neuner
Lederwarenfabrikanten. (katholisch)
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Leben ↑
Die Familie stammt aus Oberfranken. 1657 kam
Hans (
† 1672), ein Metzger, nach Waischenfeld und wurde dort Mitglied des Stadtrates. Sein Sohn
Friedrich (1658–1719) war ebenfalls Stadtrat. Die Witwe seines Urenkels
Georg Adam (1734–72),
Margareta, heiratete 1775 den Riemermeister Christoph Artenbacher, bei dem ihr Sohn aus erster Ehe,
Christof d. Ä. (1765-1834), in die Lehre ging. Dieser kam auf der Wanderschaft 1792 über Graz nach Klagenfurt, wurde dort 1793 Meister und erwarb die Mayer'sche Riemergerechtsame. Sein Sohn
Christof d. J. (1809-77) erwarb nach Lyzeumsbesuch, Lehre und Wanderschaft 1829 den Meistertitel. Er leitete seit 1828 eine Filiale der väterlichen Firma und übernahm mit dem Tod des Vaters das Unternehmen, das er zu einem der größten ledererzeugenden und -verarbeitenden Betriebe der Monarchie ausbaute. Er stellte Riemen, Peitschen, Pferdegeschirre, Sättel, Koffer und Brieftaschen her, baute eine eigene Plattiererei und 1842 eine Lohgerberei auf. Christof erschloß neue Märkte, hauptsächlich in Venetien und der Lombardei, aber auch in der Türkei, in Griechenland, Unteritalien, Ägypten und Amerika. Im Zuge der industriellen Entwicklung wurde seit 1859 erfolgreich die Produktion von Treibriemen aufgenommen. Die Erzeugnisse wurden auf der Wiener Industrie-Ausstellung 1845 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet; auch in den folgenden Jahren erhielt die Firma goldene und silberne Medaillen auf Ausstellungen. Seit 1877 führten Christofs Söhne
Julius (1838–1910), der sich daneben als Bürgermeister der Kommunalpolitik widmete, und
Franz Josef (1856–1912) die Firma gemeinsam. 1888 wurden der Dampfbetrieb und 1894 die Schnellgerbung eingeführt. Geschäfte mit der Kriegsmarine und der Ausbau der Exporte ermöglichten eine weitere Expansion. Franz Josef, verheiratet mit der Triester Großkaufmannstochter
Maria, hatte zwei Söhne,
Franz (1885–1963) und
Hans (1889–1983). Ersterer übernahm nach Technikstudium, Promotion (1909) und Professur für Chemie an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gerberei in Wien 1912 die Leitung der väterlichen Fabrik. 1917 wurde infolge Rohstoffmangels die Erzeugung auf Sandalen und primitive Schuhe umgestellt. Nach 1918 erhielt die Firma große Aufträge der
poln. Armee zur Lieferung von Sätteln und konnte dadurch die Beschäftigtenzahlen halten. 1922 gründete Hans, bis dahin ebenfalls in der Firmenleitung tätig, eine eigene Lederfabrik, welche sich auf dem Boxcalfsektor zu einem der bedeutendsten Hersteller Europas entwickelte. Sie wird heute von seinem ältesten Enkel,
Johannes Gruber (
* 1946), geleitet und liefert weltweit hochwertiges Kalbsleder an führende Modeunternehmen. Franz baute nach dem Einbruch des Marktes für Pferdegeschirre die Schuhfabrik aus und errichtete eine Lederbekleidungswerkstätte mit eigener Gerberei, welche bis 1940 zur tragenden Säule des Unternehmens wurde. Im 2. Weltkrieg erlebte die Riemerei eine letzte Blüte; kurz darauf mußte die Produktion stillgelegt werden. Die Ledererzeugung wurde 1946 nach Lienz verlegt und seit 1950 dort konzentriert, während die Schuhproduktion in Klagenfurt verblieb. 1954 begann die Fertigung von CEMA-Schuhen, die in eigenen Filialen in Wien und Innsbruck großen Absatz fanden und zu einer ständigen Steigerung von Produktion und Beschäftigtenzahl führten. Daneben engagierte sich Franz auch als Präsident der
|Kärntner Sparkassen und Vizepräsident der Vereinigung
österr. Industrieller. 1963 übernahmen seine Söhne
Fritz (
* 1912) und
Christof (
* 1923) die Firmenleitung; in der Folgezeit konnte die Produktion nochmals deutlich gesteigert werden. 1975 wurden die Erzeugungsbetriebe schrittweise stillgelegt und in ein Einkaufszentrum und Handelsgeschäft für Schuhe, Leder- und Trachtenkleidung umgewandelt. 1988 erfolgte eine Vermögensaufteilung zwischen den Brüdern, die Geschäfte Christofs werden heute von seinen Söhnen weitergeführt.
Literatur ↑
Neuner-
Ztg. v. 28.10.1955;
Christof N., 175 J. Leder- u. Lederwarenfabrik,1968;
Die Großindustrie Österreichs I, 1898, S. 165 ff., IV, 1908, S. 52;
ÖBL;
Mitt. d.
Fam.Autor ↑
Gustav Otruba , Maria SchimkeEmpfohlene Zitierweise ↑
Otruba, Gustav; Schimke, Maria, „Neuner“,
in: Neue Deutsche Biographie
19
(1998), S.
177-178
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd138230218.html