<< Neufert, Ernst
Neuffer, Friedrich Wilhelm >>
Neuffen
schwäbisches Adelsgeschlecht.
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Leben ↑
Die Herren von
N. (im Neckargau
südl. von Nürtingen) zählten im 12. und 13.
Jh. zur Spitzengruppe adliger Familien im Südwe
|sten des Reiches. Der im späten 11.
Jh. in der
päpstl. Reformpartei Schwabens begegnende
Manegold von Sulmetingen (im Rißtal), zu dessen Vorfahren der gleichnamige Neffe des
hl. Ulrich von Augsburg gehörte, gilt als Erbauer der am Albtrauf gelegenen Burg Hohenneuffen, des später namengebenden Sitzes der Familie. Manegolds Ehe mit Mathilde aus dem Uracher Grafenhaus begründete den später mehrfach beanspruchten gräflichen Rang der Familie. Aus der Verwandtschaft der Uracher mit den Grafen von Achalm erklärt sich wiederum das enge Verhältnis Manegolds zum Kloster Zwiefalten: Hier wurde er mit seiner Gattin beigesetzt, hier traten seine Kinder
Ulrich und
Mechtild ein. Sein in
welf. und zähring. Umgebung bezeugter Sohn
Egino (
† nach 1145) nannte sich erstmals nach Neuffen. Doch verlagerte sich der Herrschaftsschwerpunkt mit
Liutfried v. Weißenhorn, einem mutmaßlichen Neffen Eginos, zunächst wieder nach Osten in den Iller-Günz-Raum, und auch Liutfrieds Sohn
Berthold (
† nach 1221), der mit Adelheid, der Erbtochter der Grafen
v. Achalm-Gammertingen, verheiratet war, blieb vorerst noch im
oberschwäb. Raum verankert, wo er im Gefolge
Hzg. Welfs VI. und seit 1185 der
stauf. Schwabenherzöge nachweisbar ist. Seit 1200 band sich die nun durchgängig nach Neuffen benannte Familie eng an das
stauf. Königtum: Berthold unterstützte Philipp und gehörte später zum Gefolge Friedrichs II. und Heinrichs (VII.) in Deutschland. Seine Söhne setzten diese Linie fort:
Heinrich (
† nach 1246) und
Albrecht (
† 1245) waren Vertraute der Staufer in Deutschland und Italien,
Berthold wurde Protonotar Friedrichs II. und 1217 Bischof von Brixen (
† 1224). Nach der Hilfeleistung Heinrichs und seiner Söhne
Heinrich und
Gottfried (s.
NDB VI) für den aufständischen
Kg. Heinrich (VII.) 1235 mußte die Familie Besitz (
u. a. die Burg Achalm) an Friedrich II. abtreten. Um 1240 näherten sich Heinrich und Albrecht zeitweise der
päpstl. Partei in Schwaben an, und ein Mitglied der Familie unterstützte 1246 den Gegenkönig Heinrich Raspe. Doch blieben die
N. insgesamt gesehen auf Seiten der Staufer. Während die Linie Heinrichs die
Gfsch. Neuffen Ende des 13.
Jh. an Konrad
v. Weinsberg verkaufte, von dem sie 1301 an Württemberg überging, gelang es Albrechts Sohn
Berthold durch den Erwerb der
Gfsch. Marstetten, die Herrschaft an der Iller mit Sitz in Weißenhorn zu stabilisieren, wo Bertholds Enkel
Albrecht (
† 1306) das Erbbegräbnis der Familie errichtete.
Dessen Ehe mit der
Gfn. Elisabeth
v. Graisbach aus dem Haus der Grafen
v. Lechsgemünd entstammte
Berthold (
† 1342), der nach dem Aussterben der mütterlichen Familie (1324) die
Gfsch. Graisbach erbte. Dieser berühmte Vertreter des letzten Zweigs der Herren von
N. stand seit 1311 im militärischen, administrativen und persönlichen Dienst Kaiser Ludwigs d. Bayern. 1323 von Ludwig zum Reichsvikar für die Lombardei, die Toskana und die Mark ernannt, wo er mit Unterbrechungen bis 1331 amtierte, verteidigte Berthold das ghibellin. Mailand erfolgreich gegen einen Angriff der
päpstl. Partei. 1331-41 fungierte er als Hauptmann im
Hzgt. Oberbayern. 1335 wurde er vom Kaiser nach England gesandt, um ein Bündnis mit
Kg. Eduard III. abzuschließen. Die Nachkommenschaft Bertholds, welche Ludwig d. Bayer bis auf die seinem Enkel
Hzg. Friedrich verheiratete Tochter Anna aus dynastischem Interesse in den geistlichen Stand versetzen ließ, starb zu Beginn des 15.
Jh. aus.
Literatur ↑
H. Decker-Hauff, Berthold
v. N.,
Gf. v. Marstetten u. Graisbach,
kaiserl. Gen.vikar f. Italien, um 1290–1342, in:
Schwäb. Lb. 6, 1957, S. 28-40;
H.-M. Maurer, Die hochadligen
v. N. u.
v. Sperberseck im 12.
Jh., in:
ZWLG 25, 1966, S. 59-130;
H. Thomas, Ludwig d. Bayer (1282–1347), Kaiser u. Ketzer, 1993.
Autor ↑
Thomas ZotzEmpfohlene Zitierweise ↑
Zotz, Thomas, „Neuffen“,
in: Neue Deutsche Biographie
19
(1998), S.
117 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd138144389.html