<< Gerland, Ernst
Gerland, Heinrich Ernst Karl Balthasar >>
Gerland, Georg Cornelius Karl (Pseudonym Fr. Watter)
Geograph, Geophysiker,
* 29.1.1833 Kassel,
† 16.2.1919 Straßburg.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
B Ernst (s. 1);
⚭ Marburg 1864
Wilhelmine (1836–85),
T d.
Ernst Henke (1804–72),
Prof. d.
Theol. (s.
ADB 50;
RGG), u. d. Betty Fries; 1
S , 4
T ,
u. a. Heinrich (s. 4);
N Ernst (s. 2).
Leben ↑
Gerland war eine vielseitig begabte Persönlichkeit: er betätigte sich als Komponist, Sprachforscher, Ethnologe, Geograph und Geophysiker. Der Elfjährige komponierte bereits, der 18jährige veröffentlichte Klaviersonaten; Lieder gingen ins „Deutsche Kommersbuch“ ein; andere (mit Klavierbegleitung) wurden später in Heften gedruckt. Nach Berichten hat Gerland im hohen Alter in freien Phantasien auf dem Klavier eigene Schöpfungen gespielt. Ein historisches Drama „Konrad I.“ veröffentlichte er 1892 unter dem Pseudonym Fr. Walter. – Seine Studienjahre verbrachte Gerland in Berlin und Marburg. Er beschäftigte sich mit Altphilologie, Germanistik und Anthropologie (Promotion Marburg 1859). 1856-75 war er Gymnasiallehrer, zunächst in Kassel, dann in Hanau, in Magdeburg und in Halle. In Berlin hatte er den Brüdern Grimm nahegestanden; in Marburg hatte er sich an den Psychologen und Anthropologen Th. Weitz angeschlossen. Nach dessen Tode (1864) vollendete Gerland den 5. Band des großen Werkes von Weitz über die Anthropologie der Naturvölker und schrieb selber den 6. Band „Die Völker der Südsee“ (1872). Andere Arbeiten aus dem Gebiet der Ethnologie folgten. – Auf dem Weg über die Völkerkunde befaßte sich Gerland mit der Umwelt, in die der Mensch hineingestellt ist, und wandte sich immer mehr der Geographie zu. 1875 folgte er dem Ruf auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Geographie in Straßburg. Innerhalb seiner 35jährigen Lehrtätigkeit in Straßburg hielt er Vorlesungen über Themen der Religionswissenschaften, Ethnologie, mathematischen Geographie, Kartographie, Geographie der Organismen, der beschreibenden Geographie und der Geophysik. Weit bekannt waren die von ihm geführten Seminare, Kolloquien und Exkursionen, an denen sich Studenten verschiedener Fachrichtungen beteiligten. – 1887 erschien der 1. Band seiner Zeitschrift „Beiträge zur Geophysik“ – eine der ältesten Zeitschriften dieses Faches, heute „Gerlands Beiträge zur Geophysik“ genannt. Das Vorwort Gerlands zum 1. Band seiner „Beiträge“ hat bei den damaligen Fachkreisen der Geographie großes Aufsehen und stärkste Kritik erregt. Gerland war nämlich im Laufe seiner Entwicklung zu der Auffassung gekommen, daß das Studium des Menschen aus der Geographie auszuschließen sei. Nach eigener Aussage war es Gerlands Ziel, „die Erde in ihrer Ganzheit, in ihrer planetarischen Eigenart, in der Wechselwirkung der an ihre Materie gebundenen physikalischen (und chemischen) Kräfte zu studieren“. Damit hatte er sich der damals ganz jungen Geophysik zugewendet, die ihre Wurzeln in der Mathematik, Physik, Astronomie und Geographie hat und als deren Mitbegründer er zu bezeichnen ist. An der Schaffung der Meteorologischen Anstalt von Elsaß-Lothringen hat er entscheidend mitgewirkt. Auf seine Veranlassung wurde die Internationale Seismologische Gesellschaft ins Leben gerufen. Am 1.4.1899 wurde die von ihm verlangte Hauptstation für Erdbebenforschung in Straßburg gegründet, die heute noch nach über 60 Jahren zu den bedeutendsten seismologischen Stationen der Erde gehört. – Alle Biographen, die Gerland persönlich gekannt haben, stellen sich am Ende ihrer Betrachtungen die Frage, ob Gerland nicht noch Bedeutenderes geleistet haben würde, wenn er sein Leben nicht den Wissenschaften, sondern der Musik verschrieben hätte.
Werke ↑
Weitere W u. a.
Der altgriech. dativ,
Diss. Marburg 1859;
Altgriech. Märchen in d. Odyssee, 1869;
- Über d. Aussterben d. Naturvölker, 1868;
Atlas d.
Ethnol. im Brockhaus'schen Bilderatlas, 1876;
Berr. üb. d.
anthropol.-ethnogr. Forschung, 1876-1900
(alle 2 J. ersch.);
Aussterben d. Eingeborenen Australiens, in: 3. J.ber. d.
Ver. f. Erdkde,
z. Metz, 1880;
Atlas d.
Völkerkde., 1892;
Merkwürdige Vogesenberge, Schwarzwald u. Vogesen, Talbildung d.
nördl. Vogesen, Der Hoheneck, in:
Gemeindeztg. f. Elsaß-Lothringen, 1880/81;
Geograph.
Abhh. aus d. Reichslande Elsaß-Lothringen, 1892;
Das Reichsland Elsaß-Lothringen, T. 1, 1898-1901;
- Ber.erstattung
üb. vulkanist, u. seismische
Arbb. b. z. J. 1903;
Das seismische Verhalten d. atlant. u. d. pazif. Ozeans, Vortrag auf d. 9. internat. Geographenkongreß 1908 in Genf;
- Briefwechsel Hans Thoma u. G.
G., 1938
(P).
Literatur ↑
L. Neumann, in: Petermanns
Mitt. 65, 1919, S. 22 f.;
K. Sapper, in: Geograph.
Zs. 25, 1919, S. 329-40;
ders., in:
Lb. aus Kurhessen u. Waldeck II, 1940, S. 150-62
(W, L, P);
DBJ I (
Tl. 1919,
L);
Pogg. V, VI;
Kosch, Lit.-Lex.Autor ↑
Gustav AngenheisterEmpfohlene Zitierweise ↑
Angenheister, Gustav, „Gerland, Georg Cornelius Karl“,
in: Neue Deutsche Biographie
6
(1964), S.
305
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116587938.html
Gerland, Georg
Name: Gerland, Georg
Namensvariante: Gerland, Georg Cornelius Karl
Namensvariante: Fr. Walter
Namensvariante: Walter, Fr.
Lebensdaten: 1833 bis 1919
Geburtsort: Kassel
Sterbeort: Straßburg
Beruf/Lebensstellung: Geograph; Geophysiker
Konfession: lutherisch
Autor NDB:
Angenheister, GustavPND: 116587938