Name
Fuchs, Leonhart
Namensvarianten
Fousch, Leonarth; Fuchs, Leonhard; Fuchs, Leonhard <aus Wemding>; Fuchs, S.; Fuchsen, Leonhart; Fuchsius, Leonardius; Fuchsius, Leonardus; Fuchsius, Leonhardus; Fuchsius, Leonhartus; Fuschius, Leonhart
Lebensdaten
1501 bis 1566
Geburtsort
Wemding Kreis Donauwörth
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Lebensstellung
Botaniker; Arzt
Konfession
katholisch,evangelisch
Autor NDB
Gernot Rath
Autor ADB
A. Hirsch.
GND
119059487

Fuchs, Leonhart

Botaniker und Arzt, * 17.1.1501 Wemding Kreis Donauwörth, 10.5.1566 Tübingen. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Johannes ( 1506), Ratsherr in W.; M Anna Dentenorus; 1) München 1525 Anna Friedberger ( 1563), 2) 1564 N. N., Pfarrers-Wwe; 4 S, 6 T aus 1).

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Heilbronn und Erfurt immatrikulierte sich F. mit 12 Jahren in der Artistenfakultät der Universität Erfurt, erwarb hier den Grad eines Baccalaureus artium und eröffnete daraufhin eine Privatschule in seiner Heimatstadt. Seine Liebe zu den klassischen Sprachen, die sich als Leitfaden durch sein Leben zieht, veranlaßte ihn, sein Studium 1519 in Ingolstadt wiederaufzunehmen. Als Magister artium (1521) wechselte er zur Medizin über. 1524 wird er bereits als Dr. med. in den Matrikeln von Ingolstadt geführt. Als überzeugter Lutheraner vertauschte er 1524 Ingolstadt, das zur Vorkämpferin des Katholizismus geworden war, mit München, wo er 2 Jahre lang ärztliche Praxis ausübte. 1526 kehrte er als Professor der Medizin nach|Ingolstadt zurück, gab jedoch 2 Jahre später seine Lehrtätigkeit an der Universität wieder auf zugunsten einer Leibarztstelle bei Markgraf Georg von Brandenburg in Ansbach. Da die Pläne des Markgrafen zur Errichtung einer protestantischen Universität scheiterten, kehrte F. 1533 enttäuscht nach Ingolstadt zurück. Aber noch im selben Jahr mußte F. aus Glaubensgründen seine Lehrtätigkeit wieder abbrechen; abermals fand er in Ansbach Zuflucht, gerettet „ex Ingolstadiensium Sophistarum faucibus“. In Ansbach erreichte ihn ein Ruf Herzog Ulrichs von Württemberg nach Tübingen, dem er 1535 Folge leistete. Bis zu seinem Tode hat F. in Tübingen gelehrt und entscheidend zur Neuordnung und zum Ruhme der Universität beigetragen. 1548 lehnte er sogar eine ehrenvolle Berufung des Herzogs Cosimo Medici ab, der ihn auf Veranlassung Vesals als Vorsteher eines in Pisa neu errichteten botanischen Gartens gewinnen wollte. F. Hauptleistung liegt auf dem Gebiet der Botanik. In seiner „Historia stirpium“ (Basel 1542, Porträt), die er 1543 als „New Kreuterbuch“ in deutscher Übersetzung herausbrachte, versucht er, eine vollkommene Lebensgeschichte der Pflanzen zu geben. Die Systematik und Einheitlichkeit des Textes wie die künstlerische Vollkommenheit und botanische Genauigkeit der 541 Abbildungen haben ihm das Cognomen eines der „Väter der Botanik“ eingetragen; nach ihm wurde die Gattung „Fuchsia“ benannt. Seine literarischen Leistungen in der Medizin dagegen erheben sich nicht über das Niveau seiner Zeit. Sein Hauptverdienst liegt hier in der Eliminierung der Araber aus der Heilkunde und in ihrem Ersatz durch klassische Autoren. Zudem hat F. als einer der ersten, wenn auch nicht uneigennützig, durch sein anatomisches Werk „De humani corporis fabrica“ (Tübingen 1551) die deutschen Ärzte mit Vesals Anatomie bekannt gemacht.

    • Werke

      Weitere W unter anderem Neuausgg.: Alt-Kräuterbüchlein, Von d. Kraft u. Wirkung d. Kräuter, Nach d. „New-Kreuterbüchlein“ d. L. F. (1543), hrsg. v. A. v. Bernus u. H. Franke, 1935;  H. Marzell, L. F. u. s. New Kreuterbuch (1543), 1938 (mit Faksimile-druck); Verzeichnis(se) d. botan. W u. Nachdrucke b. A. v. Haller, Bibl. botanica I, Zürich 1771, S. 268-70;  C. Nissen, Die botan. Buchill., 1951.

    • Literatur

      ADB VIII;  G. Hizler, Oratio de vita et morte … L. Fuchsii, Tübingen 1566;  M. Adam, Vitae Germanorum medicorum, Heidelberg 1620, S.172-83;  C. Lorenz, De L. Fuchsio, Berlin 1846;  E. Stübler, L. F., Leben u. Werk, 1928 (vollständig W-Verzeichnis(se), L, P)ders., in: Schwäb. Lb. I, 1940, S. 208-15 (Werk(e), Literatur, Porträt); weitere Biographien b. Marzell u. Nissen (s. W);  BLÄ.

    • Portraits

      Ölgem. v. H. Füllmaurer, 1541 (Stuttgart, Schloßmus.), Abb. in: Schwäb. Lb. I;  Gem., 1541 (Tübingen, Univ., Kopie);  1 Holzschn., 2 Stiche (Washington, Library of the Surgeon-General's Office, Nr. 19, 200, 226);  Abb. v. in d. Arzneikde. verdienten Gel., 1805, S. 13;  Gal. médicale, portrnits des médecins les plus célèbres de tous pays et de tous les siècles …, Paris 1825–29, Fol. 7.

  • Autor

    Gernot Rath
  • Empfohlene Zitierweise

    Rath, Gernot, "Fuchs, Leonhart" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 681 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119059487.html

Fuchs, Leonhard

  • Leben

    Fuchs: Leonhard Fuchs, Arzt, den 17. Jan. 1501 in Wemdingen (Schwaben) geboren, bezog, nachdem er den ersten Unterricht in Heilbronn und später in Erfurt genossen hatte, im J. 1519 die Universität zu Ingolstadt, wo er sich aufs eifrigste mit dem Studium der griechischen und lateinischen Sprache und Philosophie, sodann, nach Erlangung der Würde eines Magister artium bonarum, mit dem Studium der Medicin beschäftigte und im J. 1524 den Doctorgrad erlangte. Er habilitirte sich zuerst als Arzt in München, kehrte aber schon 1526 nach Ingolstadt zurück und trat hier als Lehrer der Medicin auf; 1528 folgte er einem Rufe als Leibarzt des Markgrafen von Ansbach und verblieb in dieser Stellung mit einer kurzen Unterbrechung im J. 1533, in welchem er eine Ernennung als Professor der Medicin in Ingolstadt erhielt, allein dieses Amt nach kurzer Zeit in Folge religiöser Mißhelligkeiten (F. war ein eifriger Protestant) wieder aufgab, bis zum Jahre 1535. Eben damals erhielt er eine sehr ehrenvolle Berufung als Professor der Medicin an die noch jugendliche Universität nach Tübingen und hier hat er bis zu seinem am 10. Mai 1566 erfolgten Tode gelebt. — F. nimmt unter den Reformatoren der Medicin im 16. Jahrhunderte eine hervorragende und ehrenvolle Stellung ein, vor vielen derselben aber zeichnete er sich durch eine anerkennenswerthe Unbefangenheit aus, welche ihm namentlich gestattete, die großen Fortschritte, welche die Anatomie durch die Leistungen Vesal's erfahren, richtig zu schätzen, und ihn davor schützte, bei aller Anerkennung, die er Hippokrates und Galen zollte, ein bloßer Panegyriker dieser großen Männer zu werden; sein anatomisches Lehrbuch ("De corporis humani fabrica epitome", Tubing. 1551) ist eine der ersten anatomischen Schriften, aus welcher die deutschen Aerzte mit der Vesal'schen Anatomie bekannt geworden sind. — Sein Hauptbestreben war auf die Wiederherstellung der griechischen Medicin, auf die Reinigung derselben von den arabistischen Auswüchsen hingerichtet, von welchen die alte klassische Heilkunde während des Mittelalters überwuchert worden war; dieser Aufgabe war er vermittelst einer gründlichen philologischen Bildung und eines scharfen kritischen Verstandes wohl gewachsen, und in eben dieser Leistung ist sein Verdienst um die Förderung der Medicin zu suchen; zu einer eigentlich productiven Thätigkeit ist F. auf diesem Gebiete nicht gekommen. Seine überaus zahlreichen Schriften (vgl. das Verzeichniß in Haller, Bibl. pract. I. S. 523) sind theils Lehrbücher, theils kritische Schriften, theils Commentarien zu Schriften griechischer Aerzte, von welchen er einzelne neu edirt und in lateinischer Uebersetzung veröffentlicht hat. Eine nicht weniger große Bedeutung kommt den Leistungen von F. in der Botanik zu; er ist nächst Brunfels der erste gewefen, der sich in selbständiger Weise mit dem Studium einheimischer Pflanzen beschäftigt, eine große Zahl derselben naturgetreu beschrieben, und diese Schilderung durch gute Abbildungen (Holzschnitte) illustrirt hat. Sein botanisches Werk ("De historia stirpium commentarii etc.") erschien zuerst 1542 in Basel, später von ihm selbst in deutscher Uebersetzung (als "New Kreuterbuch") 1543, sodann französisch, holländisch, spanisch etc. übersetzt. — F. hatte eine neue und erweiterte Ausgabe dieser Schrift vorbereitet, kam aber nicht zur Veröffentlichung derselben, da er vor erfolgtem Abdrucke der Holzschnitte starb. Ueber den Verbleib des Manuscriptes ist nichts bekannt geworden, die in Holz geschnittenen Formen wurden zerstreut; ein Theil derselben blieb in Tübingen, wo er vielleicht noch jetzt aufbewahrt wird, ein anderer soll, wie Haller mittheilt, in den Besitz von Gessner, einem Freunde von F., gekommen sein. Die Leistungen von F. fanden schon zu seinen Lebzeiten eine hohe Anerkennung; er ist der erste deutsche medicinische Gelehrte, der einen Ruf nach dem Auslande (nach Pisa) erhalten hat, der Kaiser Karl erhob ihn, ohne daß er selbst hierzu irgend einen Schritt gethan hatte, in den Adelsstand. Die dankbare Nachwelt hat seinen Namen in der Botanik in der Gattung "Fuchsia" verewigt und ihm einen ehrenvollen Platz unter den "Vätern der deutschen Pflanzenkunde" eingeräumt.

    • Literatur

      Ueber sein Leben vgl. Geo. Hizler, Oratio de vita et morte D. L. Fuchsii. Tubing. 1566. — Adam, Vita germanor. medicor. p. 172. — Niceron, Mém. pour servir à l'hist. des hommes illustr. etc. T. XVIII. p. 214. — Joh. Voigt, Briefwechsel der berühmtesten Gelehrten des Zeitalters der Reformation mit Herzog Albrecht von Preußen. Königsb. 1841. S. 260. — Ueber seine Leistungen in der Botanik vgl. Meyer, Geschichte der Botanik. Bd. IV. S. 309. Kgsb. 1857.

  • Autor

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Fuchs, Leonhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 169-170 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119059487.html?anchor=adb

Fuchs, Leonhart

Fuchs, Leonhart