<< Saphir, Moritz Gottlieb
Sapper, Karl Theodor >>
Sapper, Agnes
geborene
Brater, Jugendschriftstellerin,
* 12.4.1852 München,
† 10.3.1929 Würzburg,
⚰ Würzburg. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Karl Brater (1819–69),
lib. pol. Publ.,
Jur., rechtskundiger
Bgm. v. Nördlingen, Mithg. d.
Dt. Staatswb.,
Abg. d.
bayer. LT, Gründer d. bis 1863 in
M. u. Frankfurt/
M. erschienenen
nat.lib. Süddt.
Ztg. (s.
NDB II;
W),
S d. Karl,
bayer. Oberappellationsger.rat, u. d. Charlotte Meynier;
M Pauline (1827–1907),
Schriftst.,
T d. Wilhelm Pfaff (1774–1835),
Prof. d. Math. u. Astronomie in Dorpat,
W. u. seit 1817 in Erlangen (s.
NDB 20);
Ur-Gvv Johann Heinrich Meynier (1764–1825), Jugendschriftst.,
Päd. (s.
NDB 17); –
⚭ 1875 Eduard Sapper (1837–98), seit 1874 Stadtschultheiß in Blaubeuren, seit 1882 Notar in Neckartailfingen, Esslingen u. Calw; 5
K (2 früh
†) Karl (1876–1964,
⚭ Maria Königsfeld,
* 1879),
ao. Prof. d. Naturphil, in Graz (s.
Teichl; Kürschner.
Gel.-Kal. 1966), Anna (1882–1969), Sprachlehrerin, Agnes (
* 1883,
⚭ Fritz Herding, Gymnasiallehrer in Sulzbach-Rosenberg), Krankenpflegerin;
Vt Ernst Rohmer (1818–97), Verlagsbuchhändler in Nördlingen (s.
NDB 22);
E Otto Herding (1911–2001), Mediävist, Humanismusforscher,
o. Prof. f. Landeskunde in Tübingen u. f.
Gesch. in Münster u. Freiburg,
Mitgl. d.
Komm. f. geschichtl. Landeskunde in Baden-
Württ., d.
Hist. Komm. f. Westfalen u. d. Erasmuskomm. d. Niederl.
Ak. d. Wiss. (s.
Wi. 1997;
Kürschner, Gel.-Kal. 2000;
ZWLG 61, 2002, S. 475).
Leben ↑
Vom Vater liberal, von der Mutter
fränk.-
prot. geprägt, in München und Erlangen durch Privatunterricht im Stil einer „höheren Tochter“ erzogen, war
S. zunächst als Privatlehrerin tätig. Ihr Ehemann förderte ihre schriftstellerischen Neigungen seit 1882. Mit ihm übersiedelte sie 1875 nach Blaubeuren, 1882 nach Neckartailfingen, 1888 nach Esslingen und 1892 nach Calw. Ein Jahr nach dem Tod des Gatten, wodurch das Schreiben für
S. zur wirtschaftlichen Notwendigkeit wurde, übersiedelte sie zur Mutter nach Würzburg.
Grundthema ihrer Schriften ist die kinderreiche bürgerliche Familie einer süddt. Kleinstadt, deren enger Zusammenhalt als Basis gesellschaftlicher Ordnung erscheint. Die harmonisierende Schilderung liebenswerter Charaktere wird verbunden mit den Nöten des Alltags und sozialen Problemen wie der Kinder- und Heimarbeit (Regine Lenz, 1904; Im Thüringer Wald, 1914). Jedoch gelangte
S., die ihr Schreiben als pädagogische Aufgabe verstand, nicht zu einer grundlegenden Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse. Die im 1. Weltkrieg vertäuten Geschichten sind ganz der nationalen Sache verpflichtet (Ohne d. Vater, 1915; Kriegsbüchlein, 1915).
S., der ein nachhaltiger Erfolg erst in der Weimarer Republik gelang, wurde eine der beliebtesten Jugendschriftstellerin in der ersten Hälfte des 20.
Jh. Bis heute wurden ihre Bücher in zahlreiche Sprachen übersetzt und erreichten eine Gesamtauflage von über 3
Mio. Exemplaren. Ihr meistgelesenes Buch ist der Jugendbuchklassiker „Die Familie Pfäffling“ (1907.
zahlr. Neudrr.) mit 750 000 verkauften Exemplaren, das 1910 mit „Werden und Wachsen, Erlebnisse der großen Pfäfflingskinder“ eine Fortsetzung erfuhr. Erlebnisse aus dem eigenen Elternhaus verarbeitete
S. in der literarischen Biographie ihrer Mutter „Frau Pauline Brater“ (1908,
441930). Ihre Romane besitzen im Vergleich zu anderen bedeutenden Jugendbüchern vorangegangener Jahre ein eigenes Profil: Anders als in Johanna Spyris „Heidi“-Romanen (1880/81) steht nicht die Entwicklung einer Einzelpersönlichkeit, sondern stets ein Fa
|miliengefüge im Mittelpunkt; im Unterschied zu dem stärker auf Unterhaltung abzielenden „Trotzkopf“ (1885) Emmy
v. Rhodens folgte
S. erzieherischen Absichten
|Auszeichnungen ↑
Agnes-Sapper-Haus
z. soz. Rehabilitation (
S.s
ehem. Wohnhaus) d.
ev. Kirche. Würzburg; Gedenkstätte „Schubart-Stube“ in Blaubeuren (seit 1990).
Werke ↑
Weitere W
Das erste Schuljahr. 1894;
Die Mutter unter ihren Kindern, 1895;
Gretchen Reinwald, Erlebnis e. Schulmädchens, 1901;
Das
kl. Dummerle, 1904;
Lieschens Streiche, 1907;
Erziehen oder Werdenlassen!. 1912;
Das Enkelhaus, 1917;
Karl Brater, Pari. u.
Schriftst. 1819-1869, in:
Fränkische Lebensbilder, 1919, S. 25-38;
Ein Gruß an d. Freunde meiner Bücher, 1922;
|Nachlass ↑
Nachlaß: 1945 verbrannt. Reste im Stadtarchiv Blaubeuren.
Literatur ↑
Karl Sapper, Erinnerungen aus meiner Kindheits- u. Jugendzeit in
Württ. (1876–1903) (
unveröff. Typoskript im
DLA Marbach u. im
StadtA Blaubeuren);
A.
S. z. 70.
Geb.tag. 1922;
A. Herding-Sapper, A.
S., Ihr Weg u. ihr Wirken, 1931,
21932
(P);
U. Breuninger. Erzieherische Gedanken im Werk d. Dichterin A.
S., Dipl.arb.
Univ. Mannheim;
C. Breyer, in: I. Meidinger-Geise (
Hg.), Frauengestalten in Franken, 1985, S. 174-77;
W. Dettelbacher, Pauline Brater (1827–1907),
ebd., S. 157-60;
ders., „
Fam. Pfäffling erzieht e. Generation“, Zum 50. Todestag d. Jugendbuchautorin A.
S., 1979
(Ms. z. Sendung d. Bayer. Rundfunks);
I. Meidinger-Geise, A.
S., Zum „Jahr d. Kindes“ 1979, in: Erlanger Bausteine
z. fränk. Heimatforsch. 27, 1980, S. 139-51;
G. Wedel, „nothing more than a German woman“, in: German Women in the Eighteenth and Nineteenth Centuries,
hg. v. R.-E. B. Joeres u. M. J. Maynes, 1986, S. 305-20;
C. Fandrey, Erinnerung an Schubart. Mörike u. A.
S., Schubartstube,
Lit. Gedenkstätte im Kloster Blaubeuren, in: Schlösser Baden-
Württ. 1994, H. 3, S. 28 f., A. Klotz, Kinder- u. lugendbücher in
Dtld. 1840-1950, IV, 1996, S. 146-48
(Bibliogr.);
W. Dürrnagel, in: Main-Post 54, 1998,
Beil. v. 9. 4., S. 8-10;
C. Breyer, Die Wiege d. „
Fam. Pfäffling“ stand in Franken, in: Frankenland 54, 4, 2002, S. 295-98
(P);
DBJ XI,
Tl.;
Doderer;
Rieser
Biogr. (P);
Erlanger Stadtlex. (P);
Kosch.
Lit.-
Lex.3
(W, L);
Killy;
BBKL.
Autor ↑
Herbert HummelEmpfohlene Zitierweise ↑
Hummel, Herbert, „Sapper, Agnes“,
in: Neue Deutsche Biographie
22
(2005), S.
434-435
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11680534X.html