<< Mises, Richard
Mitis, Ignaz von >>
Missong, Alfred (Pseudonym Dr. Hartäcker, Dr. Römer, Thomas Murner, Dr. Diwald, Dr. Fürth, Dr. Brunner)
österreichischer Publizist und Politiker, Presseattaché,
* 9.3.1902 Höchst bei Frankfurt/Main,
† 7.6.1965 Mistelbach (Österreich). (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus hugenott.
Fam.;
V Jakob Heinrich (1853–1921), Obering.
b. d. Farbwerken Hoechst;
M Maria Ulzer (1866–1940) aus Wien;
⚭ Mariazell 1930 Juliane Riepl (1901–85); 1
S, 3
T .
Leben ↑
Im Juni 1917 übersiedelte die Familie nach Wien, der Heimat der Mutter. Im Ottakringer Gymnasium bestand
M. 1921 die Reifeprüfung. Beim Christlich-Deutschen Studentenbund (CDSB) war er bis 1921 Schriftführer in der Bundesleitung. Die Ziele des CDSB waren die christliche Erneuerung der Gesellschaft, aktive Teilnahme der Katholiken an der demokratischen Entwicklung Österreichs, Friede und Völkerverständigung. Sie blieben es für
M., verbunden mit einem glühenden
österr. Patriotismus, bis zum Ende seines Lebens. In der 1919 gegründeten Wochenschrift des CDSB „Neue Jugend“ veröffentlichte er
ca. 50 Artikel. Als die „Neuland“-Bewegung, mit der
M. einige Jahre sympathisierte, zunehmend deutschnational
bzw. großdeutsch wurde, trennte sich
M. von ihr. Er gründete die
kath. Studentenverbindung „Ostmark“, die nach einigen Semestern jedoch in „Neuland“ aufging.
M. studierte Staatslehre, Soziologie und Völkerrecht an der Juridischen Fakultät der
Univ. Wien. 1924 schloß er sein Studium mit der Dissertation „Die soziologische Gedankenwelt des
hl. Augustinus“ ab (
Dr. rer. pol.). Im selben Jahr veröffenlichte er – anknüpfend an den Hitlerprozeß – in der Zeitschrift „Neuland“ die erste in Österreich erschienene Gesamtabrechnung mit dem „Hitlerismus“. Im Juni 1925 trat er in die Redaktion der von Joseph Eberle herausgegebenen
kath. Wochenzeitung „Das Neue Reich“ ein und folgte Eberle im Oktober 1925 zu dessen Neugründung „Die Schönere Zukunft“, bei der er bis 1938 blieb. Da Eberle immer großdeutscher und antidemokratischer wurde, veröffentlichte
M. in der „Schöneren Zukunft" Artikel, die nicht seiner mittlerweile gegenteiligen Position entsprachen, unter den Pseudonymen „Dr. Hartäcker" und „Dr. Römer". 1932 veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Thomas Murner“ die radikal antinationalsozialistische Kampfschrift „Der Nazispiegel“. Schon 1927 hatte
M. mit A.
M. Knoll, W. Schmid,
E. K. Winter und H. K. Zeßner-Spitzenberg die „
Österr. Aktion“ herausgegeben, in der die
europ. Kulturaufgabe des selbständigen Österreich programmatisch dargelegt wurde. Die Ausschaltung des Parlaments 1933 betrachtete er als Verfassungsbruch. Damals trat er mit der „Aktion Winter“ –
E. K. Winter sollte nach dem Bürgerkrieg vom Februar 1934 als 3. Wiener Vizebürgermeister die Arbeiter für den Ständestaat gewinnen - und mit Otto
v. Habsburg in Verbindung. Für die seit 1933 von dem deutschen Emigranten Dietrich
v. Hildebrand herausgegebene, entschieden antinationalsozialistische Wochenschrift „Der christliche Ständestaat" schrieb er 28 große Aufsätze unter den Pseudonymen „Dr. Diwald", „Dr. Fürth“ und „Dr. Brunner“. Außerdem war er Herausgeber der „
Österr. Bücherei“, von der bis 1938 im Tiroler Heimatverlag Brixlegg 10 Bände erschienen.
Nach dem Scheitern der „Aktion Winter“ wandte sich
M. der legitimistischen Bewe
|gung zu. In der Nacht vom 11.3.1938 scheiterte sein Fluchtversuch in die Č
SR. In Gänserndorf verhaftet, wurde er drei Monate im Wiener Landesgericht festgehalten. Im August 1938 emigrierte
M. in die Schweiz, im Januar 1939 nach Jugoslawien. Im Frühjahr 1941 nach dem Sieg der deutschen Wehrmacht verhaftet, wurde er nach der Freilassung im September 1941 in Budapest wieder verhaftet, nach Wien abgeschoben und dort sechs Wochen inhaftiert. Seit Dezember 1941 arbeitete
M. in einer Wiener Rechtsanwaltskanzlei. Nach der Befreiung Österreichs Mitbegründer der
ÖVP, entwarf er die „Programmatischen Leitlinien“, das erste Programm der Partei vom Juni 1945, und übernahm die Leitung des
ÖVP-Referates „Volksaufklärung, Publizistik und Verlagswesen“. 1945-49 verwaltete
M. den Wilhelm Andermann-Verlag. Gleichzeitig war er Chefredakteur der von ihm gegründeten theoretischen Zeitschrift der
ÖVP, „
Österr. Monatshefte“. Seit 1950 wirkte er im diplomatischen Dienst als Presseattaché in Bonn, Bern, Paris und Rom. Als solcher durfte er nicht mehr publizieren.
M. gehört zu den geistigen Vätern des modernen Österreich.
Werke ↑
Weitere W
Die
Österr. Aktion, Programmat.
Stud. (mit A.
M. Knoll, W. Schmid,
E. K. Winter, H. K. Zeßner-Spitzenberg), 1927;
Heiliges Wien, Ein Führer durch Wiens Kirchen u. Kapellen, 1933,
31970;
A. Schaurhofer, e. Wiener Sozialapostel, 1936;
Die
österr. Nation, 1946,
21948;
Die Weltverpflichtung d. Christen, 1948;
Proletariat u. Materialismus, 1948 –
Hrsg.: Vertraul. Nachrichtendienst d.
Österr. Arbeiter- u. Angestelltenbundes, 1945.
Literatur ↑
R. Ebneth, Die
österr. Wschr. „Der
christl. Ständestaat“,
Dt. Emigration in Österreich 1933-1938, 1978;
P. Eppel, Zwischen Kreuz u. Hakenkreuz, Die Haltung d.
Zs. „Schönere Zukunft“
z. Nationalsozialismus in
Dtld. 1934–38, 1980;
N. Leser, Grenzgänger,
Österr. Geistesgesch. in Totenbeschwörungen I, 1981, S. 107-40;
ders., in;
NÖB 21, 1982, S. 120-27
(P);
M. Bobrowsky (
Hrsg.), Schreiben im Widerstand,
Österr. Publizisten 1933–45, 1993;
Teichl;
BHdE I.
Autor ↑
Erika WeinzierlEmpfohlene Zitierweise ↑
Weinzierl, Erika, „Missong, Alfred“,
in: Neue Deutsche Biographie
17
(1994), S.
566 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd107616521.html