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NDB-Artikel

<< Mies van der Rohe, Ludwig     Mieses, Jacques >>

Miesbach, Alois

Geologe, Industrieller, * 1.1.1791 Röschitz (Mähren), 3.10.1857 Baden bei Wien. (katholisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Josef, Dr. phil., Prof., Gewerke u. Bes. e. Ziegelei; M N. N. Richter; ledig; N Heinrich Drasche v. Wartinberg (österr. Adel 1870, 1811-80), Kaufm. in Brünn, Universalerbe M.s. (s. NDB IV; ÖBL); Groß-N Richard Drasche Frhr. v. Wartinberg (Frhr. 1885, 1850-1923), Industrieller, Stifter d. Drasche-Parks in Wien (s. ÖBL; ThB).

Leben  
M. studierte Ingenieur- und Baufachwissenschaften, später auch Ökonomie. In den Napoleon. Kriegen diente er als Landwehrsoldat und war an den Schlachten von Wagram und Znaim beteiligt. Nach dem Friedensschluß trat er als Ökonomiebeamter in die Dienste des Fürsten Kaunitz-Rietberg-Questenberg, den er als Sekretär auf zahlreichen Gesandtschaftsreisen (u. a. 1816 Madrid, 1817/19 Rom) begleitete. Seine Reiseschilderungen zeigen Bewunderung für die antiken Bauwerke und ein besonderes Interesse für die Technik gebrannter Bausteine. Daneben publizierte M. auch über aktuelle Wirtschaftsfragen. 1819 verließ er die Dienste von Kaunitz, kehrte nach Wien zurück und pachtete 1820 eine seit 1775 bestehende Ziegelei und Ökonomie auf dem Wienerberg, wo er als einer der ersten mit Kohlenfeuerung und gleichmäßigerer Brenntechnik experimentierte. Nach Hinzupachtung der Ziegelei des Herzogs v. Corrigliano in Inzersdorf steigerte er die jährliche Produktion auf 1,5 Mill. Ziegel. Die wachsende Bautätigkeit in Wien und der günstige Zugang zur Tonerde ermöglichten den Ankauf von Pachtgründen. 1826 erwarb M. die Herrschaft Inzersdorf und 1830 das Gut Steinhof. Sein hier eingerichteter Großbetrieb verfügte über modernste Ziegelformmaschinen. Seit 1845 erzeugte er auch maschinengepreßte tönerne Wasser- und Drainageröhren. 1850 gründete er in Inzersdorf eine Fabrik für Terrakottaschmuck und Häuserfassaden. 1856 wurde auch die Produktion von Hohlziegeln aufgenommen. In den Jahren 1846-53 erweiterten Zukäufe das Unternehmen um neue Produktionsstandorte. M. errichtete auch eine Ziegelfabrik in Rakos bei Pest (Ungarn), zu der 1853 ein Zweigbetrieb in Ofen kam.|Ein Filialbetrieb der Terrakottafabrik in Inzersdorf entstand in Mailand. 1855 erreichten M.s neun Ziegeleien eine Jahresproduktion von 126 Mill. Ziegeln bei 4700 Beschäftigten.
Um die Brennmaterialbeschaffung zu sichern, kaufte M. Kohlenbergwerke auf und erschloß selbst neue. Er besaß 32 Gruben in Niederösterreich sowie weitere in Krain, Ungarn. Böhmen und Galizien. 1847 pachtete er den Wiener-Neustädter Schiffahrtskanal, um seine Kohle in Wien günstig als Hausbrand anbieten zu können. Als erster in der Donaumonarchie ließ er in mehreren seiner Bergwerke Dampfmaschinen aufstellen. 1855 beschäftigte er 2350 Bergleute, die jährlich 200 000 t Kohle (und als Nebenprodukt Alaun) im Wert von 2 Mill. Gulden förderten. Die Ziegelfabriken umfaßten im Jahre seines Todes 37 Brennöfen mit einer Kapazität von je 70-90 000 Ziegeln.
M. bestimmte als Alleinerben und Nachfolger seinen Neffen Heinrich Dräsche, dem er eine gediegene montanistische und kaufmännische Ausbildung hatte angedeihen lassen. Für seine Mitarbeiter schuf er einen Stipendienfonds und soziale Einrichtungen wie Spitäler und Schulen. M. war Mitglied des niederösterr. Gewerbevereins, Gemeinderat von Inzersdorf und seit 1857 Vizepräsident der niederösterr. Handels- und Gewerbekammer|

Auszeichnungen  
Korr. Mitgl. d. Ges. z. Förderung der Nationalindustrie (Paris); Gr. Medaille in Gold f. Wiss. u. Kunst.

Werke  
Beleuchtung d. in neuester Zeit verkündeten u. mit e. Privilegio versehenen Erfindung, Ziegel mittels e. Maschine durch Compression zu erzeugen, 1836; Schlußwort bzgl. d. Aktienunternehmungen z. Erzeugung d. Ziegel mittels e. privilegierten Maschine durch Compression, 1837; La fabrication des briques et des tuiles depuis son origine jusqu'à cu jour, 1855; Die Kohlenindustrie Österreichs, 1855.

Literatur  
Ber. üb. d. gegenwärtige österr. Industrie-Ausst., Beil. z. Journal d. österr. Lloyd, 1845; H. Drasche, Ber. d. Ausstellers H. Drasche üb. d. Besitz, Umfang, d. Erzeugnisse, d. Betrieb u. sonstige Verhältnisse seines Kohlenbergbaues, 1853; F. Friese, Übersicht d. österr. Bergwerksproduktion in d. J. 1823–45, 1855; Die Großindustrie Österreichs II, 1898, S. 23 ff.; J. Slokar, Gesch. d. österr. Industrie u. ihrer Förderung unter Kaiser Franz I., 1914; L. Hanisch, Die Ziegelindustrie im Wiener Becken, Diss. Wien 1940; G. Merk, Zwei Pioniere d. österr. Industrie, 1966; G. Holzmann, Unternehmer aus Niederösterreich, 1967, S. 57 ff.; R. Granichstaedten-Czerva u. a., Altösterr. Unternehmer, 1969, S. 77 ff.; A. Kusternig (Hrsg.), Bergbau in Niederösterreich, 1987; Wurzbach 18; ÖBL; Biographisches Lexikon Böhmen.

Autor  
Gustav Otruba
Empfohlene Zitierweise  

Otruba, Gustav, „Miesbach, Alois“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 481 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd120564815.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 17 (1994), S. 481 f.

PND: 120564815
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Index

Miesbach, Alois

Name: Miesbach, Alois
Lebensdaten: 1791 bis 1857
Geburtsort: Röschitz (Mähren)
Sterbeort: Baden bei Wien
Beruf/Lebensstellung: Industrieller; Geologe
Konfession: katholisch
Autor NDB: Otruba, Gustav
PND: 120564815

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Miesbach, Alois

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120564815

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