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NDB-Artikel

<< Meyer, Leo     Meyer, Oscar >>

Meyer, Ludwig

Psychiater, * 2.12.1827 Bielefeld, 8.2.1900 Göttingen. (israelitisch, dann lutherisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Ruben (1786–1868, isr.), Kaufm. in B.; M Jeanette (1796–1858), T d. Kaufm. N. N. Löwenthal; Hamburg 1859 Anna (1841–1921), T d. Joachim Friedrich Hübener (* 1800), Arzt in Hamburg (s. Schröder), u. d. Marianne Carolina Hanemann; 7 K (2 früh ), u. a. Ernst (1871–1931), Prof. d. Psychiatrie in Königsberg (s. BLÄ; Altpr. Biogr. III); E Hans-Hermann (* 1909), Prof. d. Psychiatrie an d. Univ. d. Saarlands, Joachim Ernst (* 1917), Prof. d. Psychiatrie in G. (beide s. Kürschner, Gel.-Kal. 1992).

Leben  
M. begann 1848 ein Medizinstudium in Bonn. Mit seinen Freunden Gottfried Kinkel und Carl Schurz geriet er rasch in die politischen Unruhen jener Jahre. Nach fünf Monaten Untersuchungshaft freigesprochen, wurde er von der Univ. Bonn „wegen Anreizung zum Tumulte und Bürgerkriege“ relegiert. Als Kinkel von Schurz aus der Haft in Spandau befreit wurde, sollte M. erneut verhaftet werden. R. Virchow konnte ihn davor bewahren. Nach dem Staatsexamen 1851 in Berlin wurde M. Assistent an der Psychiatrischen Klinik der Charité, dann 2. Arzt an der Anstalt Schwetz, von wo er 1857 als Oberarzt nach Berlin zurückkehrte und sich im folgenden Jahr habilitierte. 1859 übernahm er die Leitung der Irrenabteilung am Allgemeinen Krankenhaus St. Georg in Hamburg, 1864 wurde er Direktor der neuen Hamburger Irrenanstalt Friedrichsberg. 1866 erfolgte seine Berufung zum ersten o. Professor der Psychiatrie an der Univ. Göttingen und Direktor der Heil- und Pflegeanstalt.
M. gehörte in der damaligen Psychiatrie zu den „Somatikern“. Sein unerschrockenes Bemühen um eine humane Irrenbehandlung stand unter dem Prinzip der Gleichstellung psychisch und körperlich Kranker. So setzte er sich nach Reisen durch Großbritannien für die Abschaffung aller Zwangsmittel ein. Er zögerte nicht, Zwangsjacken eigenhändig zu versteigern und an der neuen Göttinger Klinik die meisten Fenstergitter wieder entfernen zu lassen: „Eine Irrenanstalt braucht keine andere Construktion als jedes andere Krankenhaus“. Gegen den Widerstand vieler Kollegen stellte er im Kolleg Patienten vor, sogar im gerichtlich-psychiatrischen Unterricht. Was ihm trotz langer Fehde mit der Fakultät nicht gelang, war die Einführung einer obligatorischen Prüfung der Mediziner in Psychiatrie.
Die sozialpsychiatrische Orientierung M.s kommt auch in seinen Publikationen zum Ausdruck, so in seiner Arbeit „Das No-restraint und die deutsche Psychiatrie“ (Allg. Zs. f. Psychiatrie 20, 1863, S. 542-81); ferner in „Studien zur forensischen Psychiatrie, speziell zur geminderten Zurechnungsfähigkeit“ (Archiv f. Psychiatrie 2, 1870, S. 425-45). Neben klinischen und therapeutischen Beiträgen galt der Hauptteil seiner Arbeiten morphologischen Untersuchungen, u. a. zur entzündlichen Natur der Hirnveränderungen bei progressiver Paralyse (Virchow's Archiv 58, 1873, S. 270-302). Auch prägte er den in der Zahnheilkunde noch heute üblichen Begriff der „Progenie“ (eine Kieferanomalie) (Archiv f. Psychiatrie 1, 1868/69, S. 96-127). Als die Göttinger Anstalt von einer Typhusepidemie heimgesucht wurde, beobachtete M. eine auffallende Besserung der Patienten mit progressiver Paralyse. Er versuchte daraufhin – allerdings erfolglos –, durch Einnähen von Haar unter die Haut therapeutisch nutzbringendes künstliches Fieber zu erzeugen, was dann Wagner-Jauregg durch die Malariabehandlung gelang. M., mit W. Griesin|ger seit langem verbunden, war 1868 Mitbegründer des „Archivs für Psychiatrie und Nervenheilkunde“, das auch der erstrebten Verbindung von Psychiatrie und Neurologie diente|

Auszeichnungen  
Ehrenmitgl. d. British Medico-Psychological Association u. d. Ver. Schweizer Irrenärzte.

Literatur  
A. Cramer, in: Münchener Med. Wschr. 44, 1897, S. 1477 f. (W-Verz., P); O. Mönkemöller, in: Th. Kirchhoff, Dt. Irrenärzte II, 1921; BJ V; W. Ebel Catalogus Professorum Gottingensium, 1962, S. 76.

Portraits  
in: Bildnisse Göttinger Professoren aus 2 Jhh., hrsg. v. M. Voit, 1932.

Autor  
Joachim Ernst Meyer
Empfohlene Zitierweise  

Meyer, Joachim Ernst, „Meyer, Ludwig“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 364 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117565059.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 17 (1994), S. 364 f.

PND: 117565059
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Index

Meyer, Ludwig

Name: Meyer, Ludwig
Lebensdaten: 1827 bis 1900
Geburtsort: Bielefeld
Sterbeort: Göttingen
Beruf/Lebensstellung: Psychiater
Konfession: jüdisch; lutherisch
Autor NDB: Meyer, Joachim Ernst
PND: 117565059

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Meyer, Ludwig

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117565059

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