Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Meyer, Alex     Meyer, Aloyse >>

Meyer, Alfred Richard (Pseudonym A. Thurandt, [Meyer-]Hambruch, Rosinus Cosinus, Munkepunke)

Schriftsteller, Verleger, * 4.8.1882 Schwerin, 22.1.1956 Lübeck. (lutherisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Hermann ( 1924), Geh. Postrat in Hannover; M Anna Hambruch; 1) Berlin 1908 ( 1922) Maria Theresia (* 1890), Kabarettistin, Schriftst., T d. Landschaftsmalers Rudolf Langer in Breslau, 2) Berlin 1918 ( 1923) Margarete Wels, 3) Berlin 1928 Charlotte Dorothea, T d. Ing. Willi Hönsch u. d. Ottilie Knöpfel; 1 S aus 1).

Leben  
Nach dem Abitur in Jena studierte M. in Marburg, Würzburg, Göttingen und Jena Philologie, Nationalökonomie und Jura. Seit 1905 war er Lektor des Janke-Verlages, seit 1910 Leiter des Verlages Taendler in Berlin. Mit dem 1907 gegründeten Alfred-Richard-Meyer-Verlag in Wilmersdorf ermöglichte er vielen Expressionisten der ersten Stunde ihr Debut. Van Hoddis' „Weltende“ war, wie er sagte, „das Gedicht, das mich wie Hunderte anderer Berliner beunruhigte. Ich war plötzlich mit meinem Verlagsprogramm höchst unzufrieden.“So erschienen, z. T. als „Lyrische Flugblätter", Benns erste Gedichtbände „Morgue" (1912) und „Söhne" (1913), Golls „Der Panamakanal" (1912), Döblins „Das Stiftsfräulein und der Tod" (1913, mit Illustrationen von E. L. Kirchner), E. Lasker-Schülers „Hebräische Balladen“ (1913) und W. Mehrings „Wedding-Montmartre“ (1922), dazu Werke von Ch. Corinth, V. Hadwiger, M. Hermann-Neiße, R. Leonhard, P. Scheerbart, mit dem M. seit 1907 befreundet war, und P. Zech. In der Reihe der „Lyrischen Flugblätter“ (1907-24) ließ M. Marinettis „Futuristische Dichtungen" (1912) und Apollinaires Gedichtzyklus „Zone“ (1912) erscheinen, das erste Auftreten von Futurismus und Orphismus im deutschsprachigen Raum. Mit der Gedichtsammlung „Der Mistral“|(1913) gab M., neben K. Hillers „Kondor“ (1913), die erste expressionistischen Autoren gewidmete Anthologie heraus. Als einziges graphisches Flugblatt erschienen 1913 Artur Segals acht Holzschnitte „Vom Strande“.
M. selbst zeigte sich als Expressionist in den Arabesken „Würzburg im Taumel" (1911) und in den zusammen mit H. Lautensack verfaßten „Ekstatischen Wallfahrten“ (1912). Im selben Jahr kreierte er sein „alter ego“ Munkepunke, einen dionysisch-gastrosophischen Bohemien, dem, über zwei Weltkriege hinweg, Breviere und Almanache von gehobenem Lebensgenuß zugeschrieben werden.
In den Jahren 1916-18 war M. Landsturmmann in Russisch-Polen und Berichterstatter in Flandern, schrieb Gedichte unter den Titeln „Ein Landsturmmann geht seinen Gang durch Gent" (1915), „Vor Ypern" (1916) und die Skizzen „Flandrische Etappe“ (1917). Seine „Fünf Mysterien“ wurden 1918 von der Kriegszensur vermutlich wegen Defaitismus verboten. 1920 konferierte M. im Berliner Kabarett „Schall und Rauch“. In den folgenden Jahren (1921–29) war er Chefredakteur der Vereinigten Feuilleton-Korrespondenzen der Nachrichten-Union. Daneben gab er zusammen mit Heinrich Zille Kinderreime heraus („Komm, Karlineken, komm!“, 1925) und verfaßte eine Bibliographie von Paul Scheerbart (mit K. Lubasch, 1930). 1933 wurde M., der Fachschaftsreferent der Sektion Lyrik im Reichsverband deutscher Schriftsteller gewesen war, als Sozialreferent in die Reichsschrifttumskammer übernommen, wo er für zahlreiche bedrohte Kollegen hilfreich wirkte. Bezeugt wird dies durch Jochen Klepper und Elisabeth Castonier. Von den 76 eigenen Büchern M.s ist „Die maer von der musa expressionistica“ (1948), eine persönlich erlebte „quasiliteraturgeschichte“ mit 130 Beispielen, noch heute lesenswert als Erfahrungsbericht und gewollt subjektive Begründung einer verlegerisch folgenreichen Vorliebe.

Werke  
Weitere W u. a. Ausg.: Der große Munkepunke, 1924 (W). – Hrsg.: Die Bücherei Maiandros, Eine Zs. v. 60 zu 60 Tagen, 6 Bde. u. 8 Beibll., 1912-14 (mit H. Lautensack u. A. Ruest). – W-Verz.: Wilpert-Gühring.

Literatur  
R. Adolf, A. R. M., in: Börsenbl. f. d. dt. Buchhandel (Frankfurt/M.) 8, 1952, Nr. 78, S. 390; A. Kistner, A. R. M., 1882-1956, 1963 (Kat. d. Antiquariats M. Edelmann); H. Günther, A. R. M., d. Mensch, d. Dichter, d. Verleger, in: Imprimatur NF 6, 1968/69, S. 163-91 (P); W. Ottendorf-Simrock, Von Otto Hahn bis Max Liebermann, 1970, S. 94 f.; J. Lischke, Meine A. R. M.-Slg., in: Marginalien, 1980, H. 77, S. 19-30; I. Bode, Die Autobiogrr. z. dt. Lit., Kunst u. Musik 1900-1965, 1966; Kosch, Lit.-Lex.3; Rhdb. (P). – Bibliogrr.: G. K. Kobbe, Munkepunke-Bio-Bibliogr., 1933 (Privatdr.); P. Josch, A. R. M.-Bibliogr., in: Philobiblon 26, 1982, S. 34-88; P. Raabe u. I. Hamrich-Bode, Die Autoren u. Bücher d. literar. Expressionismus, 1985, S. 329-37 (M.s eigene Veröff.). – Über Maria Theresia Langer: Raabe u. Hamrich-Bode (s. o.), S. 294 f.

Portraits  
Scherenschnitt v. E. M. Engert, Phot. 1928-55 u. Totenmaske, alle abgeb. b. Günther (s. L).

Autor  
Jörg Deuter
Empfohlene Zitierweise  

Deuter, Jörg, „Meyer, Alfred Richard“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 327 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118783602.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 17 (1994), S. 327 f.

PND: 118783602
Artikel drucken

Index

Meyer, Alfred Richard

Name: Meyer, Alfred Richard
Namensvariante: Rosinus Cosinus der Jüngere
Namensvariante: Meyer
Namensvariante: Meyer-Hambruch
Namensvariante: Rosinus Cosinus
Namensvariante: Munkepunke
Namensvariante: Thurandt, A.
Lebensdaten: 1882 bis 1956
Geburtsort: Schwerin
Sterbeort: Lübeck
Beruf/Lebensstellung: Verleger; Schriftsteller
Konfession: lutherisch
Autor NDB: Deuter, Jörg
PND: 118783602

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Meyer, Alfred Richard

PND
118783602

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München

Quellennachweise
Schriftsteller im Rundfunk - Autorenauftritte im Rundfunk der Weimarer Republik 1924-1932

Nachlässe
Kalliope