<< Meyendorff
Meyer >>
Meyendorff, Peter
russischer Diplomat,
* 13.8.1796 Riga,
† 7.3.1863 Sankt Petersburg.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Kasimir (s.
Einl.),
S d.
livländ. Landmarschalls Georg u. d. Augusta Sophie Charlotte
v. Stackelberg;
M Anna Katharina
v. Vegesack (
† 1840), Erbin
v. Suddenbach u. Kaltenbrunn;
B Georg (1795–1863),
Wirkl. Staatsrat,
Vizedir. d.
Dep. f. auswärtigen Handel, Dirigent d. Reichsschuldentilgungskomm.,
livländ. Landrat 1837–47,
Mitgl. d. Konseils d.
Kaiserl. Geogr. Ges., Alexander (1796–1865),
GR,
Wirkl. Staatsrat, Vorsitzender d. Moskauer
Abt. d. Kommerz- u. Manufakturrats; –
⚭ Wien 1830 Sophie (
* 1800),
T d. Johann Rudolf
Gf. v. Buol-Schauenstein (1763–1834),
österr. Diplomat (s.
NDB III);
Schwager Karl
Gf. v. Buol-Schauenstein (1797–1865),
österr. Staatsmin. (s.
NDB III); 3
K ,
u. a. Alexander (1830–55), als
russ. Stabskapitän gefallen
b. Sewastopol, Ernst (1836–1902), Diplomat,
Legationssekr. in Berlin u. Rom, Kammerherr,
Wirkl. Staatsrat, Gesandter in Lissabon, Hofmeister d.
kaiserl. Hofs.
Leben ↑
|Seine Erziehung erhielt
M. auf dem Stammgut der Familie in Roop, dann seit 1808 mit seinen drei Brüdern in einem von Napoleon gegründeten „Lycée Impérial“ in Metz. Im November 1811 trat er in das Militär-Ingenieur-Institut in
St. Petersburg ein und nahm 1813/14 an den Kämpfen gegen die Franzosen teil. 1816 studierte er zwei Semester in Göttingen und befaßte sich dort
u. a. mit Naturrecht. Experimentalphysik und Geschichte. Daran schlossen sich mehrere Reisen in Deutschland an, das er als sein „Vaterland dem Geiste nach“ bezeichnete. 1817 begann
M. seine diplomatische Karriere im Kollegium der auswärtigen Angelegenheiten in
St. Petersburg, wo er mit innerdeutschen Fragen befaßt war. Im Juli 1820 wurde er zum Gesandtschaftssekretär in Brüssel ernannt, im April 1824 zum Kollegienrat an der
russ. Gesandtschaft in Madrid, im Juli 1827 zum Botschaftsrat in Wien, wo er mit verschiedenen selbständigen Aufgaben betraut wurde und sich vor allem mit der
griech. Frage befaßte. Durch seine Heirat mit Sophie
Gfn. v. Buol-Schauenstein fand er Eingang in die führenden
österr. Adelskreise. An die Wiener Zeit schloß sich Ende 1832 ein siebenjähriger Aufenthalt am
württ. Hof in Stuttgart an, wo
M. als Gesandter großen Einfluß auf die königliche Familie ausübte und den Forderungen der konstitutionellen Bewegung und des dritten Standes entgegentrat. 1839 als Gesandter nach Berlin berufen, setzte er sich für die Verbesserung der
preuß.-
russ. Beziehungen ein. Im Winter 1845/46 begleitete
M. die Zarin Alexandra, eine Tochter des
preuß. Königs Friedrich Wilhelm III., als Berater in diplomatischen Angelegenheiten nach Palermo. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im Juni 1846 sah er sich wegen seiner konservativen Haltung einer zunehmenden Kritik seitens der liberalen Kreise ausgesetzt. Eingehend beschäftigte sich
M. mit der konstitutionellen Bewegung in Preußen, die er vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer Auswirkungen auf die
preuß.-
russ. Allianz betrachtete. Als überzeugter Anhänger der restaurativen Politik von Zar Nikolaus I. stand er der Revolution von 1848 ablehnend gegenüber und beklagte wiederholt den schlechten Zustand Preußens und Deutschlands. Für ihn waren eine monarchisch-konservative Allianz der drei Ostmächte unter
russ. Führung und ein konservativ regiertes Deutschland im Dualismus zwischen Preußen und Österreich die außenpolitischen Ziele.
Im Herbst 1850 wurde
M. zum
russ. Botschafter in Wien ernannt. Er bemühte sich um den Abbau der Spannungen zwischen Berlin und Wien, die nicht ins Konzept des Petersburger Hofes paßten, und betätigte sich als Vermittler zwischen dem
preuß. Ministerpräsidenten Manteuffel und dessen
österr. Amtskollegen Schwarzenberg. Bei den
preuß.-
österr. Verhandlungen in Olmütz trat seine Vermittlerrolle besonders klar hervor. Er befürwortete den Abschluß eines Handelsvertrags zwischen dem von Preußen geführten Zollbund und Österreich, um letzteres „nicht ganz aus Deutschland herauszusetzen“. Nach der Berufung seines Schwagers, Karl
Gf. v. Buol-Schauenstein, zum
österr. Ministerpräsidenten, der am Vorabend des Krimkriegs eine Abkehr vom politischen Kurs Rußlands vollzog, geriet
M. zunehmend in eine kritische Lage. In
St. Petersburg warf man ihm vor, er habe sich zu lange in Sicherheit wiegen lassen und sei von seinem Schwager getäuscht worden. Im Sommer 1854 führte die Unmöglichkeit, Österreichs Haltung im
russ. Sinne zu bestimmen, zu seiner Verabschiedung in Wien. Seinen Lebensabend verbrachte
M. hauptsächlich in
St. Petersburg, wo er, wiederholt vom Zaren Alexander II. ausgezeichnet, großen Anteil an den Staatsangelegenheiten hatte. So arbeitete er im Komitee für die Bauernfrage und im Reichsrat mit. Sein Hauptinteresse galt jedoch weiterhin außenpolitischen Fragen.
Werke ↑
Pol. u. privater Briefwechsel aus
d. J. 1826-63;
versch. Denkschrr.,
u. a. „Quelques idées sur la pacification de la Pologne“, 1831;
Entwürfe zu „Portraits“
v. pol. Persönlichkeiten, 1829 ff.
Literatur ↑
Th. Schiemann, Vertraul. Briefe d.
Frhr. P.
v. M. an seine Brüder Georg u. Alexander 1840–50, in:
HZ,
NF 50, 1901, S. 445-63;
A. Baron Meyendorff, „Porträts“ aus d. literar. Nachlaß Baron P.
M.s, in: Balt.
Mschr. 70, 1910, S. 290-304;
ders., Aus d. Papieren Baron P.
v. M.s,
ebd. 71, 1911, S. 552-59;
L.
v. Ledebur, Zur
Gesch. d.
Geschl. v. Meyendorff, in: Märk. Forschungen IV, 1850, S. 258-73;
K.
v. Schlözer, Petersburger Briefe, 1921;
O. Hoetzsch, P.
v. M., e.
russ. Diplomat an d. Höfen
v. Berlin u. Wien,
pol. u. privater Briefwechsel 1826–63, I-III, 1923
(P);
W. Andreas, Die
russ. Diplomatie u. d.
Pol. Friedrich Wilhelms IV.
v. Preußen, 1926;
Dt.balt. Biogr. Lex.Portraits ↑
Ölgem. (?), Bildarchiv
Foto Marburg, Marburg/Lahn, Kunstinst.;
Phot. (?), in: 200-letie Kabineta Ego Imperatorskago Veličestva 1704-1904, 1911.
Autor ↑
Stefan HartmannEmpfohlene Zitierweise ↑
Hartmann, Stefan, „Meyendorff, Peter“,
in: Neue Deutsche Biographie
17
(1994), S.
288 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118783599.html