Name
Meusebach, John O.
Namensvarianten
Meusebach, Otfried Hans Freiherr von (eigentlich)
Lebensdaten
1812 bis 1897
Geburtsort
Dillenburg (Hessen)
Sterbeort
Loyal Valley (Texas)
Beruf/Lebensstellung
Generalkommissar des Texasvereins; Jurist
Konfession
evangelische Familie
Autor NDB
Marc Surminski
Autor ADB
-
GND
138341524

Meusebach, John O.| (eigentlich Otfried Hans Freiherr von M.)

Jurist, Generalkommissar d. Texasvereins, * 26.5.1812 Dillenburg (Hessen), 27.5.1897 Loyal Valley (Texas).

  • Genealogie

    V Karl Hartwig Gregor (s. 1); – Neu-Braunfels 1852 Agnes (1835–1911), T d. Ernst Gf. v. Coreth zu Coredo (* 1803) aus Wien, seit 1846 Gutsbes. in Texas, u. d. Agnes Erler; 3 S, 8 T.

  • Leben

    M. besuchte 1828-32 die „Bergschule“ der Akademie für Bergbau und Forstwirtschaft in Clausthal-Zellerfeld. 1832-35 studierte er an den Universitäten Bonn und Halle Jura, Kameralistik und Finanzwirtschaft. Wie der Vater trat er in den preuß. Staatsdienst ein und war als Assessor in Stettin, Anklam und Trier tätig. Im Berliner Haus seines Vaters, der als Literaturfreund viele Wissenschaftler und Künstler zu seinen Bekannten zählte, traf M. u. a. mit den Brüdern Grimm und Hoffmann von Fallersieben zusammen. Enttäuscht von seinen Erfahrungen als reformorientierter, liberaler Jurist in der konservativen preuß. Verwaltung und fasziniert von der „Neuen Welt“ Nordamerika, wie sie etwa Fallersleben euphorisch in seinen „Texas-Liedern“ besang, schloß sich M. 1844 dem „Texasverein“ an. Dieser Mainzer „Verein deutscher Fürsten und Edelleute zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“, der das größte zusammenhängende Siedlungsprojekt in der Geschichte der deutschen Auswanderung verfolgte, hatte sich die Gründung deutscher Siedlungskolonien in Texas zum Ziel gemacht und dort größere Landgebiete angekauft.

    M. übernahm das Amt des Generalkommissars für die Kolonisation in Amerika von seinem Vorgänger, Karl Prinz zu Solms. Als er 1845 Texas erreichte, mußte er feststellen, daß der Verein durch Fehlplanungen und Mißwirtschaft bereits weitgehend bankrott war. Mehrere tausend Auswanderer warteten mittellos auf den Transport ins Inland. M., der bei der Ankunft in Amerika seinen Adelstitel abgelegt hatte und sich fortan John O. Meusebach nannte, bewährte sich in dieser Extremsituation, in der Hunger und Seuchen viele hundert Todesopfer forderten, als umsichtiger und tatkräftiger Siedlungsleiter. Er gründete in der Wildnis des Texas Hill Country die Stadt Fredericksburg (zu Ehren des preuß. Prinzen Friedrich) und schloß mit den kriegerischen Comanche-Indianern einen dauerhaften Friedensvertrag, der die spätere Besiedlung eines riesigen Gebietes durch die Weißen ermöglichte. Aber auch M., von den Indianern wegen seines Haupt- und Barthaares respektvoll „Rote Sonne“ genannt, konnte den Zusammenbruch des Vereins nicht aufhalten. 1847 wurde er als Generalkommissar abgelöst, kehrte aber 1851 nur noch einmal besuchsweise nach Europa zurück. Bis an sein Lebensende lebte er als Farmer, Friedensrichter, Postmeister und Notar in Texas. Von Deutschen und Amerikanern als herausragende Pioniererscheinung anerkannt und geachtet, wurde er 1851 in den texan. Senat gewählt.

    • Werke

      Answer to Interrogatories, 1894.

    • Literatur

      R. Bonnet, O. H. Frhr. v. M., in: Nassau. Heimatbll. 30, 1929, S. 144-48; R. L. Biesele, The History of the German Settlements in Texas, 1930 (P); H. Gollwitzer, Die Standesherren, 21964; W.-H. Struck, Die Auswanderung aus d. Hzgt. Nassau, 1966; I. Marshall King, J. O. M., German Colonizer in Texas, 1967 (P); H. Winkel, Der Texasverein, in: VSWG 55, 1968, bes. S. 364 f., 368; H. Marx, in: Deutsche in d. Neuen Welt, 1983, S. 349, 352 (P); O. Renkhoff, Nassau. Biogr., 1985.

  • Autor

    Marc Surminski
  • Empfohlene Zitierweise

    Surminski, Marc, "Meusebach, John O." in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 272 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn138341524.html
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Meusebach, John O.

Meusebach, John O.

Quelle/Vorlage:

Meusebach, John O.