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Bruun (Candidus)

Mönch in Fulda, 845.


LebenLiteraturAutorZitierweise

Leben  
Bruun, unbekannter, vielleicht aber angelsächsischer Herkunft, trat unter Abt Baugulf (779–802) in das Kloster Fulda ein und wurde von Ratgar (802–17) bald nach dessen Wahl zur Vervollständigung seiner Ausbildung in den Wissenschaften und Künsten zu Einhard geschickt. Nach Fulda zurückgekehrt, empfing er die Priesterweihe. Er scheint der Opposition, die sich unter den Mönchen gegen den herrischen und baulustigen Ratgar bildete, beigetreten zu sein. Nach Ratgars Absetzung gehörte er zu den Vertrauten des neuen Abtes Eigil (818–22). Dieser beauftragte ihn, die Apsis der neuerbauten, am 1.11.1819 geweihten Grabeskirche des heiligen Bonifatius mit Bildmalereien auszuschmücken. Von Eigil veranlaßt, scheint er in den gleichen Jahren eine Vita Baugulfs verfaßt zu haben (die jedoch, falls sie wirklich geschrieben wurde, verloren gegangen ist). Als nach Eigils Tod Hrabanus Maurus Abt wurde (822), übernahm Bruun, nach dem seither von ihm geführten Titel Magister zu urteilen, als Nachfolger Hrabans die Leitung der Klosterschule. Auf Rat Hrabans schrieb er 840-42 die Vita Eigils. Sie liegt in zwei Fassungen vor, eine in Prosa (MG SS XV, S. 221-33) und die andere, zuerst geschriebene, in Versen (MG Poet. Lat. II, S. 94-117). Beide Viten, die sich in ihren Mitteilungen gegenseitig ergänzen, zeichnen sich aus durch eine anschauliche Schilderung der Lebensumstände der für die Kultur des frühen Mittelalters so bedeutsamen Mönchsgemeinschaft der Abtei Fulda um 800. Besonders lebendig sind die Vorgänge dargestellt, die zur Absetzung Ratgars und zur Wahl Eigils führten, eindrucksvoll der Bericht von der Translatio der Gebeine des heiligen Bonifatius. Außer diesen Biographien hinterließ Bruun bei seinem in hohem Alter erfolgten Tode eine exegetische Schrift „Opusculum de passione Domini“ (Migne, PL 106, Sp. 57 ff), die zur Vorbereitung der Mitbrüder auf das Osterfest dienen sollte, und zwei Traktate in Briefform, die aufschlußreich für die Problemstellungen und bedeutsam für die Methoden der frühscholastischen Spekulation sind, mit dem Titel „Num Christus corporis oculis Deum videre potuerit“ (Migne, PL 106, Sp. 105 ff.), und die sog. Dicta Candidi I-XII (ed. B. Hauréau, Hist. de la Philos. scolastique I, 1872, S. 134 ff.). Nach Zimmermann ist es jedoch fraglich, ob Dicta II-VIII von Bruun stammen. Die Dicta sind eine im Anschluß an Augustin geführte Untersuchung über die göttliche und menschliche Erkenntnisweise.
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Literatur  
O. C. Th. Richter, Wizo u. B., zwei Gelehrte im Za. Karls d. Gr. …, in: Progr. Städt. Realgymnasium Leipzig, 1890; A. Ebert, Allg. Gesch. d. Lit. d. MA II, 21880, S. 330 ff.; Wattenbach I; J. A. Endres, Fredegisus u. Candidus, in: Philos. Jb., 1906, S. 349 ff.; F. Zimmermann, Candidus, Ein Btr. z. Gesch. d. Frühscholastik, in: Divus Thomas 7, 1929, S. 30 ff.; Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques X, Sp. 986 f. (L); LThK.

Autor  
Alois Wachtel
Empfohlene Zitierweise  

Wachtel, Alois, „Bruun“, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 691 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119064375.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 2 (1955), S. 691 f.

PND: 119064375
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Index

Bruun

Name: Bruun
Namensvariante: Candidus
Lebensdaten: erwähnt um 802, gestorben 845
Beruf/Lebensstellung: Chronist; Maler; Mönch in Fulda
Konfession: katholisch
Autor NDB: Wachtel, Alois
PND: 119064375

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Bruun

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119064375

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