<< Königer, Veit
Koenigsberger, Leo >>
Koenigs, Franz Wilhelm
Kaufmann und Fabrikant,
* 8.5.1819 Dülken/Niederrhein,
† 6.10.1882 Köln. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Literatur
| Quellen
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Arnold (1782–1858),
Kaufm. u. Rietmacher in
D.,
S d. Ackerers
Joh. Wilhelm in Hinsbeck u. d. Schenkwirtin Katharina Eggen (Ecken);
M Maria Agnes (1788–1835),
T d. Franz
Joh. Gierlings in
D. u. d. Anna Maria Topeters;
Vt Gustav
v. Mevissen (
† 1899),
Großkaufm. u. Politiker; -
⚭ Dülken 1842 Wilhelmine (1809–73,
Cousine), T d. Gerhard Mevissen (1774–1843),
Kaufm. u.
Zwirnfabr. in
D., u. d.
Kath. Elis. Gierlings; 4
S, 1
T ,
u. a. Ernst
Frdr.-
Wilh. (
1843-1904), 1873-1904
Dir. d. A. Schaaflhausenschen
Bankver. AG in
K., Gustav (1845- vor 1932), Vortragender Rat im
preuß. Min. f. Handel u. Gewerbe;
E
|Ernst (1878–1945),
Prof. d. Organ. Chemie in Breslau (s.
Pogg. V-VIIa), Franz (1881–1941), Bankier, Kunstsammler (s.
Wenzel), Gustav (1882–1945),
Staatssekr. d.
Reichsverkehrsmin. (s.
Rhdb.,
P;
Wi. 1935), Cornelie (
⚭ Otto Hoetzsch,
† 1946, Historiker u. Politiker, s.
NDB IX), Wilhelmine (
⚭ Theodor
v. Heppe, 1870–1954),
Vizepräs. d.
preuß. Oberrechnungskammer).
Leben ↑
Koenigs absolvierte seit 1832 eine kaufmännische Lehre in der Dülkener Zwirnfabrik seines Onkels Gerhard Mevissen, dessen Sohn Gustav ebenfalls im elterlichen Unternehmen tätig war. Es entwickelte sich zwischen den beiden eine lebenslange intensive Freundschaft. Der Lebensweg, das gesamte private und wirtschaftliche Wirken Koenigs', seine Bemühungen um die Verkehrserschließung und Industrialisierung des Rheinlands können nur unter Berücksichtigung dieser stets außerordentlich harmonisch verlaufenen engen Parallelität zum Wirken von Gustav Mevissen richtig gewürdigt werden. Ohne Koenigs' Anwesenheit in Köln seit 1856 hätte Mevissen „den Rücken längst nicht immer so freigehabt“ – wie es Koenigs selbst einmal formulierte – für seine zahllosen Unternehmensgründungen, seine politischen Aktivitäten, seine häufigen Abwesenheiten von Köln. Koenigs war jedoch für Mevissen weit mehr als nur Platzhalter; der überlieferte Briefwechsel belegt vielfältige Eigeninitiative und langjährige Aktivitäten in den Aufsichtsgremien vieler Unternehmen.
Nach Lehre und Reisendentätigkeit für die Dülkener Zwirnfabrik übernahm Koenigs 1842 die Geschäftsleitung, als Gerhard Mevissen sich zurückzog und sein Sohn Gustav nach Köln übersiedelte, um dort zunächst einen Garngroßhandel zu führen. Nach Gerhard Mevissens Tod 1843 war Koenigs neben Gustav einziger Teilhaber (beide zu 50 %) der Dülkener Zwirnfabrik. Diese arbeitete seit 1845 bei einer Bilanzsumme von rund 120 000 Talern (1850 bereits 235 000 Taler) mit Dampfkraft und englischen Maschinen. Für die Dürener Gründung der mechanischen Flachsspinnerei von Schoeller, Mevissen & Bücklers, 1851, arbeitete Koenigs den Gesellschaftsvertrag aus, vergab die Bauaufträge und gewann M. Goltstein für die technische Einrichtung. Die Entwicklung des Unternehmens steuerte und überwachte er noch bis in die 70er Jahre. Erst 1853 erhielten Koenigs und Mevissen für Dülken die Konzession zur Umwandlung in eine „Aktienspinnerei“, deren Leitung sie gemeinsam übernahmen und die seit 1871, inzwischen bei mehr als 600 Beschäftigten und 10 000 Spindeln, unter Einbeziehung der Zwirnfabrik von Gerhard Mevissen die Firma „Niederrhein. Flachsspinnerei“ trug. Ebenfalls 1853 beteiligte sich Koenigs mit 10 000 Talern an der Neugründung der Gladbacher Spinnerei und Weberei Aktiengesellschaft. 1861 war er Vorsitzender der Gründungskonferenz der Gladbacher Feuerversicherungs-Aktiengesellschaft. Den Verwaltungsräten beider Unternehmen gehörte er fast drei Jahrzehnte lang an. – Seit 1847 gehörte Dülken zum Bezirk der Handelskammer Gladbach; Koenigs wurde sofort als Kammermitglied gewählt und übernahm 1854 als Nachfolger von Quirin Croon den Vorsitz. Auch dem Gladbacher Handelsgericht gehörte er bis zum Beginn der 60er Jahre an. In der Handelskammer setzte er sich für die Förderung der regionalen Textilindustrie und ihre Mechanisierung sowie besonders für die Verbesserung der Infrastruktur ein. Seit 1844 war er gemeinsam mit Croon und F. Diergardt Mitglied mehrerer Eisenbahnkomitees in Dülken, Gladbach und Viersen. – Nachdem Haniel im linksrheinischen Homberg 1854 erfolgreiche Bohrversuche nach Steinkohle gestartet hatte, reichte Koenigs im März 1855, noch bevor er selbst fündig geworden war, gemeinsam mit Diergardt und Ferdinand Stein aus Rheydt beim Dürener Bergamt ein Konzessionsgesuch für den Großraum Homberg-Moers-Rheinhausen ein, 1857 wurde hierauf das Feld „Diergardt" verliehen, seit 1874 gedrittelt als „Diergardt“, „Wilhelmine Mevissen“ (benannt nach Koenigs' kurz zuvor verstorbener Ehefrau) und „Fritz“, letzteres erworben von Alfred Krupp. Erst 1912 allerdings konnte hier die Förderung endgültig aufgenommen werden.
Im Herbst 1856 übersiedelte Koenigs auf Mevissens Wunsch nach Köln in dessen unmittelbare Nachbarschaft. Er war für Mevissen fortan der „Privatsekretär“ und vertrat seinen Schwager, wenn dieser verhindert war, in allen wichtigen Gremien. Seit 1857 war Koenigs selbst Mitglied der Direktion der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, die seit 1844 unter dem Präsidium von Mevissen stand. Ihn in der Direktion des Schaaffhausenschen Bankvereins schon 1856 abzulösen, wie Mevissen es wünschte, traute er sich bemerkenswerterweise nicht zu. Von 1873 bis 1904 nahm Koenigs' Sohn Ernst diesen Platz ein. 1863-82 war Koenigs Mitglied des Verwaltungsrates, 1876 für ein Jahr Vizepräsident. 1870-82 gehörte er dem Verwaltungsrat der Darmstädter Bank an, seit 1880 war er Präsident des Verwaltungsrats der Internationalen Bank von Luxemburg. An der Entwicklung des Berliner Bankhauses Delbrück, Leo & Compagnie nahm er persönlich regen Anteil. 1869 wurde Koenigs als Nachfolger von F. Diergardt Vizepräsident des Verwaltungsrats der Kölnischen
|Maschinenbauanstalt; 1874-82 stand er an der Spitze des Hoerder Bergwerks- und Hüttenvereins. Im Verwaltungsrat des Kölner Bergwerkvereins löste er Mevissen schon 1857 ab.
Verglichen mit Gustav Mevissen ist Koenigs heute relativ unbekannt. Er gehörte jedoch zur führenden Schicht der Kölner Gründungsunternehmer. Er trat gern hinter Mevissen, dessen geniale Ideen und großzügige Projekte er bewunderte, zurück. Risikobereitschaft zeigte Koenigs bei finanziellen Engagements, solange das Dülkener Vermögen nicht angetastet wurde. Er war immens fleißig, von peinlicher Gewissenhaftigkeit. Seine Besonnenheit und sein gelegentliches Zögern in Verbindung mit Mevissens Weitblick und Risikofreudigkeit waren die idealen Voraussetzungen für ein über vier Jahrzehnte langes großartiges und erfolgreiches gemeinsames Engagement in der rheinischen Wirtschaft.
|Auszeichnungen ↑
KR (1863).
Literatur ↑
E. Koenigs,
Erinnerungsschr. z. 50j. Bestehen d. A. Schaaffhausenschen
Bankver., 1898;
100 J.
IHK Gladbach-Rheydt-Neuss, 1937
(P);
100 J. Gladbacher Feuerversicherungs-
AG, 1961;
25 J. Steinkohlenbergwerk Diergardt,
o. J.;
J. Hansen, Gustav
v. Mevissen, 2
Bde., 1906;
F. A. Meyer, Von d. Ruhr
üb. d. Rhein. Rheinhausens Schwerindustrie, 1966;
H. C. Scheibler u.
K. Wülfrath, Westdt. Ahnentafeln I, 1939.
|Quellen ↑
Qu.: Briefwechsel F. W. Koenigs 1841-82 im
Hist. Archiv d. Stadt Köln,
Abt. 1073 (Nachlaß G. Mevissen);
Landesarchiv Koblenz,
Abt. 403 (Kom.rats-Akte 1861–63);
Rhein.-
Westf. Wirtsch.archiv Köln,
Abt. 20 (HK Duisburg-Wesel,
betr. Eisenbahnen 1861–63);
-
Geschäftsberr.: A. Schaaffhausenscher
Bankver. 1848 ff., Köln. Maschinenbauanstalt 1856 ff., Köln. Baumwollspinnerei u. -
weberei 1853 ff., Kölner
Bergwerksver. 1849 ff., Hoerder Bergwerks- u.
Hüttenver. 1853 ff., Köln-Müsener Bergwerks- u.
Hüttenver. 1856 ff., Darmstädter Bank f. Handel u. Industrie 1856 ff.,
Internat. Bank f. Luxemburg 1856 ff.
Autor ↑
Klara van EyllEmpfohlene Zitierweise ↑
Eyll, Klara van, „Koenigs, Franz Wilhelm“,
in: Neue Deutsche Biographie
12
(1979), S.
353-355
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd136992919.html