Name
Hohenthal, Peter Graf von
Namensvarianten
Hohmann, Peter (bis 1736); Hohenthal-Königsbrück, Peter Graf von; H. v. F. P.; Hohenthal-Königsbrück, Peter von; Hohmann, Peter; Königsbrück, Peter von Hohenthal-
Lebensdaten
1726 bis 1794
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Herrenhut
Beruf/Lebensstellung
Agrarwissenschaftler; Schulreformer; Vizepräsident der Sächsischen Kommerzdeputation; Staatsmann
Konfession
lutherisch
Autor NDB
Focko Eulen
Autor ADB
-
GND
116956828

Hohenthal, Peter Graf von|

Agrarwissenschaftler, Schulreformer, * 2.9.1726 Leipzig, 14.8.1794 Herrenhut.

  • Genealogie

    V Peter Frhr. (Reichsfrhr. 1736, 1694-1763). auf Cossa, Trossine usw., kursächs. Geh. Kriegsrat, S d. Peter (s. 1); M Christiane Sibylla ( 1759), T d. Joh. Burckhard Mencke (1675–1732), Dr. iur., kursächs. Hof- u. Justizrat, Prof. d. Gesch. in Leipzig (s. ADB 21), u. d. Kath. Margarete Gleditsch; Ur-Gvm Joh. Gleditsch ( 1710), Verleger (s. NDB VI); - 1) Magdeburg 1747 Christiane Dor. Elisabeth (1725–67), T d. August v. Haeseler (1793–1769), auf Häseler, Pleismar usw., Kauf- u. Handelsherr in Magdeburg, preuß. Geh. Kriegs- u. Domänenrat, u. d. Christiane Cramer, 2) Gersdorf b. Nossen 1768 Friederike Henr. (1740–97), T d. Nicolaus Willibald Gf. v. Gersdorff (1713–65), auf Baruth usw., kursächs. WGR u. Konferenzmin. u. Gesandter, u. d. Joh. Magdalena Gfn. v. Beichlingen; B d. 1. Ehefrau Jakob Friedrich Frhr. v. Fritsch ( 1814), sachsen-weimar.|Staatsmin. (s. NDB V); 3 S, 2 T aus 1), 2 T (1 früh †) aus 2).

  • Leben

    H., aus Kreisen der bürgerlich-städtischen Aufklärung stammend, studierte in Leipzig. Durch Kauf und Heirat erwarb er nach und nach 13 Güter im Meißnischen Kreise und in der Oberlausitz. 1746 zum Kreishauptmann des sächsischen Kurkreises ernannt, war er als solcher Oberaufseher der Grafschaft Barby. Er tat sich besonders durch die Leitung umfangreicher Deichbauten an Elbe und Saale hervor. 1763 wurde ihm durch Kurfürst Friedrich Christian das Amt eines Vizepräsidenten des Oberkonsistoriums zu Dresden übertragen. Ein Jahr später folgte die Ernennung zum Vizedirektor der neuerrichteten Landes-Ökonomie-Deputation. 1778 gab er beide Ämter aus Gesundheitsgründen auf und widmete sich auf seinen Oberlausitzer Gütern der praktischen und theoretischen Landwirtschaft wie auch Problemen der Realerziehung, deren Ziele er schon als junger Mann vertreten hatte. Auf beiden Gebieten, dem Agrar- und dem Erziehungssektor, erwarb er sich durch Herausgabe eigener und fremder Schriften und praktisch-initiatorische Tätigkeit bleibende Verdienste. 1756, im gleichen Jahre als er sich dem Hallenser und Berliner Pietismus näherte, gründete er in Wittenberg nach Heckers Berliner Vorbild die erste kursächsische Realschule, verbunden mit einem Waisenhaus und einem Lehrerseminar. Er fand dabei die Unterstützung der Franckeschen Stiftungen und des sächsischen Staatsbeamten Thomas von Fritsch. Neben angewandter Mathematik, Mechanik, Ökonomie und Naturlehre wurde hier auch Unterricht im Handwerks- und Manufakturwesen gegeben. Als Vizepräsident des Oberkonsistoriums war H. um Neuordnung des gesamten Schulwesens in Sachsen bemüht. So wurden die 3 kursächsischen Schulordnungen für Landes-, Stadt- und Dorfschulen von 1773, die wesentlich von H. bestimmt waren, grundlegend für das sächsische Bildungswesen. 1764 machte er den Versuch, in Dresden eine Realschule zu gründen; 1784 wurde diese eröffnet, 1787 das erste sächsische Lehrerseminar angegliedert. Auch die 2. Dresdner Lehrerbildungsanstalt (Fletchersches Seminar, 1825) geht auf eine Anregung H.s zurück. Außerdem errichtete er 1784 das pietistische Adelspädagogium in Uhyst (Spree). H., der zeitlebens dem Pietismus Franckescher Prägung nahestand, später auch Anhänger der Herrnhuter Brüdergemeine war, blieb gleichwohl rationalistischen Ideen zugeneigt. Aus der Verbindung beider Richtungen zu Erziehungsfreudigkeit und Fortschrittsglauben resultiert seine hohe Wertschätzung der Realschulbildung, deren Zweck er in der Erziehung guter, evangelischer Christen und zugleich „bürgerlich brauchbarer Menschen“ erkannte.

    Neben zahlreichen Vorschlägen zur Förderung der Manufakturen galt H.s Wirken vor allem dem Agrarsektor und bestand unter anderem darin, daß er – vor Schubart von Kleefeld – mit Erfolg die Einführung des Klee- und Luzerne-Anbaus betrieb. Damit wurde der gesamte Futtermittelanbau gefördert, was den Verzicht auf eine rückständige Dreifelderwirtschaft bedeutete und den Übergang von der Weidewirtschaft zur Stallfütterung ermöglichte, wodurch man schließlich eine verbesserte Viehzucht erreichte. 1765 wurde H. Mitgründer der Leipziger Ökonomischen Sozietät. Mit Herausgabe verschiedener ökonomischer Zeitschriften, Gründung und Herausgabe des aufklärerisch wirksamen Leipziger Intelligenzblattes, Übersetzungen der Agrarwissenschaftler Duhamel du Monceau und John Mills zählte H. zu den führenden Theoretikern der Agrarwissenschaft seiner Zeit.

    • Werke

      Gedanken v. d. großen Landwirtsch., 1757;  Der Sammler, zum Zeitvertreib u. Nutzen d. Deutschen, 1764. -  Herausgeber(in): Oeconom. Nachrr., 15 Bde., 1749-63;  Neue oeconom. Nachrr., 5 Bde., 1763-73;  Vermischte oeconom. Slgg., 2 T., 1750/51;  Oeconom.-physikal. Abhh., 20 T., 1747-63;  Nova Agenda Scholastica, 9 Bde., 1765-74. -  Verzeichnis(se) b. M. Humpert, Bibliogr. d. Kameralwiss., 1937 (unvollständig).

    • Literatur

      ADB XII;  H, Schlechte, Die Staatsreform in Kursachsen 1762–63, 1958;  Meusel, Gel. Teutschland.

  • Autor

    Focko Eulen
  • Empfohlene Zitierweise

    Eulen, Focko, "Hohenthal, Peter Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 494 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116956828.html
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Hohenthal, Peter Graf von

Hohenthal, Peter Graf von