Name
Hensel, Kurt
Namensvarianten
Hensel, Kurt Jakob Wilhelm Sebastian; Hensel, Curt; Hensel, K.
Lebensdaten
1861 bis 1941
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Lebensstellung
Mathematiker; Professor der Mathematik
Konfession
lutherisch
Autor NDB
Helmut Hasse
Autor ADB
-
GND
118800337

Hensel, Kurt Jakob Wilhelm Sebastian

Mathematiker, * 29.12.1861 Königsberg (Preußen), 1.6.1941 Marburg/Lahn. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Sebastian (1830–98), Gutsbes. in Groß-Barthen/Ostpr., dann Dir. d. Berliner Baubank u. d. Kaiserhof-Ges., Vf. v. „Die Fam. Mendelssohn 1729-1847“, S d. Wilhelm (s. 4); M Julie (1836–1901), T d. Jac. Ludw. v. Adelson (1798–1861), Kaufm. u. Bankier, russ. Staatsrat u. Gen.konsul in K., u. d. Fanny Löwenstamm; Groß-Tante-v Louise (s. 2); B Paul (s. 3); Schw Fanny ( Bernh. Römer, 1852–91, Bildhauer, s. ThB), Cécile ( Frdr. Leo, 1851–1914, Prof. d. klass. Philol. in Göttingen, s. DBJ I, Tl. 1914, W, L); - Berlin 1887 Gertrud (1866–1952), T d. Albert Hahn ( 1898), Großindustrieller (s. NDB VII); 1 S, 4 T, u. a. Albert (1895–1933), Prof. d. Rechte in K., Ruth (⚭|Franz Haymann, 1947, Prof. d. Rechte, s. NDB VIII), Charlotte ( Werner Bergengruen, 1964, Schriftsteller); N Ulrich Leo (1890–1964), Bibl.rat, Prof. f. ital. u. span. Sprache in Toronto, Kurt Hahn (* 1886), Pädagoge, Ilse Römer ( Fritz Weege, * 1880, Prof. d. Archäol.), Eva Römer (* 1889), Malerin, Erika Leo ( Walther Brecht, 1950, Germanist, s. NDB II).

  • Leben

    Nach elterlichem Privatunterricht empfing H. entscheidende Anregungen durch K. H. Schellbach am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Berlin. Er studierte Mathematik in Bonn und Berlin. Zu seinen Lehrern zählten Lipschitz, Weierstraß, Borchardt, Kirchhoff und Helmholtz, vor allem aber Kronecker, bei dem er 1884 promovierte und 1886 seine Habilitationsschrift einreichte. Nach Kroneckers Tode gab H. dessen Werke (5 Bände, 1895–1930) und Vorlesungen (2 Bände, 1901/03) heraus. Seit 1901 entfaltete er als Ordinarius in Marburg eine äußerst fruchtbare Tätigkeit. Hier entstanden seine Monographien über algebraische Zahlen und Zahlentheorie. 1901-36 war H. Herausgeber des „Journals für reine und angewandte Mathematik“. Seit 1930 im Ruhestand, hielt er noch regelmäßig Vorlesungen.

    H.s Werk nahm seinen Ausgang von Kroneckers Begründung der arithmetischen Theorie der algebraischen Zahlkörper. Die Kronecker-Henselsche Methode lieferte gleichzeitig einen Aufbau der Arithmetik der algebraischen Funktionskörper. Diese stellte H. gemeinsam mit Landsberg in der „Theorie der algebraischen Funktionen einer Variablen und der Abelschen Integrale“ (1902) systematisch dar. Etwa 1899 führte ihn dann die Weierstraßsche Methode der Potenzreihenentwicklung bei algebraischen Funktionen zur Konzeption eines Analogons in der Theorie der algebraischen Zahlen: zur Schöpfung der p-adischen Zahlen. Diese sind als H.s bedeutendste, überaus folgenreiche Entdeckung anzusehen. Sie ist umso höher einzuschätzen, als das begriffliche Fundament hierzu noch keineswegs gegeben war; vielmehr regte sie umgekehrt in entscheidendem Maße die Entwicklung der dazu benötigten „abstrakten Algebra“ an. H. baute in der „Theorie der algebraischen Zahlen“ (1907) seine Ideen systematischer aus und entwickelte sie in der „Zahlentheorie“ (1912) in lehrbuchartiger Form. Diese enthält darüber hinaus zwei wesentliche Ergänzungen: eine Anwendung auf die quadratischen Formen und die Einführung der p-adischen Analysis. Die p-adische Methodik führte unter den Händen seiner Schüler (unter anderem H. Hasse) bei den quadratischen Formen und in der Algebrentheorie zu großen Erfolgen, während sich in der p-adischen Analysis noch heute ein weites Forschungsfeld öffnet. In einer Reihe weiterer Arbeiten erzielte H. selbst eine Fülle schönster zahlentheoretischer Ergebnisse. Noch zu seinen Lebzeiten erfuhr sein anfangs wenig beachtetes Werk die volle Anerkennung der mathematischen Fachwelt.|

    • Auszeichnungen

      Dr. h. c. (Oslo 1931).

    • Werke

      Weitere Werke unter anderem  Arithmet. Unterss. üb. d. gemeinsamen außerwesentl. Discriminantenteiler e. Gattung, in: Journal f. reine u. angew. Math. 113, 1894, S. 128-60;   Neue Grundlagen d. Arithmetik, ebd. 127, 1904, S. 51-84;   Über e. neue Begründung d. Theorie d. algebra. Zahlen, ebd. 128, 1904, S.1-32;   Die multiplikative Darst. d. algebra. Zahlen f. d. Bereich e. beliebigen Primteilers, ebd. 146, 1916, S. 189-215;   Unters. d. Zahlen e. algebra. Körpers f. e. beliebige Primteilerpotenz als Modul, ebd. 147, 1917, S. 1-15;   Über d. Zusammenhang zw. d. Kongruenzgruppen e. algebra. Körpers f. alle Potenzen e. Primteilers als Modul, ebd. 177, 1937, S. 82-93;   Über d. Entwicklung d. algebra. Zahlen in Potenzreihen, in: Math. Ann. 55, 1901, S. 301-36;   Über d. Normenreste u. Nichtreste in d. allgemeinsten relativ Abelschen Zahlkörpern, ebd. 85, 1922, S. 1-10;   Über d. Normenreste u. Nichtreste e. relativ zyklischen Körpers v. Primzahlgrad l nach e. Primteiler 𝔩 v. l, ebd. 90, 1923, S. 262-78 (mit H. Hasse);   Eine neue Theorie d. algebra. Zahlen, in: Math. Zs. 2, 1918, S. 433-52.

    • Literatur

        O. Perron, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1944/48, 1948, S. 234-36;   H. Hasse, in: Journal f. reine u. angew. Math. 187, 1950 (Werkverzeichnis, Porträt);   Pogg. IV-VII a;   Rhdb. (Porträt).

  • Autor

    Helmut Hasse
  • Empfohlene Zitierweise

    Hasse, Helmut, "Hensel, Kurt Jakob Wilhelm Sebastian" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 559 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118800337.html
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Hensel, Kurt

Hensel, Kurt