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Frank, Christian >>
Frank, Bruno Sebald
Dichter,
* 13.6.1887 Stuttgart,
† 20.6.1945 Beverly Hills (Kalifornien),
⚰ Los Angeles. (israelitisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Sigismund (
† 1930), Bankier, aus Krefeld;
M Lina Rothschild, aus Hanau;
⚭ 1924 Elisabeth Massary-Pallenberg; kinderlos.
Leben ↑
Dank einem wohlhabenden Elternhaus und der liebe- und verständnisvollen Fürsorge seines Vaters konnte Frank schon als Gymnasiast und Schüler eines Landerziehungsheimes eine vielseitige und weitläufige Bildung erwerben, die seine erstaunliche dichterische Frühreife dermaßen förderte, daß bereits der 18jährige mit einem Bändchen formvollendeter Gedichte „Aus der goldenen Schale“ (1905) hervortreten konnte. Dabei waren es zunächst weniger erotische als gedankliche Erlebnisse, die den jungen Dichter bewegten. Erst mit dem schwermütigen „Requiem“ (1916) traten jene in den Vordergrund. Zuvor schon hatte Frank, noch während seiner rechtswissenschaftlichen Studien an mehreren Universitäten und seiner germanistischen Promotion (Gustav Pfizers Dichtungen, Tübingen 1912), damit begonnen, den Schwerpunkt seines Schaffens in eine durch viele Reisen nach Frankreich, Spanien und Italien bereicherte Erzählkunst zu verlegen. Dann rief ihn der Weltkrieg nach Flandern und Polen. Krank aus ihm zurückgekehrt, verlebte er 8 einsame Jahre in Oberbayern. Diese kamen sowohl seinen Erzählungen zugute als auch seinen Bemühungen um bühnenwirksame Dramen. Als Erzähler erzielte er seinen ersten großen Erfolg mit den 3 Novellen um Friedrich den Großen „Tage des Königs" (1924), als Dramatiker mit „Zwölftausend" (1927), dem glücklichen Versuch, die Milford-Episode aus „Kabale und Liebe" abzuwandeln und in den Mittelpunkt einer besonderen Haupthandlung zu stellen, und mit der gemütvollen Kleinstadthumoreske „Sturm im Wasserglas“ (1930). „Die Schwestern und der Fremde“ (1918) hielt er selbst für sein bedeutendstes Stück. In München, wohin er 1924 übersiedelte, mit einer Gattin verbunden, die ihm ein idealer Lebenskamerad wurde, befreundete sich Frank mit Thomas Mann, der auch später in Kalifornien wieder sein Nachbar war. Diese Le
|bensfreundschaft hat sich besonders bewährt, als Frank 1930 in der Presse wegen seiner „Politischen Novelle“ (1928) angegriffen wurde und Thomas Mann mit großer Entschiedenheit für ihn eintrat und den irregeführten Zeitgenossen zum Bewußtsein zu bringen suchte, wie gut sie daran täten, auf die mahnende Stimme des ahnungsbangen Dichters zu hören. In der Emigration hat Frank dann vor allem den ausgezeichneten Roman „Cervantes“ (1934) geschrieben, der nicht nur ein Künstlerroman von selbstbekennerischer Tiefe, sondern überdies eine farbenreiche geschichtliche Dichtung von großer Weltbreite ist. – Alle, die Frank persönlich nahegetreten sind, rühmen das unbeirrbare, menschheitsgläubige, gütige Herz des bescheidenen Schriftstellers.
Werke ↑
Weitere W u. a. Gedichte:
Die Schatten d. Dinge, 1912;
Die Kelter, 1919. –
Erzz. u. Romane: Die Nachtwache, 1909;
Flüchtlinge, 1911;
Die Fürstin, 1915;
Der Himmel d. Enttäuschten, 1916;
Gesichter, 1920;
Bigram, 1921;
Tage d. Königs, 1924;
Erzz., 1926;
Trenck, 1926;
Closed frontiers, London 1937;
Young Madame Conti,
ebd. 1938;
Chamfort erzählt seinen Tod
(Fragment), in: Neue
Rdsch., Stockholm 1945;
Sechzehntausend Francs, Amsterdam 1946,
Neuaufl. 1948;
Ausgew. Werke, 1957 (
mit Nachruf v. Th. Mann, S. 5-7,
P). –
Dramen: Die treue Magd, 1916;
Bibikoff, 1918;
Die Trösterin, 1919;
Das Weib auf d. Tiere, 1921;
Perlenkomödie, 1929;
Nina, 1931;
Der General u. d. Gold, 1932;
Die verbotene Stadt, 1954
(aus d. Nachlaß). –
Sonstiges: Von d. Menschenliebe, 1919;
Kleine
Autobiogr., in:
Schwäb. Thalia,
Jg. 1930/31, S. 109 (
Abdr. in:
Lit., 1930);
Aus vielen Jahren (
Erzz. u. Gedichte), Amsterdam 1937;
Drehbuch
z. Film Der Glöckner
v. Notre Dame, 1937.
Literatur ↑
G. Funke, in:
Schwäb. Thalia,
Jg. 1927/28, S. 129 f.;
J. Bab, Die Befreiungsschlacht,
ebd.,
Jg. 1930/31, S. 113 f.;
Th. Mann, Die Politische Novelle, 1930, in: Altes u. Neues, 1953, S. 532-48;
E. Ackerknecht,
Nachwort zu F., Polit. Novelle, Reclam-
Ausg. 1956;
G. Lukács, Essays
üb. Realismus, 1948, S. 120-22;
F. C. Weisskopf, Unter fremden Himmeln, 1948
(zahlr. bibliogr. Einzelhinweise);
H. Günther, Drehbühne d. Zeit, 1957,
bes. S. 85-95
(P);
Kosch, Lit.-Lex. (W, L).
Portraits ↑
Silberstiftzeichnung
v. O. Gulbransson, etwa 1925;
Ölgem.
v. Leyden, kurz
v. d. Tode d. Dichters;
Karikatur
v. E. Hermann, in: H. Günther,
s. L.
Autor ↑
Erwin Ackerknecht Empfohlene Zitierweise ↑
Ackerknecht, Erwin H., „Frank, Bruno Sebald“,
in: Neue Deutsche Biographie
5
(1961), S.
339 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118702866.html