Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Albert     Albert II. >>

Albert Franz Albrecht August Karl Emanuel

Prinz von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzgemahl der Königin Victoria von England, * 26.8.1819 Schloß Rosenau bei Coburg, 14.12.1861 Windsor. (evangelisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Ernst I., Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld, seit 1826 Sachsen-Coburg-Gotha; M Luise, Prinzessin von Sachsen-Gotha-Altenburg; Ov König Leopold I. von Belgien; B Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha (1818–93); London 10.2.1840 Victoria, Königin von England (1837–1901); S Eduard, später als Eduard VII. König von England, Alfred (1844–1900), Herzog von Coburg-Gotha, Arthur, Herzog von Connaught, Leopold, Herzog von Albany; T Victoria (1840–1901), London 25.1.1858 Kaiser Friedrich III., Alice, 1.7.1862 Ludwig IV., Großherzog von Hessen, Helene, Christian Prinz von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Beatrice, 1885 Heinrich Prinz von Battenberg (M der Königin Ena von Spanien).

Leben  
Albert wurde von König Leopold von Belgien und seinem Vertrauten, dem einflußreichen Baron Christian von Stockmar, in Brüssel auf seine künftige Stellung vorbereitet; Studien in Bonn und Kavaliersreisen füllten die Zeit zwischen Alberts erster Begegnung mit Victoria und seiner Vermählung, die von Leopold gewünscht wurde und sich sehr glücklich gestaltete. Lange hatte Albert gegen Vorurteile und Abneigung maßgeblicher englischer Persönlichkeiten und Schichten anzukämpfen; Demütigungen blieben ihm nicht erspart. Trotzdem gelang es ihm, durch Selbstbeherrschung und sittliche Vorbildlichkeit, Taktgefühl und verantwortungsbewußtes soziales Wirken mehr und mehr die Achtung des Landes zu gewinnen. Er wurde der „vertrauteste und bald unentbehrlichste Ratgeber der Königin, gleichsam ihr Privatsekretär und permanenter Minister“. Die Wiederherstellung eines patriotisch-herzlichen Verhältnisses zwischen Volk und Herrscherhaus, der unter den letzten Königen gesunkenen Achtung vor dem Thron und einer streng überparteilichen Haltung der Krone waren nicht zuletzt sein Verdienst. Sein innerpolitischer Einfluß festigte sich zusehends; als tatkräftiger Förderer gemeinnütziger Veranstaltungen und Einrichtungen (Protektor der Londoner Weltausstellung 1851, Bemühungen um die Verbesserung des englischen Schulwesens, bedeutende Anregungen als Kanzler der Universität Cambridge) wußte er sich in der breitesten Öffentlichkeit Geltung und Ansehen zu verschaffen. Vielseitige Interessen (er machte sich auch als Komponist einen Namen und hatte in Landwirtschaft und Gartenarchitektur Leistungen aufzuweisen) kamen ihm bei seinen Versuchen zustatten, das englische Hofleben kulturell regsamer zu gestalten; die von dem Prinzen auf diesem Gebiet mit einer gewissen Pedanterie geschaffenen Ansätze wurden aber nach seinem Tode nicht fortentwickelt. 1841 wurde Albert zum Regenten für den Fall des Ablebens der Königin ernannt, 1857 erhielt er von dieser den Titel Prince Consort. Außenpolitisch hat Albert,|nicht selten im Widerspruch zu dem Opportunisten Palmerston, einer ethisch-liberalen Prinzipienpolitik Großbritanniens das Wort geredet. Während der Schleswig-Holsteinischen Krise 1848-50 nahm der englische Hof im Gegensatz zur Regierung und der öffentlichen Meinung des Landes eine deutschfreundliche Haltung ein. Im Krimkrieg suchte Albert Preußen und Österreich auf die Seite der Westmächte zu ziehen, im amerikanischen Bürgerkrieg (1861–65) wirkte er, noch kurz vor seinem Tode, für die Erhaltung des Friedens mit der Union. Eng verbunden blieb er stets mit der Coburger Heimat und seinem deutschen Vaterland. Mit zahlreichen regierenden Bundesfürsten und mediatisierten Dynasten, darunter Prinz Karl von Leiningen und Fürst Chlodwig Hohenlohe, mit deutsch-liberalen Staatsmännern wie Karl Josias von Bunsen und Franz von Roggenbach pflegte er Verkehr und Gedankenaustausch und suchte im konstitutionellen Sinne einzuwirken. Er wünschte eine Erstarkung des Bundes ohne Ausschluß Österreichs, aber unter Führung eines im liberalen Geist reformierten Preußens. Durch die englisch-liberale Erziehung seiner Tochter Victoria und die in der Folge erzielte Beeinflussung seines Schwiegersohnes Friedrich III. hat er mittelbar zu den höfisch-politischen Auseinandersetzungen zwischen Bismarck und der ihm abgeneigten Partei des Hauses Hohenzollern und ihrer Gefolgschaft beigetragen. Ein feiner Beobachter wie Fürst Chlodwig Hohenlohe glaubte im Charakter Wilhelms II. unverkennbare Ähnlichkeit mit dem des Großvaters Albert zu erkennen, der allerdings seinem Enkel an politischer Klugheit und Zurückhaltung weit überlegen war. Bismarck, dem der Prinz mit verständlicher Voreingenommenheit entgegentrat, sprach gelegentlich von „coburgischer Selbstüberschätzung“; eine kühl-unpersönliche, doktrinäre Art gehörte jedenfalls zu Alberts Wesenszügen.

Werke  
Speeches and addresses, hrsg. v. A. Helps, 1862.

Literatur  
E. Frhr. v. Stockmar, Denkwürdigkeiten aus d. Papieren d. Frhr. Christian Friedr. v. Stockmar, 1872; Th. Martin, The Life of H. R. H. the Prince Consort, 5 Bde., 1875–80; Ernst II., Hzg. v. Sachsen-Coburg-Gotha, Aus meinem Leben u. aus meiner Zeit, 1887; M. Bräuer, Prinz A. v. England u. d. dt. Einheitsfrage in d. J. 1845-1851, 1910; L. Strachey, Queen Victoria, 1921; H. Precht, Englands Stellung z. dt. Einheit 1848-1850, 1925; Kaiser Friedrich III., Tagebücher v. 1848-1866, hrsg. v. H. O. Meisner, 1929; H. Bolitho, A. the Good, London 1932 (Der große Koburger u. seine Zeit. A., d. Prinzgemahl d. Kgn. Victoria v. England. Dt. v. L. Überfeld, 21938); S. Ehrich, Die persönl. u. polit. Beziehungen d. Kgn. Victoria v. England z. Prinzgemahl A., 1935; Prinzgemahl A., ein Leben am Throne, eigenhändige Briefe u. Aufzeichnungen 1831-1861, hrsg. v. K. Jagow, 1937.

Portraits  
2 Gem. v. F. X. Winterhalter (Schloß Windsor u. Buckingham Palace), Abb. in: Kaiser Wilh. II., Aus meinem Leben, 1927 f., S. 1.

Autor  
Heinz Gollwitzer
Empfohlene Zitierweise  

Gollwitzer, Heinz, „Albert Franz Albrecht August Karl Emanuel“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 132-133 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11864758X.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 1 (1953), S. 132-133
Erwähnungen: 
NDB 1 (1953), S.  200*
NDB 4 (1959), S. 621*
NDB 5 (1961), S. 94*
NDB 5 (1961), S.  487*
NDB 11 (1977), S. 261*
NDB 14 (1985), S. 273*
NDB 15 (1987), S. 398*
NDB 17 (1994), S. 87*
NDB 24 (2010), S. 245 in Artikel Semper, Gottfried

PND: 11864758X
Artikel drucken

Index

Albert

Name: Albert
Namensvariante: Albert Franz Albrecht August Karl Emanuel
Namensvariante: Albert I. von Großbritannien
Lebensdaten: 1819 bis 1861
Geburtsort: Schloß Rosenau bei Coburg
Sterbeort: Windsor
Beruf/Lebensstellung: Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha; Prinzgemahl der Königin Victoria von England
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Gollwitzer, Heinz
PND: 11864758X

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Albert

PND
11864758X

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika
Bayerisches Musikerlexikon Online (BMLO)

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München

Digitaler Portraitindex

Nachlässe der SLUB

Nachlässe
Kalliope