Name
Meisenheimer, Johannes
Namensvarianten
-
Lebensdaten
1873 bis 1933
Geburtsort
Griesheim/Main
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Lebensstellung
Zoologe
Konfession
evangelisch
Autor NDB
Martin Müllerott
Autor ADB
-
GND
116863722

Meisenheimer, Johannes

Zoologe, * 30.6.1873 Griesheim/Main, 24.2.1933 Leipzig.

  • Genealogie

    B Jakob (s. 1).

  • Leben

    M. begann 1893 in Marburg ein Studium mit dem Schwerpunkt Zoologie, ging aber auf Anraten E. Korschelts für ein Jahr nach Heidelberg, um bei O. Bütschli und C. Gegenbaur noch andere Arbeitsrichtungen kennenzulernen. Zurückgekehrt, promovierte er 1896 bei Korschelt mit einer Entwicklungsgeschichte von Limax maximus. Die Fortsetzung dieser Arbeit behandelte die Larvenentwicklung dieser Schnecke und wurde 1898 in Marburg preisgekrönt. Auch weitere Arbeiten betrafen Mollusken; er habilitierte sich 1899 ebenfalls bei Korschelt mit einer Studie über die Wandermuschel Dreissenia, die zu Beginn des 19. Jh. vom Meer ins Süßwasser vorgedrungen war. An ihren freischwimmenden Trochophora-Larven konnte M. enge Beziehungen zu marinen Larven der Ringelwürmer aufzeigen. Solchermaßen als Kenner der Weichtierwelt ausgewiesen, wurde ihm das Sammelgut an Pteropoda der Deutschen Tiefsee-Expedition 1898/99 des Forschungsschiffes Valdivia überlassen. M. fand darin eine neue Familie und interessante Organisationsformen dieser pelagialen Flügelschnecken, konnte aber auch die Zoogeographie der Arten in ihrer Abhängigkeit von den Meeresströmungen aufklären. Um die heute noch strittige systematische Stellung der Pantopoda zu untersuchen, ging M. im Herbst 1900 an die Zoologische Station Neapel, doch verlor seine Ansicht, daß Zusammenhänge der Pantopodenlarven mit denen niederer Krebse bestünden, inzwischen völlig an Boden. Noch in Marburg begann M. experimentell zu arbeiten, indem er Schmetterlingsraupen während früher Entwicklungsstadien die Gonaden exstirpierte bzw. durch die des anderen Geschlechts ersetzte und so die andersartige Geschlechtsfestlegung der Insekten im Vergleich mit den Wirbeltieren aufzeigte. 1910 folgte M. einem|Ruf auf den Lehrstuhl für Phylogenie nach Jena, mit der eine Kustodenstelle am gerade erbauten Phyletischen Museum verbunden war. L. Plate übertrug M. den Aufbau der Abteilung für Entwicklungslehre, eine Aufgabe, die M.s künstlerischer und didaktischer Neigung sehr entsprach und die in der Folge auch dem Zoologischen Museum in Leipzig bei der Reorganisation und Erweiterung zugutekommen sollte. Der dortige Lehrstuhlinhaber C. Chun war 1914 gestorben und Korschelt, den man berufen wollte, lenkte die Wahl auf seinen Schüler. In die 19 Jahre von M.s Leipziger Zeit fallen weitere experimentelle Studien über die Vererbung von Art- und Geschlechtsmerkmalen bei Biston-Artkreuzungen. Bei dieser Spannergattung ist die eine Art in beiden Geschlechtern voll beflügelt, während bei der anderen das Weibchen nur Stummelflügel besitzt. M. erzielte bei Rückkreuzungen Zwitterformen, die er als Beweis für eine konstant intermediäre Vererbung ansah. Später schloß er sich der Ansicht von R. Goldschmidt an, der etwa gleichzeitig den Schwammspinner Lymantria genetisch untersucht hatte, wonach es sich hier um triploide Intersexe handeln müsse. Die Erforschung des Sachgebiets war damit an die zytologisch arbeitenden Genetiker gegangen. Der größte Teil von M.s Arbeitskraft kam indessen seinem zweibändigem Werk „Geschlecht und Geschlechter im Tierreich“ (1921-30) zugute. Er verarbeitete darin eine immense Literatur und behandelte nicht nur die Mannigfaltigkeit in der Morphologie und Biologie der Begattung und des Zwittertums, sondern bezog auch die Brutpflege und manches kulturhistorisch Relevante mit ein. Noch heute ist es als Nachschlagewerk unentbehrlich.|

    • Auszeichnungen

      Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss.

    • Werke

      Weitere Werke unter anderem Organogenese e. Lungenschnecke, in: Zs. f. wiss. Zool. 63, 1898, S. 573-664; Entwicklungsgesch. v. Dreissenia polymorpha, ebd. 69, 1900, S. 1-137 (Habil.schr.); Btrr. z. Entwicklungsgesch. d. Panlopoden, ebd. 72, 1902, S 191-248; Pteropoda, Wiss. Ergebnisse d. dt. Tiefsee-Expedition IX, 1905; Experimentelle Stud. z. Soma- u. Geschl.differenzierung, 1. Btr.: Üb. d. Zusammenhang primärer u. sekundärer Geschl.merkmale b. d. Schmetterlingen, 1909; 2. Btr.: Üb. d. Zusammenhang zwischen Geschl.drüsen u. sekundären Geschl.merkmalen b. Fröschen …, in: Zool. Jb. 3, Suppl. 15 (Spengel-Festschr.), 1912, S. 191-218; 3. Btr.: Die Vererbung v. Art- u. Geschl.merkmalen b. Biston-Artkreuzungen, 1924; Die Exkretionsorgane d. Wirbellosen Tiere, in: Ergebnisse u. Fortschritte d. Zool. 2, 1910, S. 275-366; Die Weinbergschnecke, 1912; Entwicklungsgesch. d. Tiere, 1907, 21917 (Neudr. 1928); Die Vererbungslehre in gemeinverständl. Darst. ihres Inhalts, 1923.

    • Literatur

      R. Goldschmidt, Bemerkungen üb. triploide Intersexe, in: Biolog. Zbl. 45, 1925; L. Grimpe, in: FF 9, 1933, S. 151 f.; H. Federly, Gibt es e. intermediäre Vererbung? Erwägungen veranlaßt durch d. Vortrag v. Prof. M., Leipzig 1922, in: Zs. f. indukt. Abstammungslehre 37, 1935; P. Buchner, in: Berr. u. Verhh. d. Sächs. Ges. d. Wiss., Math.-phys. Kl. 89, 1936, S. 109-18 (Werkverzeichnis); E. Korschelt, Das Haus an d. Minne, 1939; G. Uschmann, Gesch. d. Zool. u. d. Zoolog. Anstalten in Jena 1779-1919, 1959.

  • Autor

    Martin Müllerott
  • Empfohlene Zitierweise

    Müllerott, Martin, "Meisenheimer, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 686 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116863722.html
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Meisenheimer, Johannes

NDB Genealogie:
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Meisenheimer, Johannes