<< Mechel, Christian von
Mechthild von Magdeburg >>
Mechthild (Mathilde)
Gräfin von Württemberg, Erzherzogin („Fräulein“) von Österreich, geborene
Pfalzgräfin bei Rhein,
* 7.3.1419 Heidelberg,
† 22.8.1482 Heidelberg,
⚰ Kloster Güterstein bei Urach, seit 1554 Tübingen, Stiftskirche.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus d. Haus Witteisbach;
V Kf. Ludwig III.
v. d. Pfalz (
† 1436, s.
NDB 15);
M Mechthild (
† 1438),
T d.
Gf. Amadeus
v. Savoyen (
† 1402);
B Kf. Ludwig IV.
v. d. Pfalz (
† 1449, s.
NDB 15),
Kf. Friedrich I.
v. d. Pfalz (
† 1476, s.
NDB V), Ruprecht (1427–80),
EB v. Köln; –
⚭ 1) Stuttgart 1434
Gf. Ludwig I.
v. Württemberg (1412-50), 2) Böblingen 1452
Erzhzg. Albrecht VI.
v. Österreich (1418-63. s.
NDB I);
Schwager Kaiser Friedrich III. (
† 1493, s.
NDB V); 3
S, 2
T aus 1). Ludwig II.
Gf. v. W. (1439–57), Andreas (
† 1443),
Hzg. Eberhard I. (im Bart)
v. Württemberg (1445–96, s.
NDB IV), Mechthild (
† 1495,
⚭ 1454
Landgf. Ludwig II.
v. Hessen, 1438–71, s.
NDB 15), Elisabeth (1447–1505,
⚭ 1] 1470
Gf. Johann III.
v. Nassau-Saarbrücken, 1423–72, 2] 1474
Gf. Heinrich
d. Ä. zu Stolberg, 1436–1511).
Leben ↑
M.s Lebensweg ist mit dem Geschick der Häuser Pfalz, Württemberg und Österreich verflochten, erhält aber auch eine individuelle Note durch die – wohl bewußt gepflegten – Kontakte sowohl zu wichtigen literarischen Strömungen des „modernen“ Frühhumanismus als auch zu den Ausläufern höfisch geprägter traditioneller Literatur.
M. dürfte schon früh mit den Heidelberger Bildungstraditionen (Universität, Bibilotheca Palatina) in Berührung gekommen sein. Die noch 1419 getroffene Heiratsabrede hinsichtlich des präsumtiven Erben der
Gfsch. Württemberg war ein Akt der politischen Opportunität, die 1434 (oder vielleicht erst 1436) in der
württ. Hauptresidenz Stuttgart vollzogene Hochzeit ein prächtiges Schauspiel. Die Teilung Württembergs 1442 führte aber dazu, daß sich Ludwig und
M. Urach als neue Residenz ausbauen mußten; der nahen Kartause Güterstein fiel dabei die Funktion eines Hausklosters zu. Die Ehejahre mit Ludwig, einem tüchtigen Landesherrn, waren wohl glücklich – nicht zuletzt die tiefe Bindung an Güterstein spricht dafür.
Der frühe Tod Ludwigs I. im September 1450 brachte jedoch einen scharfen Einschnitt. In Urach, wo im Vormundschaftsregiment für die Söhne Ludwig und Eberhard die Interessen der Pfalz und Württemberg-Stuttgarts aufeinanderprallten, konnte sich die junge Witwe offenbar nicht behaupten. Sie zog sich auf den Witwensitz Böblingen zurück. Recht bald wertete sie ihre Stellung jedoch wieder auf. Die
sog. Böblinger Fürstenhochzeit vom 10.8.1452 verband sie mit Albrecht VI. von Österreich, einem Bruder des deutschen Königs. Es entwickelte sich eine kinderlose Ehe auf Distanz, die gleichwohl
M.s Rang hob und ihren persönlichen Spielraum erweiterte; 1463 starb der zweite Gatte.
M. bevorzugte Rottenburg, den Herrschaftsmittelpunkt der ihr verschriebenen
österr. Grafschaft Hohenberg, als Residenz – nur wenige Kilometer neckaraufwärts von Tübingen, der größten Stadt ihres seit 1459 in Württemberg-Urach regierenden Sohnes Eberhard V.
M.s Rottenburger „Musenhof“ wurde nicht nur ein Zentrum festlicher Ver
|anstaltungen, sondern auch ein Anziehungspunkt für süddeutsche Schriftsteller und Übersetzer wie Niklaus von Wyle, Hermann von Sachsenheim, Antonius von Pforr und Jakob Püt(e)rich von Reichertshausen. Die persönliche Bibliothek des „Fräuleins von Österreich“ zählte an die 100 Bücher.
Rottenburg und Hohenberg ihrem Sohn Eberhard von Württemberg als Erbe zuzuspielen, mißlang – die Interessen
Erzhzg. Sigmunds von Tirol sowie des
österr. Gesamthauses waren stärker. Wie mit
Erzhzg. Albrecht VI. für Freiburg 1457, so war
M. aber mit Eberhard 1476/77 für Tübingen an der Universitätsgründung beteiligt – nicht zuletzt jeweils mit den ihr verschriebenen Rechtstiteln
bzw. Vermögenswerten, die zur Fundation wesentlich beitrugen. Das gute Einvernehmen mit diesem bedeutenden Sohn, dem Württemberg die Wiedervereinigung und 1495 die Herzogserhebung verdankte, läßt sich auch auf dem Feld der Kloster- und Kirchenpolitik verfolgen, so schon 1461 bei der Reform der Pfullinger Klarissen oder bei der Fürsorge für die
württ. Reformzentren, die Benediktinerabtei Hirsau und die Kartause Güterstein. Bereits 1458 bedachte
M. die Gütersteiner in ihrem Testament mit Hohenberger Pfandschaftsrechten, 1467 dann mit ihrer wertvollen Sammlung von Reliquien und liturgischen Geräten. – In Güterstein wurde
M. nach ihrem Tod 1482 wunschgemäß bestattet. Für sich und ihren ersten Gemahl hatte sie künstlerisch bedeutende Grabmäler in Auftrag gegeben, die anläßlich der Umbettung 1554 ebenfalls nach Tübingen in die Stiftskirche überfuhrt wurden.
Literatur ↑
ADB I, S. 290;
Württ. Regg. v. 1301 bis 1500. I: Altwürttemberg, 3 T., 1916-40;
M.-L. Bollerhoff,
M. v. Rottenburg als Landesherrin u. Mäzenin, Zulassungsarb. (Germanistik) Tübingen 1982
(ungedr.);
D. Mertens, Die Anfänge d.
Univ. Freiburg, in:
ZGORh 131, 1983, S. 289-308;
B. Theil,
Lit. u. Literaten am Hof d.
Erzhzgn. M. in Rottenburg, in:
Zs. f.
württ. Landesgesch. 42, 1983, S. 125-44;
R. Uhland (
Hrsg.), 900 J. Haus Württemberg,
31985;
Württemberg im Spät-
MA,
Ausst. d. Hauptstaatsarchivs Stuttgart u. d.
Württ. Landesbibl.,
Kat. bearb. v. J. Fischer, P. Amelung u. W. Irtenkauf, 1985;
D. Stievermann, Landesherrschaft u. Klosterwesen im spätma. Württemberg,
Habil.schr. Tübingen 1986/87;
G. Scholz (
Hrsg.), Fürstl. Witwen auf Schloß Böblingen,
Ausst.kat. Böblingen, 1987;
W. Baum, Sigmund d. Münzreiche, Zur
Gesch. Tirols u. d.
habsburg. Länder im Spät-
MA, 1987;
R. Kruska,
M. v. d. Pfalz, Im Spannungsfeld
v. Gesch. u.
Lit.,
Diss. Darmstadt 1987
(ungedr.);
M. Schaab,
Gesch. d. Kurpfalz, I:
MA, 1988;
G. Raff, Hie gut Wirtemberg allewege, Das Haus Württemberg
v. Gf. Ulrich d. Stifter bis
Hzg. Ludwig, 1988;
Bibliogr. d.
Württ. Gesch.,
Bd. 1 ff., 1895 ff.;
ab 1973: Landesbibliogr.
v. Baden-Württemberg,
Bd. 1 ff., 1978 ff.
Portraits ↑
Farbige Zeichnung,
Cod. Ingeram (
Kunsthist. Mus. Wien);
Farbiges Glasbild (Stiftskirche Tübingen);
Grabmal (
ebd.);
alle
abgeb. b. Scholz, s.
L.
Autor ↑
Dieter StievermannEmpfohlene Zitierweise ↑
Stievermann, Dieter, „Mechthild“,
in: Neue Deutsche Biographie
16
(1990), S.
580 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118896059.html