<< Maus, Isaak
Mauser >>
Mausbach, Joseph
katholischer Moraltheologe,
* 7.2.1861 Wipperfeld bei Wipperfürth,
† 31.1.1931 Ahrweiler.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Christian (1822–92),
Bgm. in Wipperfeld,
S d.
Joh. Adolph (1793–1864). Küster u.
Gutsbes. in Wipperfeld, u. d. Angela Gertrud Breidenbach (1800–88);
M Johanna Brunsbach (
† 1916).
Leben ↑
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wipperfürth (1873–78) und des Apostelgymnasiums in Köln (1878–80) begann
M. ein Studium der Theologie in Münster, das er nach drei Jahren in Köln abschloß. Da das Kölner Priesterseminar infolge des Kulturkampfs
|geschlossen war, verbrachte er anschließend ein Jahr in Eichstätt. 1884 zum Priester geweiht, wirkte er bis 1889 als Seelsorger an
St. Gereon in Köln, danach als Lehrer am Gymnasium in Mönchengladbach. 1892 erhielt
M., der 1888 in Münster mit einer Arbeit über Thomas von Aquin promoviert worden war, einen Lehrstuhl für Moraltheologie und Apologetik in Münster, wo er trotz zweier Rufe nach Straßburg (1903) und Bonn (1913) bis zuletzt blieb. 1918 wurde ihm das Amt des Dompropstes in Münster übertragen.
In seinem Hauptwerk „
Kath. Moraltheologie“ (3
Bde., 1915–18), das in den folgenden Jahrzehnten vielfache Neuauflagen und Neubearbeitungen (durch Gustav Ermecke) erfuhr, setzt
M. sich ab von der realitätsfremden neuscholastischen Schultheologie und Kasuistik. Dabei sieht er die Moraltheologie in enger Verbindung mit der Dogmatik. Ausgehend von den anstehenden Zeitfragen, fordert er für die Moralwissenschaft eine strengere Systematisierung und spekulative Durchdringung, vor allem aber eine biblische und historische Behandlung des Lehrstoffes. In seiner Lehre schlägt sich sowohl augustinisch – platonisches Gedankengut, christlicher Idealismus wie auch aristotelisch-thomasischer Realismus nieder.
M. konzipiert allerdings die Moral nicht wie Thomas als Tugendlehre, sondern als Normwissenschaft. „Die Tugenden sind an sich subjektive sittliche Kräfte,… die Moral als ganze aber ist eine objektive Sittennorm“. Zentrale Begriffe wie Leben, Organismus und Entwicklung, die für eine von der Romantik beeinflußte Theologie kennzeichnend waren, verlieren bei
M. ihre Bedeutung. Sein Werk „Die
kath. Moral“ (1901,
31911
u. d. T. „Die
kath. Moral u. ihre Gegner“,
51921) ist beispielhaft für eine positive Auseinandersetzung mit den gegen den
kath. Glauben und die Theologie erhobenen Vorwürfen.
M. war ein Befürworter und Organisator des Theologiestudiums für Frauen, besonders auch für Ordensfrauen. In zahlreichen Vorträgen, auch auf Katholikentagen, stellte er die sozialen Aspekte der anstehenden Zeitaufgaben heraus. Als Zentrumsabgeordneter in der Weimarer Nationalversammlung (1919/20) hat er durch seine kirchen- und kulturpolitischen Überlegungen die Reichsverfassung von 1919 wesentlich mit beeinflußt
|Auszeichnungen ↑
Dr. phil. h.c. Bonn (1919).
Werke ↑
Weitere W u. a.
Divi Thomae Aquinatis de voluntate et appetitu sensitivo doctrina, 1888;
Christentum u. Weltmoral, 1897;
Kernfragen
christl. Welt- u. Lebensanschauung, 1903,
111923;
Die Stellung d. Frau im Menschheitsleben, Eine Anwendung
kath. Grundsätze auf d. Frauenfrage, 1906;
Die Ethik d.
hl. Augustinus, 2
Bde., 1909;
Grundlage u. Ausbildung d. Charakters nach Thomas, 1911;
Rel., Christentum, Kirche, 3
Bde., 1911-13 (mit G. Esser);
Vom gerechten Kriege u. s. Wirkungen, 1914;
Ehe u. Kindersegen, 1916;
Naturrecht u. Völkerrecht, 1918;
Sozialismus u. Christentum, 1918;
Kulturfragen in d.
dt. Vfg., 1920;
Aus d.
kath. Ideenwelt,
Ges. Aufsätze u. Vorträge, 1921;
Thomas
v. Aquin als Meister d.
christl. Sittenlehre, 1925;
Selbstbiogr., in: Die
Religionswiss. d. Gegenwart in Selbstdarstellungen,
hrsg. v. E. Stange, III, 1927, S. 57-89;
Dasein u. Wesen Gottes, 2
Bde., 1929-30.
Literatur ↑
Jber. d.
Görresges. 1930/31, 1932, S. 86-88;
F. Fuchs, in: Hochland 28, 1.1930/31, S. 265 ff.;
K. Beyerle,
ebd., 28, 2.1931, S. 93-95;
Aus Ethik u. Leben,
Festschr. f. J.
M.,
hrsg. v. M. Meinertz u. A. Donders, 1931
(P);
G. Schreiber, J.
M., 1861-1931, 1931
(W-Verz.);
P. Hadrossek, Die Bedeutung d. Systemgedankens f. d.
Moraltheol. in
Dtld. seit d. Thomas-Renaissance, 1950, S. 303-12;
J. Külheim, in: Rhein.-Berg.
Kal. 31, 1961, S. 69 f.;
H. Kraus,
ebd. 51, 1981, S. 111-14;
Kosch, Kath. Dtld.;
LThK2.
Autor ↑
Johannes GründelEmpfohlene Zitierweise ↑
Gründel, Johannes, „Mausbach, Joseph“,
in: Neue Deutsche Biographie
16
(1990), S.
446 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119116189.html