<< Matthias, Adolf
Matthieu, Georg David >>
Matthias(s), Michael
Postdirektor,
* 6.1.1612 Frankfurt/Oder,
† 26.3.1684 Cölln bei Berlin. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus d. seit Anfang d. 16.
Jh. in Brandenburg nachweisbaren
Fam. gingen
zahlr. Bürgermeister u. hohe Beamte hervor. Zu nennen sind Christian,
Bgm. zu Berlin, sowie dessen Söhne Christian (
† 1549),
Bgm. zu Brandenburg, Erasmus,
Bgm. zu Güstrow, u. Georg.
Bgm. z. Berlin. -
V Michael (
† 1631),
Geh. Rat, Vizekanzler,
S d.
Geh. Kammerrats u. Berliner
Bgm. Thomas (
† 1576, s.
ADB 20) u. d. Ursula Meienburg;
M Martha,
T d. Oberstwachtmeisters u. Stadtkommandanten Joachim Steinbrecher (
† 1625) in Berlin;
Ov Daniel (1571–1619),
Geh. Rat, Vizekanzler in Berlin (s.
ADB 20);
Tante-v Magdalena (
⚭ Joachim Hübner,
† 1614.
dän. GR, Gesandter);
B Joh. Friedrich, Erster Postinsp. in Brandenburg (s.
ADB 20); –
⚭ 1658 Ursula,
T d. Konsistorialrats Reinhardt in Berlin; 6
K ,
u. a. Joh.|Friedrich (
* 1666), Hofrentmeister u.
Dir. d. Salzwesens,
Joh. Thomas, braunschweig.
GR, großbrit. Drost zu Lüneburg.
Leben ↑
M. trat 1630 als Anwärter in die
kurfürstl. Kammerkanzlei ein. 1639 wurde er zum
Geh. Kammerkanzleischreiber ernannt, 1642 rückte er zum Registrator der
Geh. Hofkanzlei auf, die den Kurfürsten auf Reisen begleitete. Seit dieser Zeit finden sich von
M. entworfene Schriftstücke, die postalische Angelegenheiten betreffen. Von besonderer Bedeutung für ihn wurde eine Begebenheit im Jahre 1646, als der
schwed. Postmeister Jacob Becker aus Riga eine Reitpost von Riga über Königsberg, Pillau, Danzig, Stettin nach Hamburg einrichten wollte, die die Briefe des Kurfürsten und seiner Regierung frei befördern sollte. Die bereits ausgefertigte Konzession kam in die Hände
M.s, der Bedenken gegen den Durchzug
schwed. Postillione durch die Festung Pillau vorbrachte, die zum Schutz vor einer möglichen
schwed. Landung zuvor verstärkt worden war. Der Einwand wurde vom Kurfürsten berücksichtigt und die Konzession nicht erteilt. Fortan trat der 1647 zum „Post-Kommissarius“ ernannte
M. immer mehr als Berater des Kurfürsten in Postangelegenheiten hervor. Nach der Gründung der Staatspost (1649) wurde er mit deren Auf- und Ausbau betraut, eine Aufgabe, die er mit geringen Mitteln hervorragend löste. Durch die Einrichtung zusätzlicher Stationen verkürzte er die Beförderungszeiten vor allem auf den langen Strecken in aufsehenerregender Weise. Von Kleve nach Königsberg benötigte die Post nur noch 10 Tage. Danzig, Hamburg und Leipzig wurden einbezogen und brachten bedeutende Einkünfte. Ende 1653 übertrug der Kurfürst
M. das Amt des Hofrentmeisters; dieser war damit Finanzminister Brandenburgs geworden. Ein Jahr später empfing er den Titel „Postdirektor“, und 1655 wurde er Amtskammerrat. Ihm unterstand eine selbständige Postverwaltung, deren Autonomie er auch gegen Versuche des Reichsgeneralpostmeisters
Gf. Lamoral
v. Taxis zur Übernahme der ertragsstarken
brandenburg. Post erfolgreich verteidigte. –
M., der auch das Salzwesen leitete und die Hofstaatskasse verwaltete, erwarb sich große Verdienste durch den Bau des Müllroser Kanals, der Oder und Elbe verbindet und den Hamburger Handel mit Schlesien erleichterte.
Literatur ↑
ADB 20;
H. Stephan,
Gesch. d.
preuß. Post, 1859. C. Brecht, Die
Fam. Matthias, in: Vermischte
Schrr. im Anschluß an d. Berlinische Chronik u. an d.
UB,
Bd. 1, Tafel 4, 1888;
A. Gallitsch, in: Archiv f. Post u. Telegraphie, 1934, S. 189-92
(L);
W. Ortmann, M.
M., in: Archiv f. d. Post- u. Fernmeldewesen, 1.
Jg., 1949, S. 175-78.
Autor ↑
Albert GallitschEmpfohlene Zitierweise ↑
Gallitsch, Albert, „Matthias, Michael“,
in: Neue Deutsche Biographie
16
(1990), S.
412 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd136672191.html