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Matthias I. Corvinus (Mátyás Hunyadi)
König von Ungarn (seit 1458) und Böhmen (seit 1476),
* 23.2.1443 Klausenburg (Siebenbürgen),
† 6.4.1490 Wien.
Genealogie
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Genealogie ↑
Aus d. wallach.
Adelsfam. Hunyadi (1409 erstmals
erw.);
V Johann (János) Hunyadi (vor 1409-56). Ban
v. Szörény 1439.
ungar. Reichsverweser 1446–53;
M Elisabeth (
† um 1483/84),
T d. Ladislaus (László) Szilágyi de Horogszeg, Ban
v. Kroatien, u. d. Katarina de Belyan;
Om Michael Szilágyi (
† 1461),
ungar. Reichsverweser, Ban
v. Kroatien. Slawonien u. Dalmatien;
B Ladislaus (László) Hunyadi (um 1431–57, hingerichtet);
⚭ 1) Ofen 1461 Katharina (1449–64),
T d. Georg
v. Podiebrad (
† 1471),
Kg. v. Böhmen (s.
NDB VI). 2) Buda 1476 Beatrix
v. Aragon (1457–1508),
T d.
Kg. Ferdinand I.
v. Neapel (
† 1494); beide Ehen kinderlos; aus d. Verbindung mit d. Bürgers-
T Barbara Edelpöck (
† 1495) aus Stein/Donau
illeg. S Johann Corvinus (1473–1504),
Hzg. v. Liptau u. Troppau,
Hzg. v. Slawonien 1490–93, Ban
v. Kroatien u. Slawonien 1495–97, 1499-1504 (
⚭ 1496 Beatrix
Gfn. Frangepán,
† 1510).
Leben ↑
Von Johannes Vitéz (
† 1472), dem damaligen Bischof von Wardein, im Geiste des Humanismus erzogen, wurde
M. bereits 1451 mit der Tochter Ulrichs von Cilli, Elisabeth, verlobt, die jedoch bald starb. Nachdem
M. mit seinem Bruder Ladislaus 1457 von der gegnerischen Magnatenliga gefangengenommen und sein Bruder hingerichtet worden war, brachte ihn König Ladislaus V. Postumus nach Prag in Sicherheit. Nach dessen Tod 1457 verlobte der
böhm. Reichsverweser Georg
v. Podiebrad 1461 seine Tochter Katharina mit
M., der nach der Übereinkunft von Szeged zwischen der Hunyadi- und der Garai-Liga am 24.1.1458 zum
ungar. König gewählt wurde. Schon bald gelang es
M., sich gegenüber den alten Gegnern der Hunyadis und insbesondere gegenüber seinem Onkel Michael Szilágyi durchzusetzen, der als Reichsverweser – von den Magnaten bestätigt – den jungen König bevormundete; daraufhin wählten die Garais und Mihály Szilágyi am 17.2.1459 den Onkel des Ladislaus Postumus, Kaiser Friedrich III., in dessen Besitz sich die
ungar. Krone befand, zum König. Mit erfolgreichen Kriegszügen konnte
M. zwar die innenpolitischen Gegner bezwingen sowie einen ersten Erfolg gegen die Türken (1463 bei Jajce) erringen, doch mußte er für die Auslösung der
ungar. Krone das
ungar. Königtum Friedrichs III. anerkennen und dem Haus Habsburg im Vertrag von Wiener Neustadt 1463/64 die Erbfolge in Ungarn zugestehen, falls er ohne männliche legitime Erben sterben sollte.
Nach seiner Krönung in Stuhlweißenburg (29.3.1464) erlitt
M. bei dem Versuch der Rückeroberung von Bosnien eine Niederlage. Er konnte den Aufstand des
siebenbürg. Adels niederschlagen, doch 1467 besiegte ihn Stephan der Große von der Moldau bei dem Versuch, die Moldau wieder als
ungar. Vasallengebiet zurückzuerobern. Von Friedrich III. 1468 zur Verteidigung Österreichs gegen Böhmen zu Hilfe gerufen, gelang es
M. – entgegen den Absichten des Kaisers – Mähren, Schlesien und die beiden Lausitzen zu erobern und sich mit Hilfe der
kath. Ständeopposition in Mähren am 3.5.1469 in Olmütz gegen Georg
v. Podiebrad zum König wählen zu lassen. Nach dessen Tod (1471) konnte sich
M. nicht gegen die Wahl des neuen
böhm. Königs Wladislaw II. (
† 1516), Sohn
Kg. Kasimirs IV. von Polen, durchsetzen, der zusammen mit seinem Vater und Kaiser Friedrich III. eine Koalition gegen Ungarn schloß. Diese Koalition mußte jedoch nach einer Niederlage des
jagiellon. Heeres in Schlesien im Waffenstillstand von Breslau (8.12.1474) de facto die Herrschaft
M.s über die östlichen Kronländer Böhmens anerkennen; dies galt auch für die Hohenzollern, Wettiner und Wittelsbacher, die ihre
böhm. Lehen von
M. bestätigen ließen.
Bevor
M. am 22.12.1476 seine zweite Ehe mit Beatrix von Aragon schloß, aus der er vergeblich einen legitimen Thronerben erwartete, gelang ihm mit der Rückeroberung der an der Save gelegenen Grenzbefestigung Šabac am 15.2.1476 sein letzter großer Sieg gegen die Türken. In der Folgezeit konzentrierte er sich vornehmlich auf die Auseinandersetzung mit Friedrich III., der mit der Anerkennung
Kg. Wladislaws II. als König von Böhmen und Kurfürst des Reiches eine neue
jagiellon.-
habsburg. Allianz gegen Ungarn zustande brachte.
M.s neuerlicher Sieg über die Verbündeten trug ihm im Vertrag von Korneuburg (1.12.1477. von Friedrich III. in Gmunden unterzeichnet) die Anerkennung als
böhm. König durch den Kaiser ein. Dennoch blieb das Verhältnis zwischen Friedrich III. und
M. durch die Flucht des Erzbischofs von Gran, Johann Beckenschlager (
† 1489), an den Hofe des Kaisers (1476) sowie durch die Einmischung
M.s in den Salzburger und Passauer Bistumsstreit weiterhin gespannt, bis
M. 1482 in die Steiermark und Kärnten einfiel sowie größere Teile Niederösterreichs eroberte. Schließlich gelang ihm am 1.6.1485 die Eroberung von Wien, wo er sich, mit dem Titel eines „Herzogs von Österreich“, fortan überwiegend aufhielt, um die Eroberung von ganz Niederösterreich zu leiten. Gegen Ende seiner Regierungszeit versuchte
M. sich des Bruders von Sultan Bayezid II., Cem, als Pressionsmittel gegen die Türken zu bemächtigen, wurde daran jedoch von Venedig und Papst Innozenz VIII. gehindert, in dessen Gefangenschaft Cem lebte. Friedens
|verhandlungen mit Maximilian scheiterten einerseits an den von Friedrich III. hartnäckig vertretenen Thronfolgeplänen in Ungarn, andererseits an den hohen Geldforderungen
M.s für die Rückgabe seiner
österr. Eroberungen sowie den Thronfolgeplänen für seinen illegitimen Sohn Johann Corvin.
In der Innenpolitik gelang
M. ein umfassendes Zentralisationswerk. Zunächst galt es, den Einfluß der Magnaten zurückzudrängen, indem vor allem dem Kleinadel in den Komitaten eine größere Unabhängigkeit von den Magnaten zugesichert wurde. 1486 erreichte er, das Übergewicht des Komitatsadels gegenüber den Magnaten gesetzlich festzulegen. Auch in der
königl. Finanzpolitik wurden die Rechte und Einnahmen der Magnaten, die zahlreiche Regalrechte usurpiert hatten, weitgehend eingeschränkt. Mit zuverlässigen Steuereinziehern, die zum Teil den neugegründeten Universitäten von Buda und Preßburg entstammten, hatte sich
M. die Prärogative der Steuer- und Zolleinziehung gesichert. Insbesondere die allgemeine Besteuerung erreichte in der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit in der Form von Sondersteuern (Portal- und Kopfsteuer) ein ungewöhnlich großes Ausmaß, so daß die Einnahmen am Ende von
M.s Regierungszeit auf jährlich nahezu eine Million Gulden geschätzt werden. In engem Zusammenhang mit der Finanzpolitik und der Zurückdrängung des politischen Einflusses der Magnaten stand die Errichtung eines
ungar. Söldnerheeres, das das Banderialaufgebot ersetzte. Mit Hilfe des
ungar. Patronatsrechts schuf sich
M. durch die Ernennung von Ausländern und Geistlichen aus dem Kleinadel einen loyalen Klerus, den er auch mit zahlreichen innen- und außenpolitischen Aufgaben betraute.
Im Stil der
ital. Renaissance ließ
M. die Höfe in Buda und Visegrád ausbauen, beschäftigte zahlreiche – vor allem italienische – Künstler und legte die „Bibliotheca Corviniana“ als eine der bedeutendsten Handschriftensammlungen seiner Zeit an. Unter seinen Hofhistoriographen ist Antonio Bonfini hervorzuheben, der in der für das Zeitalter
M.s bedeutendsten Quelle „Rerum Ungaricarum decades“ die Herkunft der aus dem Komitatsadel aufgestiegenen Hunyaden in Verbindung mit dem
röm. Adelsgeschlecht der Corvini brachte.
Mit der Zentralisierung des
ungar. Staates war
M. weitgehend die Aufhebung des mittelalterlichen Dualismus zwischen Ständen und Herrscher gelungen. Durch die Konzentrierung seiner Außenpolitik nach Westen wurde der Kampf gegen die Türken vernachlässigt. Wie stark
M.s Politik mit seiner energischen, an den Idealen eines Renaissanceherrschers orientierten Persönlichkeit verbunden war, zeigte nach seinem Tod die Wiedererstarkung der Magnaten und der Zusammenbruch des corvinischen Zentralisationswerkes.
Literatur ↑
W. Fraknói,
M. C.,
Kg. v. Ungarn. 1891;
I. Lukinich (
Hrsg.), Mátyás király emlékkönyv. 2
Bde., 1940;
L. Elekes, Mátyás és kora, 1956;
J. Balogh. művészet Mátyás király udvarában, 2
Bde., 1966;
Cs. Csapodi u. K. Csapodi-Gárdonyi, Bibliotheca Corviniana, 1969,
31982;
T. Klaniczay, Mattia Corvino e l'umanesimo italiano, 1974;
J. Balogh, Die Anfänge d. Renaissance in Ungarn, 1975;
K. Nehring,
M. C., Kaiser Friedrich III. u. d. Reich, 1975,
21989
(L);
M. C. u. d. Renaissance in Ungarn 1458-1541,
Ausst.-kat. Schallaburg, 1982
(L, P);
Gy. Rázsó, Die
Türkenpol. M.s, in: Acta Historica Acad. Scient. Hungariae 32, 1986, S. 3-50.
Portraits ↑
s. J. Balogh, Die Bildnisse d.
Kg. M., in:
Ausst.-
Kat. Schallaburg, 1982, S. 6-16,
Abb. ebd., S. 190-211.
Autor ↑
Karl NehringEmpfohlene Zitierweise ↑
Nehring, Karl, „Matthias I. Corvinus“,
in: Neue Deutsche Biographie
16
(1990), S.
407-409
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118579029.html