<< Abele von und zu Lilienberg, Christoph Ignaz Freiherrr von
Abelinus, Johann Philipp >>
Abele von und zu Lilienberg, Matthias
Jurist und Schriftsteller,
* 17.2.1618 (1616?) Steyr (Oberösterreich),
† 14.11.1677 Steyr (Oberösterreich). (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
⚭ 1) Barbara Katharina Waldter (
† um 1650), 2) 1658 Anna Christina,
T des Eisenindustriellen Sebastian von Pantz, Steyr;
S aus 1) Johann Baptista, berühmter Prediger, aus 2) Johann Christoph, Hofsekretär Leopolds I. in Graz, Erbe seines gleichnamigen
O (1708 Freiherrnstand);
E Franz Josef Maria (
† 1763), kaiserlicher Rat und des Erzherzogtums Steier Landrechtsbeisitzer.
Leben ↑
Bei den Jesuiten in Steyr erzogen, studierte Abele von und zu Lilienberg Philosophie an der Universität Graz, danach Jura in Wien und arbeitete daneben als Schreiber. 1641-43 war er im Auftrag der Stadt Steyr am Wiener Stadtgericht, 1644 wurde er Advokat der niederösterreichischen Regierung, 1646 Stadtschreiber von Krems und Stein und 1648 Sekretär der Innerberger Eisengewerkschaft in Steyr, in deren Interessen er wiederholt Reisen nach Wien, Graz, Prag und Preßburg unternahm. 1652 wurde er durch Vermittlung Ph. Harsdörffers und S. von Birkens als der „Entscheidende“ in die „Fruchtbringende Gesellschaft“ aufgenommen, 1653 Obersekretär der Eisengewerkschaft, 1671 von Kaiser Leopold zum Hofhistoriker und Wirklichen Kaiserlichen Rat ernannt. – Von starker geistiger Beweglichkeit, reich belesen, abenteuerlustig und viel gereist, begann Abele von und zu Lilienberg frühzeitig seine juridischen und persönlichen Kenntnisse und Erfahrungen niederzuschreiben. So ent
|stand, stofflich aus fremden und heimischen Quellen gespeist, in starker Anlehnung an die seit der Renaissance und nun wieder im Barock so beliebten Sammlungen von Geschichten, Anekdoten, Schwänken und moralsatirischen Fabeln das vierbändige Werk „Metamorphosis telae iudicariae, oder Seltzame Gerichts-Händel …" (Linz und Nürnberg 1651–54). Doch zeigt sich in der Behandlung der auch poetischen Vorlagen und erst recht in der Bearbeitung von Fällen aus der Zeit eine gewisse Selbständigkeit, die in ihrer oft derben Fabulierlust den Erzähler des volkstümlichen Barock kennzeichnet. – Beachtenswert als ein einigermaßen originelles Erzeugnis in der literarischen Entwicklung ist Abele von und zu Lilienbergs stark autobiographisch und anekdotisch aufgeschmückte „Flugschriften“-Serie „Vivat oder Künstliche Unordnung …“ (Nürnberg 1669–73), in der er Erlebtes und Erlauschtes, Angelesenes und Erfundenes kunterbunt, geformt und ungeformt, auch versifiziert aneinanderreihte. Er nimmt eine nicht unbedeutende Mittelstellung zwischen J. Fischart, J. M. Moscherosch und Abraham a Sancta Clara ein. Diese Sammlung fand Jahrhunderte später die Anerkennung A. von Arnims, C. Brentanos, J. Grimms, ja sogar von Goethe.
Werke ↑
Verz. in: H. Halm, Volkstüml. Dichtg. im 17.
Jh. (
s. u.)
Literatur ↑
ADB I;
Jöcher I, S. 18 f.;
Goedeke III, 1887, S. 256 u. 265;
Austria,
Österr. Universal-
Kal. f.
d. J. 1853, S. 37 f.;
Der gemeine alte Eisenerztische Berck-Reimen. … 1655,
hrsg. v. K. Mautner, Graz 1919
(Einl. u. Anmerkungen);
H. Halm, Volkstüml. Dichtung im 17.
Jh. I, M. Abele, in:
F z. neueren
Lit.gesch.,
hrsg. v. F. Muncker, 11, 1912;
O. Brunner, Adeliges Landleben u.
europ. Geist, Salzburg 1949, S. 216 f.;
Newald, 1951, S. 378 f.
Autor ↑
Kurt VancsaEmpfohlene Zitierweise ↑
Vancsa, Kurt, „Abele von und zu Lilienberg, Matthias“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
14-15
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118500147.html
Abele von und zu Lilienberg, Matthias
Name: Abele von und zu Lilienberg, Matthias
Namensvariante: Lilienberg, Matthias von und zu
Lebensdaten: vermutlich 1616 oder 1618 bis 1677
Geburtsort: Steyr (Oberösterreich)
Sterbeort: Steyr (Oberösterreich)
Beruf/Lebensstellung: Jurist; Schriftsteller; Bergwerksbeamter
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Vancsa, KurtPND: 118500147