<< Marx, Karl
Marx, Karl >>
Marx, Karl
Komponist,
* 12.11.1897 München,
† 8.5.1985 Stuttgart. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Joseph (1864–1943), Mil.beamter in
M., dann Garnisonsbauschreiber in Nürnberg, später
Mil.-bauregistrator in Ingolstadt,
S d. Seifensiedermeisters Joseph (1826–1910) in
M.;
M Emilie (1862–1932),
T d. Julius Eheberg (1825–96),
bayer. Bahnexpeditor, zeitweilig Hornist, später Leiter e. Männerchores in
M.;
⚭ 1) München 1933 Novema (1906–74),
T d. Heinrich Fellmann (1871–1946), Methodistenmissionar in Raluana (Neupommern, Bismarck-Archipel), u. d. Johanna Claß (1876–1962), 2) München 1976 Else (
* 1914),
T d. Ewald Kothe (1882–1958), Flötist in
M., u. d. Lucie Rost (1891–1986); 3
S aus 1) Peter (
* 1936),
Musikdir. in Biberach/Riß, Klaus (
* 1938),
Prof. f. Violoncello a.
|d.
Univ. Mainz, Günter (
* 1943), 1. Konzertmeister d. Philharmon. Orchesters d. Stadt Dortmund.
Leben ↑
Nach frühem Violinunterricht und ersten Kompositionsversuchen erhielt
M., der bis 1913 in Ingolstadt aufwuchs, eine solide musikalische Grundausbildung am Klavier. Nach dem Abitur in München 1916 begann er ein naturwissenschaftliches Studium, nebenbei bildete er sich autodidaktisch in Harmonielehre und Instrumentation fort. Wegweisend wurde 1917 die Begegnung mit dem um zwei Jahre älteren Carl Orff, aus der eine lebenslange Freundschaft erwuchs. Von
engl. Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, wurde
M. 1919 Orffs erster Schüler; seit 1920 studierte er an der Münchener Akademie der Tonkunst Komposition bei A. Beer-Walbrunn. Sein Chorstudium bei E. Schwickerath wirkte deutlich auf eigene Kompositionen und die spätere Tätigkeit als Chorleiter. Der Unterricht in S.
v. Hauseggers Meisterklasse für Dirigieren brachte ihm vor allem das Werk Bruckners nahe. Die entscheidenden Impulse verdankte
M. jedoch Orff. Insbesondere dessen Abkehr von der überfrachteten spätromantischen Harmonik, seine Neuorientierung auf eine einfache Melodik in großen Linien und die Hinwendung zur Diatonik, zu einer Beschränkung der Mittel, waren für
M. vorbildlich. Die Beschäftigung mit Rilke bestimmte sein Vokalschaffen, zunächst die Klavierlieder (Rilke-Kreis, op. 8, 1920-27).
Nach Studienabschluß und Debüt als Dirigent (1922) war
M. 1924-35 an der Akademie Solorepetitor in der Gesangsklasse des Bassisten F.
v. Kraus; seit 1928 hatte er die Chorleitung im Münchener Bachverein, zunächst bis 1931 unter Edwin Fischer und bis 1933 unter Carl Orff, dann bis 1939 in alleiniger Verantwortung. In dieser Zeit wurde
M. auch als Komponist bekannt, vor allem mit Orchesterwerken. Der Durchbruch gelang ihm mit der Motette „Werkleute sind wir“ (op. 6, 1927) nach Texten aus Rilkes „Stundenbuch“. Nach 1933 sah sich
M. * wie andere Vertreter der „Neuen Musik“
* Diffamierungen der nationalsozialistischen Parteipresse ausgesetzt. In dieser Zeit ergab sich ein engerer Kontakt zur Jugendmusikbewegung, von der er zahlreiche Aufträge erhielt. Lieder und Chöre nach Gedichten von Hermann Claudius bilden den Höhepunkt dieser Schaffensperiode. 1940-44 lehrte er als Dozent für Komposition und Tonsatz an der Hochschule für Musikerziehung in Graz und leitete den Madrigalchor des Steir. Musikschulwerks. Hier vollendete er auch seine große Rilke-Kantate zu Worten aus dem „Stundenbuch“ für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester (op. 43, 1942). Seit 1946 war
M. an der Musikhochschule Stuttgart tätig, 1955 wurde er Leiter der Abteilung Schulmusik (1956 Professor). Ein Hauptwerk seiner mittleren Schaffenszeit ist die Kantate „Und endet doch alles mit Frieden“ nach Worten aus Hölderlins „Hyperion“ für Soli, Chor und Orchester (op. 52, 1952). Neben der Lehrtätigkeit entstanden zahlreiche Beiträge zu Schulbüchern und Liedsammlungen, aber auch theoretische Schriften zu Fragen der Musikpädagogik und der zeitgenössischen Musik sowie historisch-ästhetische und analytische Arbeiten. Seit 1954 war
M. Mitglied des Deutschen Musikrats, seit 1977 in dessen Ehrenrat, seit 1963 Vorsitzender des Musikrats im Verband Deutscher Oratorien- und Kammerchöre. – Aus
M.s späten Werken spricht eine intensivierte Auseinandersetzung mit den Strömungen der Neuen Musik, insbesondere mit der Zwölftontechnik. Freilich lösen sich
M.s Werke nie ganz von der Tonalität, den Kompositionen liegt statt des Tonikadreiklangs ein mehrstimmiger Zentralklang zugrunde. Der diatonisch-modale Stil der frühen Jahre wird zur modalen Panchromatik erweitert
|Auszeichnungen ↑
Musikpreis d. Stadt München (1932); Bundesverdienstkreuz I.
Kl. (1966); Georg-Friedrich-Händel-Ring (1967); Ehrensenator d. Musikhochschule Stuttgart.
Werke ↑
Weitere W Vokalmusik:
Drei gemischte Chöre (Rilke), op. 1,1924;
Rilke-Kreis, f. Mezzosopran u. Kammerorchester, op. 8, 1952 (Originalfassung f. Klavier 1920–27);
Mensch, was du liebst (Silesius), Motette f. zwei Chöre a cappella, op. 12, 1930: Neuer Rilke-Kreis, fünf Gesänge („Buch d. Bilder“) f. mittlere Singstimme u. sechs Instrumente, op. 17, 1931;
Vierzehn Lieder (H. Claudius) f. Singstimme u. Klavier, op. 26, 1936;
Quattuor Carmina Latina (Catull, Horaz), f. gemischten Chor, op. 64, 1966;
Five English Poems (Wordsworth, Anonymus um 1600, L. Hunt, C. Patmore, Longfellow), f. vier gemischte Stimmen, op. 82, 1975/82. Mehr als 50 Lieder u.
ca. 350 weltl. Liedsätze f. Laien;
eine Auswahl
v. 48 Titeln in: Jeden Morgen geht d. Sonne auf, 1964. –
Instrumentalmusik: Konzert f. 2 Violinen u. Orchester a-Moll, op. 5, 1926;
Streichquartett g-Moll, op. 7, 1927;
Konzert f. Klavier u. Orchester e-Moll, op. 9, 1929;
Konzert f. Bratsche u. Orchester c-Moll, op. 10, 1929;
Passacaglia f. Orchester, op. 19, 1932;
Toccata f. d. Orgel, op. 31, 1937;
Divertimento F-Dur f. Flöte, Geige, Bratsche, Violoncello u. Klavier, op. 21 a, 1943;
Kammermusik f. sieben Instrumente, op. 56, 1955;
Fantasia sinfonica (Neufassung), op. 67, 1967;
Fantasia concertante, op. 68, 1972;
Fantasia semiseria, op. 75, 1977;
Trio f. Klavier, Violine u. Violoncello
üb. Gesänge aus d. Südsee, op. 78, 1980.
Literatur ↑
R.
v. Saalfeld, K.
M., s. Schaffen u. s. Bedeutung, in:
Zs. f. Musik 98, 1931, S. 361 ff.;
L. Blumberger,
|in:
Zs. f. Hausmusik 6, 1937, S. 13 ff.;
H.-G. Scholz, Das Chorschaffen
v. K.
M., in: Die Musikpflege 9, 1939, S. 483 ff.
(P);
W. Bollert, in: Musica 2, 1948, S. 272 f.;
F. Oberborbeck, in: Hausmusik 21, 1957, S. 98 ff.;
K. Sydow, in: Musik im Unterricht, 1957, S. 345 f.;
E. Karkoschka (
Hrsg.),
Festschr. K.
M., 1967
(W-Verz., L, Schallplattenverz., P), darin u. a. W. Wöhler, K.
M. – Abriß s. Lebens u. Schaffens, J. F. Doppelbauer, Die a-cappella-Chorwerke,
M. Gümbel, Marginalien
z. Hölderlinkantate op. 52, W. Wöhler,
Anm. z. Instrumentation
M.scher Orchesterwerke, H. Deppert, K.
M.s Aufsätze, Vorträge u. Analysen
(Verz.), K.
M. u. s. Dichter;
E. Karkoschka, Über späte Instrumentalwerke
v. K.
M., in: Musica 26, 1972, S. 542 ff.
(P);
G. Straub, G. Weiß u. J. F. Doppelbauer, K.
M., Komponisten in Bayern III, 1983
(W-Verz., Diskographie, Musikkassette mit Tondokumenten, P), darin u. a. Straub, Leben u. Wirken
v. K.
M., Doppelbauer, Die Werke
v. K.
M.;
The New Grove XI;
MGG VIII;
Riemann, Erg.bd.
Autor ↑
Berthold FellmannEmpfohlene Zitierweise ↑
Fellmann, Berthold, „Marx, Karl“,
in: Neue Deutsche Biographie
16
(1990), S.
344-346
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118731521.html