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NDB-Artikel

<< Marschall, Bernhard     Marschall von Bieberstein. >>

Marschall, Wilhelm

Admiral, * 30.9.1886 Augsburg, 20.3.1976 Mölln. (katholisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Franz (1856–1905), Ing. in A., S d. Landwirts u. Gasthofbes. Wilhelm (1826–93) in Hünfeld b. Fulda u. d. Auguste Malkmus (1826–1913); M Käthe (1850–1916) verw. Rückriem, T d. Wilhelm Rehfeld (1820–91) u. d. Johanna Schremper (1826–1905), beide aus Ruhrort; Fulda 1918 Waltraud (1896–1975), T d. Rudolf Gegenbaur (1859–1913), Rechtsanwalt u. Notar in Fulda, u. d. Therese Arnd (1869–1937); 2 S (1 ), 2 T , u. a. Jürgen (* 1925), Kapitän z. See.

Leben  
M. besuchte das Gymnasium in Augsburg und München und trat 1906 in die Marine ein. Nach verschiedenen Kommandos war er vom Juni 1916 bis 1918 einer der erfolgreichsten U-Boot-Kommandanten im Mittelmeer; 1918 erhielt er den Orden „Pour le mérite“. Nach dem Krieg in die Reichsmarine übernommen, war er nach 1926 längere Zeit als Dezernent der Marineleitung im Reichswehrministerium tätig und wurde 1931 Chef des Stabes der Marinestation Ostsee in Kiel. Als Leiter der Operationsabteilung 1936/37 gelang es M., von Raeder im Stich gelassen, nicht, den Aufbau einer eigenen Marineluftwaffe zu erreichen. Ebensowenig konnte er sich mit dem Vorschlag, die Stelle eines Chefs des Admiralstabs zu schaffen, durchsetzen. Seit Herbst 1937 war M. während des span. Bürgerkrieges Befehlshaber der deutschen Seestreitkräfte in den span. Gewässern. Am 9.2.1938 wurde er Befehlshaber der Panzerschiffe, eine Stellung, die er auch zu Beginn des 2. Weltkrieges innehatte.
Der Schaffung von Marinegruppenkommandos, die im Kriegsfall zwischen den auf See operierenden Streitkräften und der Operationsabteilung des Chefs der Seekriegsleitung geschaltet sein sollten, stand er, wie der Flottenchef Admiral H. Boehm, ablehnend gegenüber. Als Admiral Boehm nach ersten auf diese Befehlsstruktur zurückgehenden Konflikten als Flottenchef zurücktrat, wurde M. am 21.10.1939 sein Nachfolger. Ein erster operativer Vorstoß mit den Schlachtkreuzern gegen die brit. Blockadestreitkräfte bei der Faröer-Shetlandpassage wurde zunächst wegen der Versenkung eines Hilfskreuzers als großer Erfolg angesehen, später jedoch von Großadmiral Raeder scharf kritisiert. M. wies diese Kritik als unberechtigt zurück und warnte vor der in der Seekriegsleitung herrschenden Überschätzung des Materials. An der Norwegenaktion war M. wegen Krankheit nicht beteiligt.
Im Juni 1940 stieß er mit der Flotte gegen die brit. Landungsflotte vor, die sich aus Norwegen zurückziehen wollte (Unternehmen „Juno“). Er versenkte mehrere Schiffe, darunter einen Flugzeugträger. Über die Durchführung des Unternehmens kam es zu einem aufsehenerregenden Konflikt mit Großadmiral Raeder, der M. Mißachtung seiner Weisungen vorwarf und ihn am 8.7.1940 seines Kommandos enthob. Versuche M.s, sich zu rechtfertigen, wurden von Raeder abgelehnt.
Zunächst in Sofia tätig, wurde M. am 15.8.1942 Kommandierender Admiral in Frankreich und am 21. September Oberbefehlshaber des Marinegruppenkommandos West (1.2.1943 Generaladmiral). Am 30.6.1943 aus dem aktiven Dienst entlassen, wurde er am 4.6.1944 als Sonderbevollmächtigter des Führers für die Donau reaktiviert und erhielt am 19.4.1945 wieder das Marinekommando West. - Trotz seiner Konflikte mit Raeder und seiner Vergangenheit als erfolgreicher U-Boot-Kommandant galt M. mit mehreren Altersgenossen als typischer Vertreter der auf Großkampfschiffe ausgerichteten „Raederschen Marine“, der zwar selbst kein Nationalsozialist war, aber Hitler und den Nationalsozialismus völlig falsch einschätzte.

Werke  
Marine, Nationalsozialismus u. Widerstand, Ein Entgegnung zu d. gleichnamigen Abh. v. W. Baum, Marineoffizier, Hilfe-Nachrichten 1963; Vorstoß gegen d. Faröer-Islandpassage, in: Atlant. Welt, 1966; Unternehmen „Juno“, ebd. 1967; Stellungnahme v. Generaladmiral a. D. W. M., Flottenchef bis 8.7.1940, in: Marine Rdsch. 69, 1972, S. 55-79 (Auseinandersetzung mit d. Buch v. Salewski).

Literatur  
W. Hubatsch, „Weserübung“, Die dt. Besetzung v. Dänemark u. Norwegen 1940, 1960; G. Bidlingmaier, Einsatz d. schweren Kriegsmarineeinheiten im ozean. Zufuhrkrieg Sept. 1939 bis Febr. 1942, 1963 (P); M. M. Salewski, Die dt. Seekriegsleitung 1935–45, 3 Bde., 1970/75; H. Schnur, Auftragserteilung u. Auftragsdurchführung b. Unternehmen „Juno“ v. 4.-10.6.1940, in: H. Schnur, R. Martens u. W. Koehler (Hrsg.), Führungsprobleme d. Marine im 2. Weltkrieg, 1973.

Autor  
Karl Otmar Freiherr von Aretin
Empfohlene Zitierweise  

Aretin, Karl Otmar Freiherr von, „Marschall, Wilhelm“, in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 254 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd137934335.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 16 (1990), S. 254

PND: 137934335
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Index

Marschall, Wilhelm

Name: Marschall, Wilhelm
Lebensdaten: 1886 bis 1976
Geburtsort: Augsburg
Sterbeort: Mölln
Beruf/Lebensstellung: Admiral
Konfession: katholisch
Autor NDB: Aretin, Karl Otmar Freiherr von
PND: 137934335

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Marschall, Wilhelm

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