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Marquard, Johann >>
Marquard von Lindau
Franziskaner,
* 1. Hälfte 14. Jahrhundert im Bodenseeraum,
† 13.8.1392.
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Leben ↑
M.s Bedeutung liegt hauptsächlich in seiner Tätigkeit als Autor zahlreicher theologischer und erbaulicher Schriften, die im späten 14. und im 15.
Jh. außerordentlich verbreitet waren. Über seinen Lebensgang sind wir nur schlecht unterrichtet. Sein Heimatkloster war sehr wahrscheinlich Lindau. 1373 ist er als Lesemeister am Studium generale der oberdeutschen Franziskanerprovinz in Straßburg bezeugt, wo er Kontakte mit der Gottesfreundbewegung und mit der Johanniter-Kommende auf dem Grünenwörth gepflegt zu haben scheint. Zwischen 1377 und 1383 läßt er sich mehrmals als Kustos der Konstanzer Kustodie der oberdeutschen Franziskanerprovinz nachweisen. Er war von 1389 bis zu seinem Tode Provinzial der oberdeutschen Provinz. Im Kirchenstreit zwischen Rom und Avignon scheint er die Partei Papst Urbans VI. unterstützt zu haben.
M.s
lat. Schriften scheinen wenigstens teilweise im Kontext seiner Tätigkeit als Lesemeister entstanden zu sein. Das gilt besonders für seine Hauptwerke „De reparatione hominis", „De arca Noe" und die „Johannesauslegung". Die wichtigsten deutschen Werke sind die „Dekalogerklärung" mit dem „Auszug der Kinder Israel", der „Hiob-Traktat“, der „Eucharistie-Traktat“ und die Predigten. Die theologiegeschichtliche Stellung seiner Werke ist noch wenig erforscht. Einflüsse der deutschen Mystik, namentlich Meister Eckharts, Johannes Taulers und Johannes Ruusbroecs, stehen neben Übernahmen aus der Theologie der Kirchenväter und mittelalterlicher Theologen wie Hugo von
St. Viktor und Heinrich von Friemar.
Werke ↑
Ausg.:
Der Eucharistie-Traktat
M.s
v. L.,
hrsg. v. A. J. Hofmann, 1960;
Der Traktat De paupertate
v. M. v. L.,
hrsg. v. J. Hartinger.
Diss. Würzburg 1965;
De Nabuchodonosor.
hrsg. v. R. Horwege.
Diss. Indiana 1971;
De reparatione hominis,
hrsg. v. H.-J. May, 1977;
De praemio patriae,
hrsg. v. dems., in: Mysterium d. Gnade.
Festschr. J. Auer, 1977, S. 342-49;
Der Hiob-Traktat d.
M. v. L.;
hrsg. v. E. Greifenstein, 1979;
Der Hiob-Traktat
M.s
v. L. in
lat. Überlieferung,
hrsg. v. N. F. Palmer, in:
Btrr. z. Gesch. d.
dt. Sprache u.
Lit. 104, 1982, S. 48-83;
De fide,
hrsg. v. K. Ruh, in: Franziskan. Schrifttum II, 1985, S. 290-322;
Dekalogerklärung, Faksimileausgg.,
hrsg. v. J. W. van Maren, 1980 u. 1984.
Literatur ↑
O. Bonmann,
M. v. L. u. s. literar. Nachlaß, in: Franziskan.
Stud. 21,1934, S. 315-43;
E. Gebele, in:
Lebensbild(er) Bayerisch Schwaben VII, 1959, S. 81-124;
A. Ampe,
M. v. L. en de Nederlanden. in: Ons geestelijk erf 34, 1960, S. 374-402;
N. F. Palmer, Latein, Volkssprache, Mischsprache, Zum Sprachproblem
b. M. v. L., mit e.
Hss.verz. d. „Dekalogauslegung“ u. d. „Auszugs d. Kinder Israel“, in: Spätma. geistl.
Lit. in d. Nat.sprache I,
hrsg. v. J. Hogg, 1983, S. 70-110;
Dictionnaire de Spiritualité, d'Ascétique et de Mystique;
Vf.-Lex. d. MA2.
Autor ↑
Nigel F. PalmerEmpfohlene Zitierweise ↑
Palmer, Nigel F., „Marquard von Lindau“,
in: Neue Deutsche Biographie
16
(1990), S.
244
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118578081.html
Marquard von Lindau
Name: Marquard von Lindau
Namensvariante: Marquard
Lebensdaten: erwähnt 1373, gestorben 1392
Beruf/Lebensstellung: Franziskaner
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Palmer, Nigel F.PND: 118578081