<< Mannhardt, Johann Wilhelm
Mannheim, Karl >>
Mannheim, Hermann
Jurist, Kriminologe,
* 26.10.1889 Libau,
† 20.1.1974 Orpington bei London. (israelitisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Wilhelm,
Kaufm. in
L. u. Berlin;
M Clara Marcuse;
⚭ 1919 Mona Mark.
Leben ↑
M. studierte 1908-11 in München, Freiburg
i. Br., Straßburg und Königsberg, wo er 1912 mit der Arbeit „Maßstab der Fahrlässigkeit im Strafrecht“ promovierte. Nach dem Assessorexamen und vierjähriger Kriegsteilnahme war er zunächst in der Verwaltung, dann seit 1923 als Richter am Landgericht Berlin tätig. 1924 habilitierte er sich in Berlin mit der Schrift „Beiträge zur Lehre von der Revision wegen materiellrechtlicher Verstöße im Strafverfahren“. 1929 wurde er in Berlin
ao. Professor für Strafrecht, 1931 Kammergerichtsrat am Kammergericht Berlin. 1933 von den nationalsozialistischen Machthabern entlassen, emigrierte
M. im Januar 1934 nach England; hier fand er eine neue Heimat und ein neues Betätigungsfeld. 1940 wurde er
brit. Staatsbürger. Seit 1935 wirkte
M. als „lecturer“, seit 1946 als „reader“ an der London School of Economics and Political Science. 1953 war er Gastprofessor an den Universitäten von Oregon und Pennsylvania, 1955 wurde er emeritiert.
M.s Hauptarbeitsgebiet war die Kriminologie, die durch sein Wirken (gemeinsam mit Max Grünhut und Leon Radzinowicz) einen großen Aufschwung erlebte und der er über Großbritannien hinaus zu weltweiter Geltung verhalf. Die für ihn in London eingerichtete Dozentur für Kriminologie war die erste im Lande. Über seine akademische Tätigkeit hinaus war
M. an zahlreichen Projekten und Maßnahmen auf den Gebieten der Kriminalstatistik, der Verbrechensverhütung und der Strafvollzugsreform beteiligt. Besonders der Reform des Strafvollzugs bei Jugendlichen widmete
M. wichtige Untersuchungen. Die von ihm vorgeschlagenen Methoden der Sozialprognose bei jugendlichen Straftätern in Reformgefängnissen (Borstals) wurden von der
brit. Regierung übernommen.
M. war Mitbegründer und Direktor des Institute for Study and Treatment of Delinquency, Mitbegründer, Mitherausgeber und Hauptschriftleiter des British Journal of Criminology (1950–66), Herausgeber der Schriftenreihe „The Library of Criminology“, Vizepräsident der Howard League for Penal Reform und Präsident der wissenschaftlichen Kommission der Société Internationale de Criminologie.
M.s bedeutendstes Werk ist die zweibändige „Comparative Criminology“ (1965,
dt. u.
ital. Überss. 1974), eine breitangelegte vergleichende Untersuchung für Großbritannien, Kontinentaleuropa und die USA. Mit dieser Gesamtdarstellung von außergewöhnlichem Rang wurde
M. zum Wegbereiter einer weltweiten Kriminologie
|Auszeichnungen ↑
Dr. iur. h. c. (Utrecht 1957).
Werke ↑
Weitere W u. a.
Presserecht, 1927;
The Dilemma of Penal Reform, 1939;
Social Aspects of Crime in England Between the Wars, 1940;
War and Crime,
|1941;
Young Offenders, 1942 (mit E. C. Rhodes);
Criminal Justice and Social Reconstruction, 1946,
31967;
Juvenile Delinquency in an English Middle-town, 1948;
Group Problems of Crime and Punishment, 1955;
Prediction Methods in Relation to Borstal Training, 1955,
21971 (mit L. T. Wilkins);
Dt. Strafrechtsreform in
engl. Sicht (Aufsätze), 1960;
Sentencing Revisited, in:
Festschr. f. Th. Sellin, 1968;
Rückfall u. Prognose, in:
Hdwb. d.
Kriminol.,
21969;
–
Hrsg.: Pioneers in Criminology, 2
Bde., 1960/72.
Literatur ↑
T. Grygier
u. a. (
Hrsg.), Criminology in Transition, Essays in Honour of H.
M., 1965
(W-Verz.);
H. Göppinger, Juristen
jüd. Abstammung im. Dritten Reich“,
21988;
Th. Würtenberger, in:
Juristenztg. 1964, S. 688, 1969, S. 671;
H. J. Schneider,
ebd. 1974, S. 462;
ders., in:
Mschr. f.
Kriminol. u. Strafrechtsreform 1969, S. 234;
Enc. Jud. 1971;
BHdE II.
Autor ↑
Horst GöppingerEmpfohlene Zitierweise ↑
Göppinger, Horst, „Mannheim, Hermann“,
in: Neue Deutsche Biographie
16
(1990), S.
66 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118781588.html