<< Manderscheid, Johann Graf von Manderscheid-Blankenheim
Mandl, Fritz >>
Manderscheid, Johann Graf von Manderscheid-Blankenheim
Bischof von Wiener Neustadt (1721–33), Erzbischof von Prag (seit 1733),
* 12.6.1676 Blankenheim,
† 26.10.1763 Brzegan bei Prag.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Salentin Ernst (1630–1705);
M (2. Ehe) Christine Elisabeth (1641–92),
T d.
Gf. Georg Albrecht
v. Erbach (1597–1647) u. d. Elisabeth Dorothea
Gfn. zu Hohenlohe (1617–55).
Leben ↑
Seit 1685 gehörte
M. dem Kölner, seit 1695 dem Straßburger Domkapitel an. In Köln bekleidete er seit 1725 das Amt des Dompropstes, im August 1731 wurde er Propst des Stifts
St. Gereon und Erbhofmeister des Kurfürsten Clemens August. 1715 war er einer der drei Kandidaten bei der Neuwahl des Abtes von Stablo-Malmedy. Kaiser Karl VI. erkor ihn 1721 zum Bischof von Wiener Neustadt. 1723 reichte er als Suffragan dem Wiener Erzbischof Sigismund
Gf. Kollonitz das Pallium und hielt bei der Feier die Festpredigt. 1724 hielt der
engl. Botschafter in Wien seine Ernennung zum
kaiserl. Botschafter in Paris für möglich; er lobte ihn als „trés poli et insinuant“. 1730 wurde
M. zum Erzbischof von Palermo berufen, eine offizielle Einführung in Palermo fand jedoch nicht statt; gleichzeitig führte er den Titel eines
kaiserl. Rates. Am 18.12.1733 wurde er Erzbischof von Prag; die Inthronisation im Veitsdom erfolgte am 12.9.1734. In den ersten Jahren seiner Prager Tätigkeit wirkte
M. in aufklärerischem Sinne. Er erließ zahlreiche Rundschreiben gegen abergläubische Gebräuche
|und schrieb vor, wie die Kirchen- und Stiftungsgelder sinnvoll anzulegen seien; die Verwendung von Pauken und Trompeten in den Kirchen wurde verboten. Im 1. Schles. Krieg stellte sich der Erzbischof nach der Einnahme Prags durch
bayer. und
franz. Truppen (November 1741) auf die Seite des
Kf. Karl Albrecht von Bayern. Bei der öffentlichen Huldigung am 19.12.1741 war er zugegen; die Krönung des Kurfürsten zum König von Böhmen durch
M. war geplant. Der Erzbischof hielt gute Beziehungen zu den
franz. Marschällen Broglie und Belleisle. Nach der Kapitulation Prags am 25.12.1742 setzte Maria Theresia eine Untersuchungskommission ein, um das Verhalten
M.s zu klären. Die achtzehn Verteidigungspunkte
M.s wurden jedoch nicht anerkannt. Der Erzbischof mußte zusammen mit dem Domdechanten Martini und dem Dompropst Krzepitzky Prag verlassen; er nahm seinen Wohnsitz in Brzegan unweit Prag. 1743 ordnete Maria Theresia an, daß der Bischof von Olmütz, Jakob Ernst
Gf. v. Liechtenstein, die Krönungszeremonie in Prag vornehmen sollte. 1752 erhielt
M. als Koadjutor Anton Peter
v. Przichowsky-Przichowitz (
† 1793), der 1763 seine Nachfolge antreten sollte. Die Huld des Herrscherhauses hat er nicht wiedererlangen können. –
M., der 1692 an der
Univ. Köln studiert hatte, war geistigen Dingen sehr aufgeschlossen. Er gewann den Historiker Johann Friedrich Schannat für die Abfassung einer fundierten Geschichte seiner Heimat und seiner Familie; die mehrbändige „Eiflia illustrata“ stellt das erste auf Quellenstudium beruhende Werk über Geographie und Geschichte der Eifel dar.
Literatur ↑
A.
v. Arneth, Maria Theresias erste Regierungsjahre I/II, 1863 f.;
Ch.
v. Stramberg, Denkwürdiger u. nützl.
rhein. Antiquarius III, 10, 1864;
A. Frint, Die
Gesch. d. Bischöfe u. Erzbischöfe
v. Prag, 1873;
A. Podlaha, Arcidiecése pražská v době arcibiskupa Jana Mořice Gustava hraběte z Manderscheidu (1734–63) (Die Prager Erzdiözese im
Za. d. Erzbischofs J.
v. M.), in: Časopis katolického duchovenstva 49, 1908, S. 65 ff.;
M. Braubach, Kölner Domherren d. 18.
Jh., in: Zur
Gesch. u. Kunst im Erzbistum Köln,
Festschr. f. W. Neuss, 1960, S. 233-58;
A. Zelenka, Die Wappen d. Prager Bischöfe, in: Tausend J. Bistum Prag, 1974, S. 459 f.;
E. Tomek,
KG Österreichs III, 1979;
Wurzbach 16;
R. Ritzler u. P. Sefrin (
Hrsg.), Hierarchia Catholica V (1667–1730), 1952, VI (1730–99), 1958;
Biogr. Lex. z. Gesch. d.
böhm. Länder II, 1984,
Sp. 560.
Portraits ↑
Ölgem. (Prag, Erzbischöfl. Palais u. Sakristei d. Veitsdomes);
Kupf.,
Abb. in: G. Hesse u. W. Schmitt-Kölzer, Manderscheid,
Gesch. e. Verbandsgemeinde in d.
südl. Vulkaneifel, 1986, S. 113.
Autor ↑
Peter NeuEmpfohlene Zitierweise ↑
Neu, Peter, „Manderscheid, Johann Graf von Manderscheid-Blankenheim“,
in: Neue Deutsche Biographie
16
(1990), S.
15 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd133163148.html