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Breitinger, Johann ]akob >>
Breitinger, Johann Jakob
reformierter Theologe,
* 19.4.1575 Zürich,
† 1.4.1645 Zürich.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Rudolf (1545–81),
S des Hans Jakob (
† 1571), beide Gerber;
Ur-Gvv Jakob (
† 1548,
Vorfahr von Johann Jakob, s. 2), Gerber;
M Anna Brunner;
⚭ Zürich 4.4.1597 Regula,
T des reichen Ratsherrn Heinrich Thomann, aus altem Zürcher Magistratengeschlecht.
Leben ↑
Nach Studien im Reich und in Holland wurde Breitinger 1613 Pfarrer am Großmünster und Antistes der Züricher Kirche. Im Vergleich zu Zwingli und Bullinger ragte er mehr als Erzieher, Fürsorger, Kanzelredner und Kirchenpolitiker hervor denn als schöpferischer Dogmatiker. Andern neugläubigen Bekenntnissen abhold, vertrat er zu Hause und 1618 auf der Synode in Dordrecht streng die Zweite Helvetische Konfession. Bei Volk und Geistlichkeit seines tätigen Christentums wegen beliebt, übte er, gleich Zwingli, starken Einfluß auf die Züricher Staatsgeschäfte aus. Innenpolitisch die bisherige Vorzugsstellung der katholischen Orte mitunter erfolgreich bekämpfend, suchte er anderseits als Haupt der schwedischen Faktion 1632/33 die reformierte Schweiz an der Seite Gustav Adolfs in die Auseinandersetzung der Mächte einzuschalten, was die Eidgenossenschaft beinahe in den Großen Krieg verwickelt hätte. Nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen 1634 zog sich Breitinger auf die rein kirchliche Betätigung zurück.
|Werke ↑
Synodalreden, 1634–43; Dordrechter Generalsynodalakten u. Selbstbiogr., in: Miscellanea Tigurina, 3
Bde., Zürich 1722–24;
Neubearb. d.
NT d. Züricher Bibel, ebenda 1629; Korr.akten, 1596–1645, 23
Bde. (Staatsarchiv Zürich, Antistitialarchiv).
Literatur ↑
ADB III;
J. E. Mörikofer, J. J.
B. u. Zürich, 1873;
F. Gallati, Eidgenöss. Politik
z. Zeit des 30jährigen Krieges, in:
Jb. f. Schweiz.
Gesch.,
Bd. 43, Zürich 1918, S. 110 f.,
Bd. 44, 1919;
L. Haas, Schwedens Politik gegenüber d. Eidgenossenschaft während d. 30jähr. Krieges, in: Schweizer
Btrr. z. Allg. Gesch.,
Bd. 9, Aarau 1951, S. 94 f.;
ders., Der
schwed. Ministerresident Carl Marin, Ein Parteifreund
v. Antistes
B., in:
SchwZG, 1953, H. 1
(L);
PRE;
RGG;
HBLS II;
Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques X,
Sp. 503 f.
Portraits ↑
Ölgem. v. Konr. Meyer (
Zentralbibl. Zürich),
Abb. in: C. Escher, Zürcher Portraits aller
Jh., Basel 1920, I, Tafel 5; Miniaturbildnis
v. Sam. Hofmann,
Abb. in: Kunstdenkmäler d. Schweiz,
Bd. 10, ebenda 1949, Stadt Zürich,
v. H. Hoffmann u. P. Kläui, II, S. 173; Stiche danach
v. D. u. R. Meyer u.
v. H. u. J. Lips.
Autor ↑
Leonhard HaasEmpfohlene Zitierweise ↑
Haas, Leonhard, „Breitinger, Johann Jakob“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
577 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118659952.html
<< Breiting, Herrmann
Breitinger, Johann Jakob >>
Breitinger, Johann Jakob
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Breitinger: Joh. Jakob B., geb. 1575, † 1645, nach sechs gelehrten Nachfolgern Zwingli's in der Leitung der Kirche Zürichs ein nicht auf Gelehrsamkeit gestellter, sondern ganz auf das Leben gerichteter Mann, aber gebildet, vielseitig, muthvoll durchgreifend. Es gab damals keinen zweiten Prediger, welcher mit gleicher Freimüthigkeit so treffend und schlagend die Gebrechen seiner Zeit zu rügen vermochte. Seine Synodalreden sind Fundgruben der Pastoralklugheit und Muster der Berufstreue und würdigster Auffassung des Amtes. Mit gleicher Offenheit wie gegen die Standesgenossen redete er der Obrigkeit mit erschütternder Eindringlichkeit ins Gewissen hinein, z. B. gegen den fremden Kriegsdienst, Mieth und Gaben,. Stellenjägerei, Staatsgutverschleuderung; aber die entrüsteten Rathsglieder wagten nicht gegen den glaubensstarken Volkstribun einzuschreiten, der sich auf das beistimmende Vertrauen seiner Mitbürger stützte. Auch in der Schweiz hatte sich die Reformation mehr in der Lehre, desto
mangelhafter im Leben ausgebildet. Unter
B. ging es entschieden vorwärts: von ihm wurde die Volksschule, die sonntägliche Kinderlehre und der Kirchengesang zu Stadt und Land allgemein durchgeführt; er gab den Anstoß zur Feier des Sonntages in der reformirten Kirche der Schweiz und ordnete eine geregelte Buchführung für die Kirchgemeinden an. Durch seinen Antrieb kamen alljährlich ungewöhnlich reiche Collecten für verfolgte Glaubensgenossen, sowie mehrere, bis heute fortdauernde wohlthätige Stiftungen Zürichs zu Stande.
B., streng an die Lehre der Reformation sich haltend, stand an der Spitze der schweizerischen Abgeordneten bei der Synode von Dortrecht, daselbst nur zu eifrig und einflußreich in buchstäblicher Wahrung der helvetischen Confession.
Literatur ↑
Breitinger's handschriftliche Selbstbiographie (des Druckens werth, aber zu freimüthig, als daß sie in früherer Zeit hätte gedruckt werden dürfen). Miscellanea Tigurina, 1722—1724, 3 Bde. J. E. Mörikofer, J. J. Breitinger u. Zürich. Ein Culturbild a. d. Zeit d. 30jähr. Krieges. 1873.
Autor ↑
Mörikofer.Empfohlene Zitierweise ↑
Mörikofer, „Breitinger, Johann Jakob“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
3
(1876), S.
294-295
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118659952.html?anchor=adb
Breitinger, Johann Jakob
Name: Breitinger, Johann Jakob
Lebensdaten: 1575 bis 1645
Geburtsort: Zürich
Sterbeort: Zürich
Beruf/Lebensstellung: reformierter Theologe
Konfession: reformiert
Autor NDB:
Haas, LeonhardAutor ADB:
MörikoferPND: 118659952