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Albrecht Friedrich Rudolf >>
Albrecht VII. (Albert)
Erzherzog von Österreich,
* 13.11.1559 Wiener Neustadt,
† 15.11.1621 Brüssel.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Maximilian II.;
M Maria,
T Karls V.;
⚭ 18.4.1599 Isabella Clara Eugenia (
† 1633, s.
ADB XIV),
T König Philipps II.
Leben ↑
Seit 1570 lebte Albrecht in Spanien, wurde 1577 Kardinal und Erzbischof von Toledo, 1583 Statthalter in Portugal, 1596 wurde er Statthalter der Niederlande und übernahm hier, nachdem er seine geistlichen Würden niedergelegt und sich vermählt hatte, die Regierung selbständig. Nachdem schon 1598 der Friede zu Vervins mit Frankreich zustande gekommen war, setzte er den Kampf gegen die Generalstaaten fort, bis sich diese nach den Erfolgen A. Spinolas 1609 zu einem zwölfjährigen Waffenstillstand bereit fanden. Obwohl sich eine Zurückgewinnung der nördlichen Provinzen als unmöglich erwies, so brachte seine Regierung doch den südlichen die Segnungen einer längeren Friedensperiode.
Literatur ↑
ADB I;
Biogr. Nat. Belge I, 1866,
Sp. 183 ff.;
H. Pirenne,
Hist. de Belgique IV, 1927.
Portraits ↑
Ölgem. v. P. P. Rubens (Wien, Madrid, Brüssel); Stiche (
Graph. Slg. München).
Autor ↑
Otto BrunnerEmpfohlene Zitierweise ↑
Brunner, Otto, „Albrecht VII.“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
170
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11864436X.html
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Albrecht >>
Albrecht, Albert
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Albrecht: Albert,
Erzherzog von
Oesterreich, sechster Sohn
Kaiser Maximilians II. und der Maria von
Oesterreich, der Tochter Kaiser Karls V.,
geb. zu Wiener Neustadt 13. Nov. 1559, † nach der gewöhnlichen
Angabe 13. oder 15. Juli 1621. Dem
geistlichen Stand bestimmt, ward er zuerst von Busbeck (s. d.)
erzogen, 1570 aber an den Hof seines mütterlichen Oheims Philipps
II. von Spanien geschickt, der ihn sehr
gut aufnahm. Schon 1577 erhielt er vom Papst Gregor XIII. den Cardinalshut und von K. Philipp das
Erzbisthum Toledo, in dessen Leitung er jedoch erst 1594 als
Coadjutor und Primas von Spanien eintrat. Nach Portugals
Unterwerfung durch Alba sandte ihn Philipp 1583 als Vicekönig
dorthin und er bekundete hier so viel staatsmännisches und
militärisches Talent, daß, als nach Erzherzog Ernsts Tode 1595 die
Statthalterschaft der Niederlande anderen Händen anvertraut werden
mußte, Philipp ihn für diese schwierige Aufgabe erwählte. Im
Februar 1596
|traf er über Italien in Brüssel ein und
übernahm die Regierung aus den Händen des Grafen Fuentes. In den
Nordstaaten war unter Wilhelm von Oranien seit 1579 durch die
Utrechter Union der Grund der Unabhängigkeit von Spanien und der
Lostrennung von den Südstaaten gelegt worden. Anfangs wollten auch
Theile des katholischen Südens beitreten; sie zogen sich aber
zurück, als sich der religiöse und politische Charakter der Union
schroffer geltend machte. Auch im Norden wollten sich der Obmacht
von Holland und Utrecht die anderen Provinzen nicht sogleich
fügen; Groningen z. B. ward erst 1598 durch Waffengewalt zum
Beitritt gezwungen. In den Nordstaaten aber, welche den Namen der
Republik der vereinigten Niederlande angenommen hatten, standen
sich 2 Parteien schroff gegenüber: die Orangisten, jetzt unter
Wilhelms zweitem Sohne, Moritz v. Oranien, welche jeder
Nachgiebigkeit gegen Spanien abgeneigt, nur durch Fortsetzung des
Krieges die Freiheit und Macht der jungen Republik mit ihrer
reformirten Kirche sicher stellen zu können glaubten; und die
Oldenbarneveld'sche Partei, welche auf billige Bedingungen
zuvörderst Frieden oder doch längeren Waffenstillstand zu
erreichen trachtete, um auf diesem Wege die Wohlfahrt und die
Kräfte des Landes zu heben. — Neben solchen Schwierigkeiten im
Norden sah sich
A.
nach der anderen Seite dem Kriege mit Frankreich
gegenüber, dessen Fortdauer natürlich seitens der Nordstaaten mit
Genugthuung betrachtet ward.
A.
hatte sich bei seinem Abgang von Spanien nicht nur mit
genügenden Geldmitteln versehen lassen, um dem Soldmangel
abzuhelfen, der die Truppen demoralisirte und dem schon sehr
ausgesogenen Lande schwere Lasten auferlegte, sondern er hatte
auch, um den Nordstaaten sogleich mit einem Act der
Versöhnlichkeit entgegenzutreten, K. Philipp zur Freigebung der
gefangenen niederländ. Marinesoldaten und des seit 1567 gefangenen
Prinzen Philipp v. Nassau — er war der älteste Bruder des Prinzen
Moritz — bewogen. Prinz Philipp ward jedoch seines katholischen
Glaubens wegen in den Niederlanden mit Mißtrauen ausgenommen. Auch
im Uebrigen hielt es für
A.
schwer und dauerte lange, bis er für die Gesinnungen
der Milde und Nachgiebigkeit gegen die Nordstaaten, die er während
seiner ganzen Regierung festzuhalten suchte, einigen Boden
fand.
Den Krieg gegen die Franzosen eröffnete
A.
, sobald er seine Armee reorganisirt hatte, mit Glück;
er nahm Calais, Ardres, Ham und Guines; selbst Amiens fiel durch
List auf kurze Zeit in seine Hände. Am 2. Mai 1598 beendigte aber
der Friede von Vervins den Krieg mit Frankreich. Zu gleicher Zeit
beschloß Philipp II. den Niederlanden eine
äußerliche Selbständigkeit zu geben: er übertrug seine Rechte
daran seiner Tochter Isabella Clara Eugenia, und bestimmte ihre
Hand dem Erzherzog. Nur wenn ihre Ehe unbeerbt bliebe, sollten die
Lande an die Krone Spanien zurückfallen.
A.
legte nach eingegangenem päpstlichem Dispens zu Hal
seinen Cardinalshut nieder, übertrug die Verwaltung der
Niederlande ad interim dem Cardinal Andreas v. Oesterreich, ward
in Ferrara per procura getraut und
(Philipp II. war inzwischen am 13. Sept.
1598 gestorben) am 18. April 1599
mit der Gemahlin verbunden, und kehrte mit ihr im Sept. 1599 nach
Brüssel zurück. Die Erzherzogin war eine Frau von Geist und
Charakter, aber damals schon 32 Jahr alt, was mit Beziehung auf
jenen für den Fall ihrer Kinderlosigkeit festgesetzten Rückfall
der Lande an Spanien besorglich erschien, ja es verlautete sogar,
der Erzherzog bleibe, trotz des Austritts aus dem geistlichen
Stande, seinem priesterlichen Gelübde gegenüber der Gemahlin treu.
Daß ohnehin der spanische Einfluß nach wie vor der bestimmende
blieb, lag in der Natur der Verhältnisse. Inzwischen entbrannte
aber der Krieg mit den Nordstaaten in erneuter Heftigkeit.
Unerwartet war Moritz 1600 bei Nieuwport gelandet, wo ihm
A.
persönlich gegenüber trat; beide entwickelten großes
Feldherrentalent. Moritz behielt die Oberhand, aber
|
A.
, die Einnahme des Städtchens verhindernd, nöthigte ihn
dennoch zur Wiedereinschiffung. 1601 unternahm darauf
A.
jene berühmte Belagerung von Ostende, die, freilich
erst nach 3 Jahren, 3 Monaten und 3 Tagen, wie man berechnete, und
nach furchtbaren Verlusten die Stadt als einen Trümmerhaufen in
seine Hände brachte. Mittlerweile eroberte aber auch Moritz
mehrere Plätze, wie Rijnbeck, Grave in Geldern, Sluis in Flandern,
und Albrechts Truppen schmolzen bedenklich zusammen. Da erschien
1606 Ambrosius Spinola mit einem neuen starken Heer aus Spanien,
worauf Rijnbeck u. a. Orte sogleich wiedergewonnen wurden. —
Allmählich aber begannen auch Albrechts Bemühungen um den
Waffenstillstand in den Nordstaaten bessern Fortgang zu gewinnen.
Er bot ihnen an, mit ihnen zu unterhandeln "in Qualität und sie
für freie Staaten und Provinzen haltend, auf welche sie (A. und
Isabella) nichts prätendiren". Er bot Unterhandlungen über einen
ewigen Frieden, event. einen Waffenstillstand von 20, 15 oder 12
Jahren an. Nach einer vorläufigen Waffenruhe kam es 1609 zum
Abschluß des 12jähr. Waffenstillstands.
A.
benutzte die Zeit der Ruhe, um die durch lange Wirren
und Kriege in allen Theilen des öffentlichen Lebens eingerissenen
Schäden durch eine umsichtige und weise Regierung zu heilen. Bald
sah man auch in Staat und Kirche Ordnung und Zucht wieder
einkehren. Die Wohlfahrt, der Handel hoben sich, Kunst und
Wissenschaft, von großen Namen getragen, blühten überraschend
schnell auf. Mit schwerer Besorgniß sah
A.
dem Ende der 12 Ruhejahre entgegen, um so mehr, als
mittlerweile in Deutschland der Krieg ausgebrochen war. In den
Nordstaaten, wo Oldenbarneveld auf dem Schaffot geendet hatte und
die Orangisten zur vollen Macht gelangt waren, fanden seine neuen
Friedensvorschläge, wie entgegenkommend sie auch sein mochten,
kein Gehör. So begann denn aufs neue der Kriegszustand und ein
spanisches Heer von 30000 Mann sammelte sich zwischen Tongern und
Maestricht. Die den deutschen Parteien gegenüber trotz vielfacher
Unterhandlungen doch dem Schein nach noch bewahrte neutrale
Stellung der Niederlande zeigte sich schon nach beiden Seiten hin
unhaltbar; denn während im Norden Mansfeld einen Einfall machte,
beschwerte sich Tilly in Brüssel über Mangel an Unterstützung.
Diesen wachsenden Sorgen erlag
A.
, unter einem Gichtanfall im Alter von 61 Jahren. Bei
seinem feierlichen Leichenbegängniß in Brüssel zeigte sich eine
allgemeine und aufrichtige Trauer. Ein Fürst von mildem,
wohlwollendem edlen Charakter ist er unbeirrt durch alles, was
seine guten Absichten kreuzte, seinen Grundsätzen stets
unwandelbar treu geblieben.
Miraeus, Elog. Alberti. Ch. D., Historie
d'Albert et Isabella, Liège 1847.
Autor ↑
Alberdingk Thijm.
Empfohlene Zitierweise ↑
Alberdingk, Thijm, „Albrecht, Albert“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
290-291
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11864436X.html?anchor=adb