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Brandsch, Rudolf
rumäniendeutscher Politiker und Staatsmann,
* 22.7.1880 Mediasch (Siebenbürgen),
† Herbst 1953 in einem Gefängnis in Rumänien. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus siebenbürgisch-sächsischer Pfarrerfamilie, der auch der Dialektdichter Simon Gottlieb Brandsch (1773–1852) angehört;
V Heinrich, Pfarrer und Dekan;
M Lotte Jekeli;
⚭ Dora Fabritius; 2
S, 1
T.
Leben ↑
Nach dem Studium der Theologie und Germanistik in Marburg, Klausenburg, Berlin u. Jena wurde Brandsch zunächst Mittelschulprofessor, dann Direktor der Knabenvolksschule in Hermannstadt. Doch schon vom 30. Lebensjahr an widmete er sich ausschließlich der Politik, in der er völlig neue Wege ging. Als Mitglied des ungarischen Abgeordnetenhauses 1910 bis 1918 vertrat er gegenüber seinen nur auf die eigene Stammespolitik bedachten sächsischen Abgeordnetenkollegen den Gedanken einer „Gemeinbürgschaft aller Deutschen" in Ungarn. So wurde er - ähnlich einem Adam Müller-Guttenbrunn - zum nationalen Erwecker des damals schon stark magyarisierten Donauschwabentums. Durch Edmund Steinacker gewann er auf höherer politischer Ebene Verbindung mit dem Kreis um Erzherzog Franz Ferdinand. - Nach dem Zerfall der Donaumonarchie betrieb er die in Mediasch am 8.1.1919 erfolgte „Anschlußerklärung" der Sachsen an Rumänien, wirkte als Abgeordneter des rumänischen Parlaments 1919-33 und setzte seine Bestrebungen des politischen Zusammenschlusses der deutschen Siedlungsgruppen in Südosteuropa, jetzt innerhalb des rumänischen Staatsverbandes, fort. Er gründete 1919 den „Verband der Deutschen in Groß-Rumänien", der die Siedlungsgebiete Siebenbürgen, Banat, Sathmar, Buchenland, Bessarabien, Dobrudscha und das rumänische Altreich umfaßte. Schon von früher her mit den rumänischen Politikern Alexander Vaida-Voe-vod und Julius Maniu eng befreundet, wurde er von der Regierung Jorga (1931/32) zum Unterstaatssekretär für Volksminderheiten (mit Ministerrang) berufen und erreichte damit die höchste von einem Deutschen bekleidete Staatsstelle in Rumänien. Im weiteren Verfolg seiner politischen Ziele wurde Brandsch Mitbegründer des Europäischen Nationalitätenkongresses und Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Volksgruppen in Europa. - Seine publizistische Tätigkeit stellt ein getreues Spiegelbild seiner politischen dar: sein Hermannstädter Leibblatt war die „Deutsche Tagespost", höheren Ansprüchen dienten die von ihm herausgegebenen „Deutschen Politischen Hefte“; schließlich gab Brandsch ab 1927 noch die angesehene, in Wien erschienene Zeitschrift „Nation und Staat“ zusammen mit Jakob Bleyer, Paul Schiemann und Johannes Schmidt-Wodder heraus.
Literatur ↑
A. Hönig, R.
B. †, in: Südost-Echo,
Jg. 5,
Nr. 1, 19.1.1954;
G. Mergl, R.
B. - das Vorbild, in: Brücke
z. Westen,
Jg. 2,
Nr. 4-5, Jan./Febr. 1954, S. 4-7. -
Zu Simon Gottlieb B.: A. Scheiner, Die Mundart S. G.
B.s, Ein
Btr. z. Mediascher Mundart, 2 T., Hermannstadt 1924.
Autor ↑
Otto FolberthEmpfohlene Zitierweise ↑
Folberth, Otto, „Brandsch, Rudolf“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
529
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118673211.html
Brandsch, Rudolf
Name: Brandsch, Rudolf
Lebensdaten: 1880 bis 1953
Geburtsort: Mediasch (Siebenbürgen)
Sterbeort: in einem Gefängnis in Rumänien
Beruf/Lebensstellung: rumäniendeutscher Politiker; Staatsmann
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Folberth, OttoPND: 118673211