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NDB-Artikel

<< Lucca, Pauline     Lucchesini, Girolamo Marchese >>

Lucka, Emil

Schriftsteller, * 11.5.1877 Wien, 15.12.1941 Wien. (israelitisch bis 1901)


GenealogieLebenWerkeLiteraturNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
Aus. jüd. Kaufm.- u. Fabr.fam. in Prag; V Robert (1840–93), S d. Samuel, Ölfabr. in Prag, Mitbegr. u. Miterhalter d. Dt. Schulver., u. d. Emilie Michelstädter; M Adele Taussig (1854–1923); Verwandter Samuel (1803–91), Dr. med., Badearzt in Marienbad; Cousinen Pauline Lucca (s. 1), Mathilde (1844–1921), Schriftstellerin (Ps. Erich Holm); - Wien 1927 Amalie Wenig ( 1944), T e. Bau-Ing.

Leben  
Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte L. in Wien Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte. Wegen des frühen Todes seines Vaters brach er seine Studien ab und übernahm eine Tätigkeit als Bankbeamter bei der Zentral-Bodenbank, um für seine Mutter und seine drei Schwestern zu sorgen. Er schrieb neben seinem Brotberuf für Zeitungen und Zeitschriften und publizierte kulturkritische und kulturpsychologische Essays sowie Dichtungen und Romane, bis ihm deren Erfolg erlaubte, als freier Schriftsteller zu leben. Neben der Philosophie Kants, über deren Einfluß auf sein Schaffen er in einer „Autobiograph. Skizze“ (Das Literar. Echo 20, 1918, H. 20) berichtet, hat vor allem das Werk des Jugendfreundes Otto Weininger, für den er 1905 eine Verteidigungsschrift verfaßte, auf ihn gewirkt. Er übernahm u. a. Weiningers Antisemitismus, wenn auch in gemäßigter Form. L. hat, einer literarischen Tendenz der Jahrhundertwende folgend, romantische und nationale Töne in sein Werk aufgenommen. Er fühlte sich dem germanischen Wesen und allem Nordischen wahlverwandt und wollte die „deutsche Seele“ wieder mit den ursprünglichen Kräften der Natur verbinden. In seinen späten Werken hat er sich allerdings wieder von dieser „nordischen“ Ideologie distanziert.
Epik und Philosophie verbinden sich in L.s Werk „ohne zueinander in einer Beziehung von Abhängigkeit oder Beeinflussung zu stehen“ (Felix Braun). Eine anfangs zur Lyrik tendierende Prosa (Gaia, 1903, Sternennächte, 1903) wandelte sich allmählich zu einer klassischen, der Objektivität zugewandten Epik (Das Brausen der Berge, 1918, Roman über A. Bruckner, u. d. T. Fremdlinge, 1930); ihre aus Mythos, Geschichte und Zeitgeschichte bezogene Thematik ist ebenso vielfältig wie die Humor und Ironie mit Ernst und Innigkeit verbindende Darstellungsweise. Neben seinen kulturphilosophischen Essays (Die drei Stufen der Erotik, 1913, 151920, engl. 1922; Grenzen der Seele, 1916, erweitert 1919, 12. Tsd. 1922) haben auch L.s Biographie über Otto Weininger (1905, 61921) Dostojewskij (1924), und Michelangelo (1930) Anerkennung gefunden. Seine Theaterstücke wurden nur vereinzelt aufgeführt (Wiener Stadttheater) und konnten sich nicht durchsetzen. Seit 1938 krank, lebte L. von einer bescheidenen Pension der Zentral-Bodenbank. Nach dem Anschluß Österreichs durften seine Bücher nicht mehr erscheinen.

Werke  
Weitere W Psycholog. u. kulturphil. Schrr.: Zur Psychol. d. Philosophierens, in: Preuß. Jbb. 21, 1905, H. 3; Das Problem d. Charakterol., in: Archiv f. d. ges. Psychol. 40, 1908, H. 3 u. 4; Die Phantasie, Eine psychol. Unters., 1908; Urgut d. Menschheit, 1924; Inbrunst u. Düsternis, Ein Bild d. alten Spaniens, 1927; Die Verwandlung d. Menschen, 1934; Die gr. Zeit d. Niederlande, 1936. - Romane: Isolde Weißhand, 1909, 41935; Eine Jungfrau, 1909; Adrian u. Erika, 1910; Heiligenrast, 1918; Fredegundis, 1924; Am Sternenbrunnen, 1925; Tag d. Demut, 1929; Der blutende Berg, 1931; Der Impressario, 1937. - Erzz. u. Novellen: Winland, 1912; Das brennende Jahr, 44 Kriegsanekdoten, 1915; Der Weltkreis, 1918; Ehegeschichten, 1920; Thule,|Eine Sommerfahrt, Novelle, 1920, 21925 (mit Nachwort v. F. Braun); Die steinernen Masken, 1924; Die Jungfernprobe, Novelle, 1926; Die Blumen schweigen, 1929. - Dramat. Schrr.: Beethoven, 1906; Die Verzauberten, 1918; Die Mutter, 1918; Galgenvögel v. Meckmühl, Ein dutzend Schwänke, 1948. |

Nachlass  
Nachlaß: Wien, Stadt- u. Landesbibl., Österr. Nat.bibl. (ungedr. Romane, Erzz., dramat. Schrr.), Dokumentationsstelle f. neuere Österr. Lit. (Susanne Schön-Goller, Biogr. Lucka, ungedr. 2 S.; dies., Ein Licht erlosch, Schilderung d. letzten Tage E. L.s, ungedr.).

Literatur  
F. Servaes, in: Das literar. Echo 20, 1918, Sp. 1205-10; K. Marilaun, Gespräch mit E. L., in: Wiener Journal v. 17.8.1918; St. Zweig, in: Neue Freie Presse v. 12.5.1927; Sammelber. mit Auszügen aus d. Presse z. 50. Geb.tag, in: Die Lit., Juli 1927, S. 58 f.; P. Berger, E. L. im Spiegel d. Kritik, in: Neues Wiener Tagbl. Nr. 129, 1937, S. 10; O. M. Fontana, in: Der Tag v. 12.5.1937, S. 8; Wort in d. Zeit 3, 1957, H. 5, S. 42; G. Pichler, in: Wiener Ztg. v. 20.6.1966; J. Lehner, Stud. z. Verhältnis Otto Weininger - E. L., Hausarbeit aus dt. Philol., neuere Abt., Univ. Wien 1983 (ungedr., Exemplar in Dokumentationsstelle f. neuere Österr. Lit., Wien); Brümmer; Nagl-Zeidler-Castle IV; ÖBL; E. L., Gedächtnisausst. z. 100. Geb.tag d. Dichters u. Philosophen, 17.5. - 8.6.1977, Die Josefstadt, Schr.-R. d. Bezirksmus., 1977 (W-Verz., P); Kosch, Lit.-Lex.3. - Zur Fam.: Stammbaum Lucka, in: Jüd. Archiv, Zs. f. jüd. Museal- u. Buchwesen, Gesch., Volkskde. u. Fam.forschung, hrsg. v. L. Moses, NF 1, 1928, H. ½.

Autor  
Viktor Suchy
Empfohlene Zitierweise  

Suchy, Viktor, „Lucka, Emil“, in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 273 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117261521.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 15 (1987), S.  273 f.
Erwähnungen: 
NDB 15 (1987), S. 272*

PND: 117261521
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Index

Lucka, Emil

Name: Lucka, Emil
Lebensdaten: 1877 bis 1941
Geburtsort: Wien
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Schriftsteller
Konfession: jüdisch; katholisch?
Autor NDB: Suchy, Viktor
PND: 117261521

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Lucka, Emil

PND
117261521

Normdaten
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