Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

ADB-Artikel

<< Boucquet, Johann     Bourbon, Karl >>

Boumann, Ludwig

 LebenAutorZitierweise

Leben  
Boumann: Dr. Ludwig B., ästhetischer Schriftsteller, geb. 20. Febr. 1801 zu Berlin, † daselbst 14. Dec. 1871. Sein Großvater, der aus Holland stammte und den Namen van Boumann führte, war von Friedrich d. Gr. nach Berlin gerufen worden, wo er mehrere Bauten für den König ausführte. Sein Vater war Hauptmann in preußischen Diensten gewesen und erwarb den Adel, den der Sohn aber ablegte, weil er ihm zu der bescheidenen, oft kümmerlichen Stellung, die er als Privatgelehrter einnahm, nicht zu passen schien. Nachdem B. das Gymnasium zum Grauen Kloster in seiner Vaterstadt besucht hatte, vollendete er seine Studien auf der dortigen Universität. Seine Inaugural-Dissertation war eine "Explicatio Spinozismi". Ueber den Platonischen Timäus verfaßte er eine längere lateinische Abhandlung, die sich in seinem Nachlasse vorfindet. Er war ein guter Philologe, auch der neueren Sprachen so sehr Herr, daß er z. B. seinen italienischen Schülern den Hegel auf italienisch zu erklären vermochte. In Gestalt und Kopf erinnerte er an Goethe. Im Gespräch war er lebhaft und voll Humor. Gleichwol führte er, unverheirathet, meistens mitten in der Hauptstadt ein fast einsiedlerisches Leben; bei den möglichst geringen Bedürfnissen bewahrte er einen stets ungetrübten Gleichmuth der Seele. Eine gewisse gelehrte Unbeholfenheit verhinderte ihn zu Amt und Würden zu gelangen. Vermöge harter Entbehrungen wußte er sich allmählich eine werthvolle Bibliothek zu sammeln. In seinem siebenzigsten Lebensjahre wurde er von den Pocken befallen, von denen er sich nicht recht hat erholen können. Ein Gehirnschlag machte plötzlich seinem Leben ein Ende. Sein Stubenwirth, ein Schuster, warf dem vereinsamten Philosophen die Hand voll Erde nach. — B. hat nur wenig geschrieben; er arbeitete langsam. Um so gründlicher und besonnerer ist sein Urtheil. Seine Berichte und Kritiken, besonders ästhetische, sind theils in H. Th. Rötscher's "Jahrbüchern für dramatische Kunst und Litteratur" und "Dramaturgischen Problemen", theils in der philosophischen Zeitschrift "Der Gedanke", in der National- und Spener'schen Zeitung und anderwärts abgedruckt. Sein Briefstil war gewandt und geistreich. Aus dem Englischen übersetzte er das Leben Marlborough's. Auch wurde er von den sieben ursprüglichen Herausgebern und Redactoren der Hegel'schen Werke und Vorlesungen hinzugezogen, um die Anthropologie und Psychologie zu redigiren, eine Aufgabe, die er mit vollkommenster Sachkenntniß löste. Seine letzte Arbeit war eine eingehende Kritik über C. L. Michelet's Rechtsphilosophie ("Naturrecht oder Rechtsphilosophie, als die praktische Philosophie, enthaltend Rechts-, Sitten- und Gesellschaftslehre").

Autor  
Em. Schröder.
Empfohlene Zitierweise  

Schröder, Em., „Boumann, Ludwig“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 210 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd137201648.html?anchor=adb

Quelle/Vorlage: 
ADB 3 (1876), S. 210
Erwähnungen: 
NDB 2 (1955), S. 491*

PND: 137201648
Artikel drucken

Index

Boumann, Ludwig

Name: Boumann, Ludwig
Lebensdaten: 1801 bis 1871
Beruf/Lebensstellung: philosophischer und ästhetischer Schriftsteller
Konfession: reformierter Großvater
Autor ADB: Schröder, Em.
PND: 137201648

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Boumann, Ludwig

PND
137201648

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)

Nachlässe
Kalliope