<< Alardus, Nicolaus
Albanus, Johann August Leberecht >>
Alban, Ernst
Maschinenbauer und Augenarzt,
* 7.2.1791 Neubrandenburg,
† 13.6.1856 Plau (Mecklenburg). (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Samuel Friedrich August Alban (1762–1834), erster Prediger an der
St. Marienkirche zu Neubrandenburg;
M Elisabeth Sophia Juliane (1756–1809),
T des Johann Ernst Spengler, Rektor an der Stadtschule zu Friedland, und der Justina Louisa Sigismundi;
Gvv Johann Jakob Alban, Küster zu Dahlen und Beseritz bei Neubrandenburg;
Gmv Maria Elisabeth Witte.
Leben ↑
Alban studierte erst Theologie, dann Medizin, Physik und Mechanik; in Rostock wurde er ein angesehener Augenarzt (Staroperationen). Gleichzeitig wandte er sich aus innerem Drang der Technik zu und wirkte hier, wenn auch verfrüht, als Konstrukteur von Hochdruckdampfmaschinen und Erfinder von landwirtschaftlichen Maschinen. Die Fabrikationsmöglichkeit für Maschinen (und Kessel) so hoher Drucke (40-60 Atmosphären) war damals noch längst nicht erreicht. Trotzdem gelangen dem hochbegabten, von neuen Ideen überströmenden Manne interessante Versuche und auch kühne, aber sorgfältig durchdachte, oft zukünftige Entwicklungen vorwegnehmende Konstruktionen. Nach der Rückkehr von einer erfolglosen Reise nach England gründete er in Klein-Wehnendorf 1830 die erste mecklenburgische Maschinenfabrik, 1840 ein neues noch heute bestehendes Werk in Plau. Sein theoretisches Werk; „Die Hochdruckdampfmaschine, eine Richtigstellung ihres Wertes“ (1843), ist voll genialer kritischer Gedanken, die freilich wie viele seiner Entwürfe und Ideen zu jener Zeit noch nicht ausgeführt werden konnten und so wieder vergessen wurden. Eine von ihm 1839 erbaute Betriebsmaschine (mit 8 Atmosphären Dampfdruck und schwingendem Zylinder) steht, nach halbhundertjähriger Leistungsdauer, im Münchener Deutschen Museum.
Werke ↑
Weitere W Pogg. III.
Literatur ↑
ADB I; C. Matschoss,
Gesch. d. Dampfmaschine, 1901, S. 411-27;
ders., Entwicklung d. Dampfmaschine I, 1908, S. 428-32;
ders., Dr. E.
A., 1940, in:
Dt. Mus.,
Abhh. u.
Berr.,
Jg. 12, H. 6, S. 31 ff.
(W u. P).
Portraits ↑
Lithogr. nach Zeichnung
v. Fleckert, 1852, in:
Porträtslg.,
Dt. Mus., München.
Autor ↑
Manfred SchröterEmpfohlene Zitierweise ↑
Schröter, Manfred, „Alban, Ernst“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
121
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118644246.html
<< Alarich II.
Albani, Matthias >>
Alban, Ernst
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Alban: Ernst
A.
, Maschinenbauer, geb. 7.
Febr. 1791 zu Neubrandenburg in
Mecklenburg, wo sein Vater Prediger war, † 13. Juni 1856 in Plau. Nachdem er zu Rostock, Berlin und
Greifswald seit 1810 auf Wunsch seines Vaters Theologie, aber seit
1811, der eigenen Neigung folgend, Medicin, Physik und Mechanik
studirt hatte und darauf zu Greifswald promovirt war,
|ging er 1814 nach Göttingen, um unter Langenbeck und
Himly noch Chirurgie und Augenheilkunde zu studiren; 1815
habilitirte er sich in Rostock als praktischer Arzt und
Privatdocent und wurde in Folge vieler glücklicher Curen,
namentlich Staaroperationen, einer der beliebtesten Aerzte der
Stadt; aber getrieben von einem unwiderstehlichen inneren Drange,
der ihn bei den anstrengenden ärztlichen Berufsgeschäften oft die
Nacht zu technischen Studien verwenden ließ, und auf das
lebhafteste angeregt durch die damals in England rasch
fortschreitende Entwickelung der Dampfmaschine, die ihn zu den
verschiedensten Versuchen veranlaßte, ganz eingenommen von der
Erfindung eines neuen Princips der Dampfentwickelung, gab er 1825
seine ärztliche Praxis auf und folgte noch in demselben Jahre
einem Rufe nach England. Er fand aber daselbst nicht die verdiente
Anerkennung, kehrte deshalb 1827 nach Mecklenburg zurück, um sich
1828 und 1829 in ländlicher Stille in Stubbendorf ungestört der
Technologie widmen zu können. Hier in das weitere Studium der
Dampfmaschine vertieft, gewann er zugleich ein warmes Interesse
für die Landwirthschaft und begriff bald den Nutzen, welchen
geeignete Maschinen für Ackerbau und Viehzucht haben müßten.
Deshalb fing er an, auf dem von ihm später erkauften Gute
Wehnendorf bei Tessin Kornsiebe, Häckselmaschinen, dann Roßwerke
und endlich auch Säemaschinen zu bauen, die "Alban'sche
breitwürfige Säemaschine", welche, so originell wie einfach in
ihrer Construction und nutzenbringend im Gebrauch, sich bis heute
der gerechten Bewunderung der Landwirthe aller Länder erfreut. Nur
die Säemaschine ist denn auch bei rasch steigendem Absatz eine
Zeit lang für ihn selbst gewinnbringend geworden. Bald wurde auch
sie vielfach nachgemacht. Vom Großherzog Friedrich Franz und der
mecklenburgischen Regierung aufgemuntert, beschloß
A.
sich unter Ablehnung mancher glänzenden Berufungen
ganz der Hebung der Industrie in seinem engern Vaterlande zu
widmen. Von 1830 bis 1838 fabricirte
A.
in Wehnendorf; von 1838—1840 war er mit der
Maschinenbauanstalt in Güstrow associirt. 1840 etablirte er sich
wieder auf eigene Hand in Plau. Mitten in der Aufregung der
Uebersiedelung dorthin entstand sein Werk über
"Hochdruckmaschine", welches als eines der besten in der
Litteratur über Dampfmaschinen geschätzt wird. Von 1840—1850 baute
dann
A.
noch viele und bedeutende Dampfmaschinen, die bis nach
Reval, Sarepta und Constantinopel gingen. Für Deutschland hat
A.
das Verdienst, dem landwirthschaftlichen
Maschinenwesen überhaupt zuerst Bahn gebrochen zu haben.
Autor ↑
Löbe.
Empfohlene Zitierweise ↑
Löbe, „Alban, Ernst“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
175-176
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118644246.html?anchor=adb
Alban, Ernst
Name: Alban, Ernst
Lebensdaten: 1791 bis 1856
Geburtsort: Neubrandenburg
Sterbeort: Plau (Mecklenburg)
Beruf/Lebensstellung: Maschinenbauer; Augenarzt
Konfession: lutherisch
Autor NDB:
Schröter, ManfredAutor ADB:
LöbePND: 118644246