<< Loë, Walter Freiherr
Loë, Paulus >>
Loë, Clemens Freiherr
Agrarpolitiker,
* 8.3.1866 Adendorf bei Bonn,
† 7.12.1930 Burg Bergerhausen bei Köln.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Friedrich (1820–1907), auf Longenburg u. Hoyendonk,
S d. Friedrich
Gf. (
s. Gen. 1) u. d. Luise
Gfn. Wolff Metternich zur Gracht;
M Mathilde (1839–72),
T d. Victor
Frhr. Waldbott
v. Bassenheim u. d. Ferdinandine Freiin
v. Quernheim;
Ov Felix (s. 1), Walter (s. 2);
Schw Anna (
⚭ Adolf
Frhr. v. Dalwigk zu Lichtenfels. 1860-1924,
preuß. Reg.präs., 1922-24 Vorsitzender d. Landwirtsch.kammer f. d. Rheinprovinz);
Vt Paulus (s. 4); -
⚭ Gimborn 1895 Mathilde (1875–1940),
T d. Egon
Frhr. v. Fürstenberg, auf Gimborn, u. d. Berthe
Gfn. v. Marchant u. Ansembourg; kinderlos.
Leben ↑
Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Bonn, München und Löwen und dem Besuch der Landwirtschaftlichen Akademie in Poppelsdorf
b. Bonn betätigte sich
L. in der Landwirtschaft. Noch als Student amtierte er eineinhalb Jahre als ehrenamtlicher Bürgermeister von Oberkassel, später von Blatzheim. Anfang der 90er Jahre erwarb er das Rittergut Bergerhausen (450 ha) im Kreis Bergheim. Weitere Güter in den Kreisen Geldern (Hoyendonk) und Euskirchen (Ving) gaben
L. die wirtschaftliche Unabhängigkeit, um sich in der Landwirtschaftskammer, im Genossenschaftswesen und vor allem im Rheinischen Bauernverein, dessen Präsidentschaft ihm 1903 gleichsam als Familienerbe zufiel, ganz der wirtschaftspolitischen Interessenwahrnehmung widmen zu können. Der agrarischen Fronde eng verbunden – 1907 unterzeichnete er mit anderen „Nationalkatholiken“ einen Aufruf gegen das Zentrum –, zog
L. 1908 in das
Preuß. Abgeordnetenhaus ein, dem er bis zum Ende der Monarchie angehörte. Der
rhein. Zentrumsparlamentarier
kath.-aristokratischer Prägung war einer der Väter des „Kartells der schaffenden Stände“ (1913). Der agrarische Parteiflügel, der durch die Unterstützung der Sammlungspolitik zur Spaltung der konservativen Kräfte des Zentrums beitrug, war nicht bereit, sich dem Führungsanspruch einer der fortschreitenden Parlamentarisierung und Industrialisierung Rechnung tragenden Generation jüngerer Zentrumsparlamentarier zu beugen. In vorderster Linie bekämpfte er die Reform des
preuß. Dreiklassenwahlrechts. Seine monarchistische Grundüberzeugung hat
L. auch später in der Republik nie verleugnet. Die nahezu völlige Verdrängung des grundbesitzenden Adels aus den Parlamentsfraktionen des Zentrums nach der Revolution 1918/19 –
L. war noch eine Zeitlang Mitglied des Rhein. Provinziallandtages – legte Zündstoff für weitere Konflikte. In einem zähen, stets persönlich und polemisch geführten Abwehrkampf konnte er im agrarischen Vereinswesen eine interessenpolitische Aufsplitterung in Grenzen halten und dem Rhein. Bauernverein die dominierende Stellung sichern, ohne allerdings die agrarischen Bastionen in der Zentrumspartei wiedererlangen zu können.
L., der im Frühjahr 1919 in Verbindung mit Rheinstaatsplanungen gebracht wurde, war nicht bereit, die Zusammenarbeit von Zentrum und Mehrheitssozialdemokratie in Preußen und im Reich zu tolerieren, schreckte aber vor dem Risiko der Gründung einer Landpartei zurück. Mit der
rhein. Parteiführung (W. Marx) lag er in Dauerfehde. In der populistischen Traditionslinie des Rhein. Bauernvereins warb
L., der den Vorwurf einseitiger Klassenpolitik stets zurückwies, für eine „Politik des flachen Landes“ und für die Einbindung des Zentrums in einen „Rechtsblock“. Anläßlich der Reichspräsidentenwahl 1925 verweigerte er jede Unterstützung des Zentrumskandidaten Marx. Ungeachtet der Vereinigung des Rhein. Bauernvereins mit dem Rhein. Landbund (1927/29), die in der Bauernvereinsorganisation überwiegend auf Widerspruch stieß, konnte
L. sein Ziel eines organischen Zusammenschlusses der Landwirtschaft nicht erreichen. Im Kampf um den Vorsitz des genossenschaftlichen Einheitsverbandes unterlag er 1929 A. Hermes.
|Selbst im Rheinland konnte
L. die genossenschaftliche Einheitsorganisation unter seiner Führung nicht voll durchsetzen. Der adelsstolze Autokrat hat als Vorsitzender des Verbandes
rhein. landwirtschaftlicher Genossenschaften (Köln) seit 1899 und als Präsident des Rhein. Bauernvereins seit 1903 sowie in einer Vielzahl von Verbands- und Ehrenämtern der rheinischen Landwirtschaft in über drei Jahrzehnten rastlosen Wirkens seinen Stempel aufgedrückt
|Auszeichnungen ↑
Dr.
h. c. (Landwirtsch. Hochschule Bonn 1928).
Werke ↑
Das Getreidemonopol, Ein
Btr. z. Reichsfinanzpol, nach d. Kriege, 1917;
Die Organisation d. landwirtsch. Berufsstandes, 1917.
Literatur ↑
Nachrufe:
Rhein. Bauer
Nr. 51
v. 20.12.1930
(P);
Köln.
Volksztg. Nr. 624
v. 8.12.1930 (Abendausg.);
Köln.
Ztg. Nr. 670
v. 8.12.1930 (Abendausg.);
- F. Jacobs, Von Schorlemer (…), 1957;
R. Morsey, Die
Dt. Zentrumspartei 1917–23, 1966;
H. Barmeyer, Andreas Hermes u. d. Organisationen d.
dt. Landwirtsch., 1971;
M. Schumacher, Land u.
Pol., Eine
Unters. üb. pol. Parteien u. agrar. Interessen 1914–23, 1978;
K. Reimer, Rheinlandfrage u. Rheinlandbewegung (1918–33), Ein
Btr. z. Gesch. regionalist. Bestrebungen in
Dtld., 1979;
U.
v. Hehl, Wilhelm Marx in d.
pol. Auseinandersetzungen d. Zentrumspartei während d. 1. Weltkrieges, in:
Ann. d.
hist. Ver. f. d. Niederrhein 186, 1983, S. 98-138;
Wenzel;
Rhdb. (P).
Portraits ↑
Phot. in:
GHdA 21.
Autor ↑
Martin SchumacherEmpfohlene Zitierweise ↑
Schumacher, Martin, „Loë, Clemens Freiherr“,
in: Neue Deutsche Biographie
15
(1987), S.
15-16
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd126119295.html