<< Lewinsky, Josef
Lewkowitz, Albert >>
Lewinsohn, Richard (Pseudonym Morus)
Wirtschaftsjournalist, Schriftsteller,
* 23.9.1894 Graudenz,
† 9.4.1968 Madrid.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Salomon,
Ziegeleibes.;
M Monna Brilles.
Leben ↑
L. legte in Berlin das Abitur ab und studierte dann in München, Göttingen, Jena, Bonn und Berlin Medizin und Nationalökonomie. Nach einer Tätigkeit als Feldarzt im 1. Weltkrieg und der Promotion zum
Dr. med. in Berlin (1919) arbeitete er als Arzt und Hygieniker im Sozialreferat der Stadtverwaltung und im Hygieneinstitut der
Univ. Berlin. Seit 1921 schrieb er regelmäßig Beiträge für die „Weltbühne“. 1923 wurde
L. in Berlin zum
Dr. rer. pol. promoviert und wandte sich nun hauptberuflich dem Journalismus und der Schriftstellerei zu. Er arbeitete zunächst für den „Berliner Börsen-Courier“, war dann 1923-25 politischer Redakteur bei der „Vossischen Zeitung“ und anschließend deren Korrespondent in Paris. Seit 1926 leitete er die Wirtschaftsredaktion des Blattes. 1933 mußte
L. emigrieren und ging zunächst nach Paris, wo er vor allem für das von W. Poliakoff gegründete „Pariser Tageblatt“, die Zeitung der linksbürgerlich-liberalen deutschen Emigranten, arbeitete. Im Juni 1936 übernahm
L. als Nachfolger Georg Bernhards die Chefredaktion, doch mußte die Zeitung wenige Tage später ihr Erscheinen einstellen, nachdem Poliakoff – offenbar zu Unrecht – von der politischen Linken Kollaboration mit den Nationalsozialisten vorgeworfen worden war. Im
Sept. 1939 wurde
L. interniert und verbrachte mehrere Monate in einem Lager in Mittelfrankreich. Nach seiner Entlassung ging er nach Brasilien, gründete dort ein Marktforschungsinstitut und die Zeitschrift „Conjuntura Economica“ und wurde Professor für Wirtschaftswissenschaft an der
Univ. Rio de Janeiro. Während der Kriegsjahre war er wirtschaftlicher Berater der brasilian. Regierung. 1952 kehrte
L. nach Frankreich zurück. Er wandte sich nun auch dem Musikjournalismus zu und komponierte eine Oper, deren Held der legendäre
amerikan. Finanzintrigant Jim Fisk ist.
Der weitgereiste, vielseitig interessierte
L. war einer der besten Kenner der Finanz- und Börsenwelt und einer der fruchtbarsten Sachbuchautoren seiner Zeit. Seine mehr als 20 Bücher behandeln zumeist Themen im Grenzbereich von Wirtschaft und Politik und wurden in 19 Sprachen übersetzt. Hohe Auflagen erlebten „
Jüd. Weltfinanz?“ (1925), „Die Umschichtung der
europ. Vermögen" (1925) und „Wie sie groß und reich wurden, Lebensbilder erfolgreicher Männer“ (1927). „Sinn und Unsinn der Börse“ (1933), das
L. gemeinsam mit Franz Pick schrieb, ist das bis heute wohl unterhaltsamste Buch in deutscher Sprache über die Börse
|Auszeichnungen ↑
Ritter d.
franz. Ehrenlegion.
Werke ↑
Weitere W u. a.
Sozialismus u.
Bevölkerungspol., 1922;
Der Mann im Dunkel;
Die
Lebensgesch. Sir Basil Zaharoffs, 1929;
Das Geld in d. Politik, 1930;
Die Welt aus d. Fugen: Amerika in d. Krise, 1934;
Les profits de guerre à travers les siècles, 1935;
La guerre sans mystère, 1941;
Trustes e carteís, 1945.
Literatur ↑
U. Langkau-Alex,
Dt. Emigrationspresse, in:
Internat. Rev. of Social
Hist. 15, 1970,
bes. S. 179-86;
W. Sternfeld u. E. Tiedemann,
Dt. Exillit. 1933-1945, Eine Bio-
Bibliogr.,
21970;
H.-A. Walter,
Dt. Exillit. 1933-1950,
Bd. 4, 1978;
Rhdb. (P);
BHdE II.
Autor ↑
Hans Jaegerergänzt [d. Red.]Empfohlene Zitierweise ↑
Jaeger, Hans, „Lewinsohn, Richard“,
in: Neue Deutsche Biographie
14
(1985), S.
417
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116972327.html
Lewinsohn, Richard
Name: Lewinsohn, Richard
Namensvariante: Morus
Lebensdaten: 1894 bis 1968
Geburtsort: Graudenz
Sterbeort: Madrid
Beruf/Lebensstellung: Wirtschaftsjournalist; Schriftsteller
Konfession: keine Angabe
Autor NDB:
Jaeger, HansPND: 116972327