<< Kortzfleisch, Ida von
Kosch, Wilhelm >>
Korum, Felix (Pseudonym Irenäus Themistor)
Bischof von Trier (seit 1881),
* 2.11.1840 Wickerschweier (Oberelsaß),
† 4.12.1921 Trier.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Theobald (1809–71), Dorfschullehrer, dann Kanzlist in Kolmar;
M Katharina Peccatier (1807–81); 6
Geschw.
Leben ↑
Korum besuchte das bischöfliche Gymnasium (Collège libre) in Kolmar, das Große Seminar in Straßburg und studierte dann 1860-65 bei den Jesuiten in Innsbruck (doctor theologiae), die sein Denken und seine kirchenpolitische Richtung zeitlebens bestimmten. Nach der Priesterweihe in Straßburg 1865 wurde er hier bereits im Januar 1866 Professor der Philosophie am Kleinen Seminar, 1869 Professor für Dogmatik und Exegese am Priesterseminar, 1872 französischer Domprediger am Straßburger Münster und 1880 Münsterpfarrer. Der Einweisung in die Koadjutorstellen in Metz und Straßburg widersetzte er sich. Jedoch ernannte ihn Leo XIII. nach Verzicht des Trierer Domkapitels auf das Wahlrecht am 12.8.1881 zum Bischof von Trier, und schon zwei Tage später wurde er in Rom zum Bischof geweiht. Dieser ersten Beset
|zung eines Bischofstuhls in Preußen während des Kulturkampfs folgte am 30.8.1881 die staatliche Anerkennung. In der Erhebung eines „Altfranzosen“ auf den ältesten deutschen Bischofstuhl sah Korum ein politisches Manöver Bismarcks, um Elsaß-Lothringen und das Zentrum für sich zu gewinnen. Wilhelm I., dessen Kandidat der Freiburger Kirchenhistoriker F. X. Kraus war, wurde die Zustimmung abgelistet. Entgegen der Erwartung Bismarcks wurde Korum nicht zum Vermittler zwischen Rom und Preußen, sondern zum unbeugsam ultramontanen Stimmführer der Mehrheit des deutschen Episkopats gegenüber der preußischen Kirchenpolitik und Verteidiger der kirchlichen Freiheiten. Auch mit den Zentrumsführern und der christlichen Gewerkschaftsbewegung geriet er in manche Fehde. – Mit unermüdlichem Eifer machte sich Korum verdient um den Wiederaufbau der Diözese Trier (mit ⅔ unbesetzten Pfarreien) und formte sie nach seinem Geist. Konvikt und Priesterseminar wurden wiedereröffnet, in Prüm ein Gymnasialkonvikt errichtet und zahlreiche klösterliche Anstalten neubegründet. Der Trierer Dom wurde gründlich restauriert. Das Bistumsmuseum geht auf Korums Anregung zurück.
Als Hauptvertreter einer streng kirchlichen Richtung war Korum ein entschiedener Gegner des Reformkatholizismus. Er forderte – literarisch und in einer Kontroverse – die Rückkehr zu tridentinischen Knabenkonvikten und Priesterseminarien als absolut verbindlich für die Heranbildung des Klerus. Die Pflicht des Maturitätsexamens für Theologiestudierende betrachtete er als Übergriff des Staates. Ein Universitätsstudium hielt er nur für angebracht für besonders befähigte Priester, die ihr Seminarstudium bereits beendet hatten. Mit aller Schärfe bekämpfte er 1900 die Errichtung einer katholisch-theologischen Fakultät an der Universität Straßburg. – Die Ausstellung des heiligen Rocks (1891), die rund 2 Millionen Pilger anzog, brachte ihm scharfe Angriffe von liberaler Seite. Ebenso der sogenannte „Trierer Schulstreit“ (1903), in welchem er die Erteilung des Religionsunterrichts an der simultanen höheren Töchterschule in Trier untersagte, wobei den Eltern katholischer Schülerinnen die Verweigerung der Absolution angedroht wurde. Ministerpräsident Fürst Bülow protestierte scharf dagegen. Nach Vermittlung Kardinal Kopps entschied das päpstliche Staatssekretariat gegen Korum, der daraufhin seine Abdankung erwog. – Obwohl vom französischen Geist geprägt und durch viele Sympathien mit Frankreich verbunden, verwuchs Korum, ein mitreißender Kanzelredner, immer tiefer mit Deutschland und wurde nach 1918 zum entschiedenen Anwalt des deutschen Volkstums gegenüber den französischen Besatzungsbehörden. Separatistische Bestrebungen lehnte er ab und widersetzte sich in Rom mit Erfolg der Errichtung eines von Frankreich angestrebten Saarbistums.
|Auszeichnungen ↑
Verleihung d. Pallium 1916.
Werke ↑
Die Bildung u. Erziehung d. Geistlichen
n. kath. Grundsätzen, 1884,
31904 (
unter Ps., mit B. J. Endres u. L.
v. Hammerstein);
dazu Justinus Friedemann [
d. i. H. Brüll], Die Bildung u. Erziehung d. Geistlichen, Bemerkungen aus Anlaß d. gleichnam.
Schr. d. J. Themistor, 1884;
Friedemann's Vorschläge in
Betr. d. Bildung u. Erziehung d. Geistlichen, 1884
(unter Ps.);
Hirtenbrief …
betr. Ausstellung d.
hl. Rocks, 1891
(mehrere Aufll.);
Wunder u. Gnadenerweise
b. d. Austellung d.
hl. Rocks zu Trier im J. 1891, 1894;
Die
rel. „Reformbestrebungen“ in d. Gegenwart u. d.
kath. Kirche, 1902;
Unerbauliches aus d. Diözese Trier, Darlegungen d. Verhältnisse höherer Töchterschulen in Trier …, 1903;
Das
christl. Familienleben, Hirtenbriefe, 1915.
|Nachlass ↑
Nachlaß: Bistumsarchiv Trier.
Literatur ↑
M. Spahn, in: Elsaß-Lothring.
Jb. 1, 1922, S. 185 f.;
J. Treitz, M. F.
K., Ein Lebens- u. Zeitbild, 1925
(P, unkrit.);
L. Kaas, in:
Staatslex. III,
51923;
H. Schiel, Die Trierer Bischofskandidatur
v. M. F.
K. u. F. X. Kraus, 1955;
C. Weber, Kirchl.
Pol. zw. Rom, Berlin u. Trier 1876–88, 1970.
Portraits ↑
Gem. v. Th. Acht (Trier, Generalvikariat),
Abb. b. Treitz, s.
L.
Autor ↑
Hubert SchielEmpfohlene Zitierweise ↑
Schiel, Hubert, „Korum, Felix“,
in: Neue Deutsche Biographie
12
(1979), S.
605 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118715100.html