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NDB-Artikel

<< Klöckner, Florian     Klöden, Karl Friedrich von >>

Klöckner, Peter

Industrieller, * 9.11.1863 Koblenz, 5.10.1940 Duisburg.


GenealogieLebenAuszeichnungenLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
B Florian (s. 1); - 1) () Lilly Müller (1867–1942), 2) 1911 Hanna verw. Küpper (1882–1949), T d. Kaufm. Johann Manger u. d. Elise Lüthy; 1 T aus 1), 1 S aus 2); 1 Stief-S Helmut Küpper (1904–56), Verleger, 1 Stief-T Anna-Liese ( Dr. Günter Henle, 1899–1979, Vorstandsmitgl. d. Klöckner-Werke AG).

Leben  
Im Bewußtsein seiner Berufung zum Kaufmann verließ Klöckner, 18jährig, wenige Monate vor der Reifeprüfung das Realgymnasium und trat in die Firma Spaeter in Koblenz ein. Hier lernte er den Handel mit Eisen und Erz von Grund auf kennen. In der auf die 3jährige Lehrzeit folgenden Tätigkeit in der „Luxemburger Bergwerks- und Eisenhütten Aktiengesellschaft“ in Burbach gingen kaufmännische Praxis und Arbeit in der Hütte nebeneinander her. In Burbach blieb er 3 Jahre, bis er 1888 zur Firma Spaeter zurückkehrte. In deren Filiale Duisburg vertrieb er Erz und Metalle, seit 1908 als Teilhaber des Geschäftes. Rückblickend hat Klöckner später gesagt: „Vom Jahre 1888 bis zum Jahre 1908, also zwanzig Jahre lang, bin ich für ein fremdes Haus auf der Landstraße gewesen und habe die Produktion von Kneuttingen, Differdingen und Rombach verkauft und die größten Geschäfte getätigt.“ Die Erträge aus dieser Zeit setzten ihn in Stand, Anteile an namhaften Unternehmen zu erwerben. Er begnügte sich nicht damit, deren Aktionär zu sein, sondern griff in die Geschäfts- und Betriebsführung der Werke ein. Er reorganisierte das Eisen- und Stahlwerk Krieger und Compagnie in Hagen-Haspe. Folgenreich wurde seine Berufung in den Aufsichtsrat des „A. Schaaffhausenschen Bankvereins“ in Köln, der in der rheinisch-westfälischen Industrie eine bedeutende Rolle spielte.
|Die festen Besitzverhältnisse im Ruhrgebiet setzten der Erweiterung seines Einflusses hier Grenzen. Klöckner wandte sich nach Lothringen. Im Auftrage des Bankvereins trat er in den Aufsichtsrat des „Lothringer Hüttenvereins“ ein, der in Kneuttingen bei Diedenhofen ein Hüttenwerk betrieb, gestützt auf zwei benachbarte Erzgruben, Aumetz und Friede. Überdies besaß die Gesellschaft die Zeche „General“ bei Bochum. Es gelang Klöckner, der 1908 die Aktien der lothringischen Teilhaber hatte erwerben können, die bis dahin wenig ertragreiche Hütte auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Für diese Gesellschaft erwarb er Aktien der „Königsborn Aktiengesellschaft für Bergbau“, Unna, mit Kohlengruben in Rauxel und Ickern. 1913 übernahm Klöckner den Vorsitz im Aufsichtsrat des Lothringer Hüttenvereins, der nach dem Kriege seinen Sitz nach Castrop-Rauxel verlegte. Den Verlust der Werke in Lothringen wußte Klöckner durch den Erwerb der Aktienmehrheit der „Georgsmarien-Bergwerks- und Hüttenwerke Aktiengesellschaft“ in Osnabrück und den Anschluß des Stahlwerkes in Hagen-Haspe abzugleichen. Am 9.2.1923 wurden die bis dahin unter verschiedenen Namen bestehenden Werke zur „Klöckner-Werke Aktiengesellschaft“, Castrop-Rauxel, zusammengefaßt. Mit einer Kohleförderung von 5 Millionen t im Jahr und einer Eisen- und Stahlproduktion von 140 000 t im Jahr aus 10 Hochöfen gehörte der Konzern zu den größten Gesellschaften dieser Art. Voll Selbstbewußtsein hat Klöckner gesagt, daß er die maßgebenden Entscheidungen beim Aufbau seiner Gesellschaft getroffen habe, „ohne sich mit irgendjemandem darüber zu unterhalten“. Als sich 1926 mehrere große Hüttenwerke zu der „Vereinigten Stahlwerke Aktiengesellschaft“ zusammenschlossen, lehnte er es ab, dieser Gesellschaft beizutreten, obwohl ein solcher Schritt ihm nicht unbeträchtliche finanzielle Vorteile gebracht hätte. Er wollte unabhängig bleiben.
Neben den Hüttenwerken und Zechen der „Klöckner-Werke Aktiengesellschaft“ besaß Klöckner die Aktienmehrheit von mehreren kleinen Werken: „Gewerkschaft Quint“ in der Nähe von Trier, „Eisen- und Drahtindustrie Aktiengesellschaft“ in Düsseldorf, „Fassonwalzwerk Mannstaedt“ in Troisdorf bei Köln und der „Isselburger Hütte Aktiengesellschaft“ in Isselburg. Zu dem Werk am Niederrhein, schon 1794 als Eisenhütte auf dem Vorkommen von Raseneisenerz gegründet, war er als Vertreter von Spaeter in Beziehung getreten. Zum Vertrieb der Erzeugnisse seines Konzerns und als Basis für weitere Unternehmungen gründete Klöckner 1906 mit seinem Bruder Florian die Handelsgesellschaft „Klöckner u. Compagnie“ in Duisburg.
Der Schaaffhausensche Bankverein brachte Klöckner in Verbindung zur eisenverarbeitenden Industrie, unter anderem zur „Maschinenbauanstalt Humboldt Aktiengesellschaft“ in Köln-Kalk. Auf Wunsch der dem Bankverein nahestehenden Familie Langen, damals noch Hauptaktionär der „Gasmotorenfabrik Deutz Aktiengesellschaft“, trat er 1906 in deren Aufsichtsrat ein. Die Familie Langen wünschte einen in der Großindustrie tätigen Berater zu haben. Da die Interessen der Familie nicht einheitlich auf die Motorenfabrik gerichtet waren, gelang es Klöckner, die Aktienmehrheit zu erwerben, so daß er 1924 den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen konnte. Da er gleichzeitig auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der „Maschinenbauanstalt Humboldt Aktiengesellschaft“ in Köln-Kalk innehatte (seit 1915), faßte er den fruchtbaren Gedanken, beide Firmen zu vereinigen. Das Bauprogramm des Werkes Humboldt, neben anderen Fabrikationszweigen auf Maschinen für den Bergbau ausgerichtet, wurde gestrafft. Der früher bedeutende Lokomotivbau wurde 1924 der Lokomotivfabrik Hohenzollern Aktiengesellschaft in Düsseldorf überlassen. Die freiwerdenden Hallen dienten zur Ausdehnung der Motorenfabrik, die 1927 die Herstellung von Ackerschleppern in größerem Ausmaße begann. Klöckner führte 1930 den Zusammenschluß der Maschinenbauanstalt Humboldt Aktiengesellschaft mit der Motorenfabrik Deutz Aktiengesellschaft (einschließlich der mit dieser seit 1921 in Interessengemeinschaft verbundenen Motorenfabrik Oberursel Aktiengesellschaft) herbei. In jenen Jahren wurde auch in Deutz der Dieselmotor zum Fahrzeugmotor entwickelt und in Deutz-Ackerschlepper eingebaut. Um für die Anwendung als Lastkraftwagenantrieb ein eigenes Werk zu haben, wurde 1936 die Firma „C. D. Magirus Aktiengesellschaft“ erworben, die in Ulm Lastkraftwagen und Feuerwehrfahrzeuge herstellte. Der Motorenbau Deutz trat in enge technische Verbindung zu Magirus.
In diesem arbeitsreichen Leben war für öffentliches Wirken keine Zeit geblieben. Politisch stand Klöckner dem Zentrum nahe, nahm aber nur in der Duisburger Stadtverordnetenversammlung am kommunalpolitischen Geschehen Anteil. In den Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn war er 1924 berufen worden. Doch sein Mandat wurde 1933 nicht erneuert. Als es in der Krise der Deutschen Wirtschaft galt, jede Möglichkeit zur Arbeitsbeschaffung auszunutzen, reiste er 1931 mit einer großen Delegation als deren Sprecher nach Moskau. Der Gesamtwert der dann von Rußland erteilten Aufträge betrug rund 2 Milliarden Reichsmark.
Klöckner gehört nicht zu den Pionieren, die Deutschland aus der Agrar- und kleinge|werblichen Wirtschaft zum Industriestaat gemacht haben. Fast keines seiner Werke ist eine eigene ursprüngliche Gründung gewesen. Seine Leistung war es, bestehende, aber nicht organisch in einen sinnvollen Zusammenhang der Industrie eingefügte Firmen in ihrem Bestand durch Zusammenfassung zu sichern und so ihre Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Zahlreiche Gründungen des letzten Viertels des 19. Jahrhunderts waren im Konkurrenzkampf und durch Kriegsfolgen und territoriale Abtretungen in Schwierigkeiten gekommen, die Arbeitsplätze waren gefährdet. Im Wiederaufbau und in der Zusammenfassung zu lebensfähigen, im allgemeinen Interesse wirtschaftlich arbeitenden Unternehmungen sah er auch eine soziale Aufgabe des Unternehmers. In der erfolgreichen Durchführung solcher Konsolidierungen liegt die Bedeutung Klöckners für die deutsche Wirtschaft in jener Epoche.
Klöckner ist oft einseitig als „Sanitätsrat für kranke Werke“ bezeichnet worden. Dies wird aber seiner Zielsetzung und seiner Tatkraft nicht gerecht. Er war mit August Thyssen an der Gründung eines Edelstahlwerkes in Krefeld beteiligt. Zusammen mit der „Wintershall Aktiengesellschaft“ gründete Klöckner 1926 die „Gewerkschaft Victor, Chemische Werke Aktiengesellschaft“, Rauxel, um dort Stickstoff synthetisch aus Kokereigas zu erzeugen. 1938 krönte Klöckner den Aufbau seines Konzerns durch den Anschluß des Kölner Unternehmens mit den Werken in Köln-Deutz, Köln-Kalk, Ulm und Oberursel mittels Organvertrag an die Klöckner-Werke Aktiengesellschaft. Bei dieser Neuorganisation erhielt das bis dahin als „Humboldt-Deutz-Motoren Aktiengesellschaft“ firmierende Unternehmen den Namen „Klöckner-Humboldt-Deutz Aktiengesellschaft“.
Der Wiederaufbau des Konzerns nach 1945 erfolgte unter der Leitung von Klöckners Schwiegersohn Günter Henle, der dem Unternehmen schon seit Klöckners Tod vorgestanden hatte. Es ergab sich sehr bald eine den früheren Verhältnissen nahekommende Ordnung, in der erst 1969 eine wesentliche Änderung dadurch erfolgte, daß eine Anzahl von Zechen auf die Ruhrkohlen Aktiengesellschaft übertragen wurde, an der die Klöckner-Werke Aktiengesellschaft eine entsprechende Beteiligung hält. Mit Rücksicht auf die veränderte Rohstoffversorgung wurde in Nordenham an der Unterweser ein neues Hüttenwerk mit eigener Hafenanlage errichtet. Die Rohstahlproduktion erreichte 1973 3 Millionen t. Die Handelsgesellschaft Klöckner & Compagnie (Eisen, Metalle, Kraftstoffe, Baumaschinen, Verkehrsbetriebe) erreichte einen Außenumsatz von 5 Milliarden DM. Der Umsatz der Klöckner-Humboldt-Deutz Aktiengesellschaft mit Werken in Köln, Ulm, Mainz, Oberursel, Isselburg und Voerde (Dieselmotoren, Ackerschlepper, Lastkraftwagen, Omnibusse, Gasturbinen, Industrieanlagen) betrug 2, 4 Milliarden DM. In der Tatsache, daß Klöckners Unternehmungen nach dem 2. Wellkrieg ihren Rang behauptet und ihren Zusammenhang grundsätzlich gewahrt haben, liegt der beste Beweis für die Tragfähigkeit seiner industriellen Planungen.|

Auszeichnungen  
Dr.-Ing. E.h. (Aachen 1918); KR (1905), GKR (1918).

Literatur  
Klöckners Schlußpunkt, in: Die Bank 31, 1938, S. 1397 f.; J. Reichert, in: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogrr. VII, 1960. S. 85-104 (P: Radierung v. F. Herrmanns, 1933); G. Goldbeck, Kraft f. d. Welt, 100 J. Klöckner-Humboldt-Deutz AG, 1964; G. Herde, Weggenosse d. Jh., 1968; F. Boehme, 175 J. Isselburger Hütte AG, in: ZUG 14, 1969, S. 225-90; Nekr. aus d. rhein.-westfäl. Industriegebiet 1939–51, 1955 (P); Rhdb. (P).

Portraits  
Gem. v. F. Reusing, 1940 (im Bes. d. Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Köln).

Autor  
Gustav Goldbeck
Empfohlene Zitierweise  

Goldbeck, Gustav, „Klöckner, Peter“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 105-107 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118777440.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 105-107
Erwähnungen: 
NDB 13 (1982), S. 230*
NDB 15 (1987), S. 658 in Artikel Magirus, Hermann
NDB 22 (2005), S. 99 in Artikel Rosterg, August

PND: 118777440
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Index

Klöckner, Peter

Name: Klöckner, Peter
Lebensdaten: 1863 bis 1940
Geburtsort: Koblenz
Sterbeort: Duisburg
Beruf/Lebensstellung: Industrieller
Konfession: katholisch
Autor NDB: Goldbeck, Gustav
PND: 118777440

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Klöckner, Peter

PND
118777440

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