<< Lippert, Peter
Lippisch, Alexander >>
Lipphardt, Walther
Hymnologe,
* 14.10.1906 Wiescherhöfen Kreis Hamm (Westfalen),
† 16.1.1981 Frankfurt/Main. (evangelisch, seit 1930 katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Theodor (1877–1948),
Kaufm.,
S d. Landwirts Heinrich u. d. Christiane Bertelmann;
M Maria (1881–1908),
T d. Gerichtsvollziehers Johannes Luh u. d. Karolin Homburg;
⚭ Frankfurt/Main 1931 Anna Maria (
* 1906),
T d.
Kaufm. Karl Zellner u. d. Theresia-Maria Konrad; 4
S, 4
T ,
u. a. Hanns-Rudolf (
* 1934),
Prof. 1. öffentl. Recht u. Kirchenrecht in Heidelberg.
Leben ↑
Nach dem Abitur in Kassel (1926) studierte
L. in Heidelberg (1926/27 und 1928-31) und Freiburg
i. Br. (1927/28) Germanistik, Musikwissenschaft, Geschichte, Philosophie und Latein. Starkes Interesse an
kath. Theologie sowie Kontakte mit der Cusanus-Akademie in Heidelberg und der Abtei Maria-Laach (Abt Ildefons Herwegen) führten 1930 zum Übertritt in die
kath. Kirche. Sein wissenschaftliches Hauptinteresse galt von Anfang an den
lat. und deutschen geistlichen Spielen des Mittelalters und ihrer Musik, dem gregorian. Choral und dem deutschen geistlichen Lied. Mit einer umfangreichen, nur in Teilen publizierten germanistischen und musikwissenschaftlichen Arbeit „Die altdeutschen Marienklagen“ wurde er 1931 in Heidelberg promoviert, und im selben Jahr legte er in Darmstadt die Lehramtsprüfung für den höheren Schuldienst ab. Seit seiner Schulzeit war
L. mit der Jugend- und Singbewegung und seit seiner Studienzeit mit der liturgischen Erneuerungsbewegung (Romano Guardini, Ludwig Wolker) eng verbunden und stellte dafür zahlreiche Ausgaben von Chorsätzen alter Meister und deutschen Liturgiegesängen bereit, von denen viele bis heute in Gebrauch sind, wie das Chor-Liederbuch „Gesellige Zeit“ (I, 1933-76, II, 1936–73).
L.s Pläne für eine Universitätslaufbahn wurden durch die nationalsozialistische Hochschulpolitik vereitelt; so unterrichtete er bis zu seiner Pensionierung 1969 an verschiedenen Gymnasien, seit 1940 in Frankfurt/Main, die Fächer Deutsch, Musik, Geschichte, Latein und Philosophie. An der Musikhochschule in Frankfurt lehrte er seit 1946 Musikgeschichte, Gregorianik und Hymnologie. Für den Hessischen Rundfunk verfaßte er Schulfunksendungen. Daneben entfaltete er eine umfangreiche Forschungs- und Publikationstätigkeit.
Mit gleichgesinnten Freunden gründete
L. 1947 die „Werkgemeinschaft Lied und Musik", deren jährliche Werkwochen von ihm Prägung und starke Impulse erhielten. Er war Gründungsmitglied der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Hymnologie“ (1959) und begann mit K. Ameln und M. Jenny die Herausgabe der umfassenden Quellen-Edition „Das deutsche Kirchenlied“ (I/1, 1975, I/2, 1980); für die Erfassung des vorreformatorischen und des späteren katholischen Kirchenlieds war er der verantwortliche Herausgeber. Seit 1964 arbeitete er am
|neuen
kath. Gesangbuch „Gotteslob“ (1975) und in der „Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut“ mit. Die Zeit nach der Pensionierung widmete
L. ausschließlich seinen hymnologischen Arbeiten, insbesondere der Herausgabe von „Lat. Osterfeiern und Osterspiele“ (6
Bde., 1975–81)
|Auszeichnungen ↑
Dr. theol. h. c. (Graz 1973).
Werke ↑
Weitere W u. a.
Choral u. Pfarrgemeinde, 1936;
Die Weisen d.
lat. Osterspiele, 1948;
Die
Gesch. d. mehrstg. Proprium Missae, 1950;
Joh. Leisentrits Gesangbuch
v. 1567, 1963;
Der
karoling. Tonar
v. Metz, 1965;
Gesangbuchdrucke in Frankfurt/Main vor 1569, 1974;
Hymnolog.
Qu. d. Steiermark u. ihre Erforschung, 1974;
-
Noten-Ausgg.: Zahlr. Chor-Werke
v. Leonhard Lechner, 1926-81;
Ave Maria, dich lobt Musica, e. Marien-Singebuch 1949-63;
Gesangbücher in Faks.: Joh. Leisentrit (1567), 1966;
Nicolaus Beuttner (1602), 1968;
Michael Vehe (1537), 1970.
Literatur ↑
H. Heine, in:
Mitt. d. Arbeitsgemeinschaft f.
mittelrhein. Musikgesch. 23, 1971, S. 269-73
(W);
Ph. Harnoncourt, Laudatio d. Ehrenpromovenden [W.
L.], in: Grazer Univ.reden 13, 1974;
ders., in: Liturg.
Jb. 31, 1981, S. 115-19;
K. Ameln, in:
Jb. f. Liturgik u.
Hymnol. 25, 1981, S. VIII f.;
G. Schuhmacher, in: Musica 35, 1981, S. 198 f.;
F. Kiedl, Liturg. Spiel - Geistl. Gesang, Das
wiss. Werk
v. W.
L., in: Archiv f.
Liturgiewiss. 24, 1982, S. 317-64
(W, P);
The New Grove, 1980, 11;
MGG VIII
(W).
Autor ↑
Philipp HarnoncourtEmpfohlene Zitierweise ↑
Harnoncourt, Philipp, „Lipphardt, Walther“,
in: Neue Deutsche Biographie
14
(1985), S.
661 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118573381.html