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<< Aich, Heinrich     Aichel, Otto >>

Aichel, Johann Santin der Jüngere

Baumeister, * 1667 Prag, 7.12.1723 Prag. (katholisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
Aus einem aus Oberitalien eingewanderten Steinmetzgeschlecht (Santini, Aichl, Eichel, Auchel, Euchel).
V Johann Santin der Ältere (Santini).

Leben  
Aichel ist der Begründer der österreichischen „Barockgotik“. Seine Ausbildung als Maler und Architekt erhielt er in Italien, und es ist anzunehmen, daß er sich mit den Werken F. Borominis vertraut gemacht hat, der ebenfalls in manchen Bauformen auf die Spätgotik zurückgreift. Wohl in Anlehnung an diese Formenwelt gelangt Aichel zu den eigentümlichen Abwandlungen spätgotischer Vorbilder, die in Böhmen noch durch die Arbeiten des Benedikt Ried bereichert wurden. Studienreisen nach England und Holland vervollständigten seine Ausbildung und erweiterten seinen Gesichtskreis. Über seine Tätigkeit als Maler im Sinne etwa der Asam läßt sich nach J. Morper nichts ermitteln. Einige erhaltene Zeichnungen weisen mehr in die Richtung der Architekturmalerei. Frühwerke von Aichel kennen wir nicht. Erst als fertiger Meister tritt er in unseren Gesichtskreis. Fast immer sind seine barocken Kirchen Zentralbauten mit innen konvex, außen konkav geschwungenen Mauern und einer weitgehenden Reduzierung der körperlichen Werte der Wand. Das Stütze-Last-System der Säulenordnung wird zugunsten wanddekorierender Gestaltung aufgegeben und eine Auflösung und Verfeinerung, wie sie die Spätbarockarchitektur erstrebte, erreicht (Kapellen in Plass 1698 und Mlatz 1708–10, Chor der Prokopkirche in Chotaun um 1705). Diese Bauten haben zusammen mit denen von Chr. Dientzenhofer in ihrer Zartheit der Wandformen vorbildlich auf die Entwicklung des böhmisch-mährischen Barocks und darüber hinaus bis nach Sachsen, Bayern und Franken gewirkt. Außer diesen vieleckigen Zentralräumen liebte Aichel Übereckformen mit ihren mannigfachen und bei jedem Schritt wechselnden Aussichten. Im Anschluß an die Wiener Peterskirche des L. von Hildebrandt baute er in Jungfern-Breschan bei Prag 1705 die erste Kirche Böhmens mit über Eck gestellten Türmen. Auch das Schaffen J. B. Fischer von Erlachs hat Aichel stark beeindruckt und angeregt. Seine besondere Vorliebe galt aber der „Barockgotik“, die in dem Umbau der Kirche zu Kladrau bei Pilsen 1717-26 und der Johanneskapelle auf dem grünen Berg in Saar (Mähren) 1719-22 ihren Höhepunkt fand. Aichel ist in diesen Bauten ein genialer Gestalter aller bis ins Kleinste eigenschöpferischen Formen und übernimmt nicht sklavisch wie später das 19. Jahrhundert die Stilelemente einer anderen Epoche. Aichel erfindet völlig neue Zierformen, die aus einer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit der Spätgotik resultieren, und ein Einbinden in die eigene barocke Stilsphäre ermöglichten. Diese barockgotische Bauweise Aichels ist in seiner Zeit eine einmalige Erscheinung geblieben. Mit seinen barocken Baugedanken hat er wesentlich auf den jüngeren Freund K. Dientzenhofer weitergewirkt.

Werke  
Weitere W Westfassade d. Zisterzienser Klosterkirche in Sedletz, 1703; Kirche in Mariensteinitz, 1711–23; Kirche in Tscheliv, 1717–20; Kirche in Seelau, 1712; Propstei des Klosters Freudenthal, 1714; Palais Kolowrat-Thun in Prag, 1716; Benediktinerkirche Raigern/Mähren, 1721; ehem. Zisterzienserkloster in Königsaal b. Prag, 1721.

Literatur  
J. Hlavka, Topographie Böhmens XIV, 1901, XV, 1902; K. M. Swoboda, Prag, Dt. Lande, dt. Kunst, 1941; H. G. Franz, Die Kirchenbauten d. Ch. Dientzenhofer, in: Btrr. zur Gesch. d. Kunst im Sudeten- u. Karpathenraum V, 1942; ders., Die dt. Barockbaukunst Mährens, 1943; ders., Die Klosterkirche Banz u. d. Kirchen B. Neumanns in ihrem Verhältnis z. böhm. Barockbaukunst, in: Ztschr. f. Kunstwiss. I, 1947, S. 54 ff.; ders., Gotik u.Ba|rock im Werk d. J. S. A., in: Wiener Jb. f. Kunst-gesch., Bd. 14, 1950, S. 65-130; D. Frey, Englisches Wesen in d. bildenden Kunst, 1943; H. W. Hegemann, Die dt. Barockbaukunst Böhmens, 1943; ThB (unter Aichl u. Santini).

Autor  
Margarete Braun-Ronsdorf
Empfohlene Zitierweise  

Braun-Ronsdorf, Margarete, „Aichel, Johann Santin der Jüngere“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 115-116 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119030837.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 1 (1953), S. 115-116

PND: 119030837
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Index

Aichel, Johann Santin der Jüngere

Name: Aichel, Johann Santin der Jüngere
Namensvariante: Eichel, Johann Santin der Jüngere
Namensvariante: Aichl, Johann Santin der Jüngere
Namensvariante: Auchel, Johann Santin der Jüngere
Namensvariante: Euchel, Johann Santin der Jüngere
Namensvariante: Santini, Johann Santin der Jüngere
Lebensdaten: 1667 bis 1723
Geburtsort: Prag
Sterbeort: Prag
Beruf/Lebensstellung: Baumeister
Konfession: katholisch
Autor NDB: Braun-Ronsdorf, Margarete
PND: 119030837

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Aichel, Johann Santin der Jüngere

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119030837

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