<< Linnebach, Adolf
Lins >>
Linneborn, Johannes
katholischer Kirchenrechtler,
* 5.3.1867 Hagen bei Allendorf Kreis Arnsberg,
† 22.1.1933 Paderborn.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Anton (1818–1900), Schmied in
H.,
S d. Johannes Augustin u. d. Elisabeth Hennecke;
M Caroline (1830–90),
T d. Christian Gerdes u. d. Eva Neuheuser.
Leben ↑
Nach dem Abitur am Gymnasium in Paderborn studierte
L. an der
phil.-
theol. Lehranstalt Paderborn, der
Univ. Tübingen und der Akademie Münster Philosophie und Theologie. 1891 trat er in das Priesterseminar Paderborn ein; im April 1892 empfing er die Priesterweihe. Die folgenden vier Jahre war er als Missionsvikar in Alsleben/Saale tätig. 1896 wurde er für 3½ Jahre zu Studien an die Akademie Münster beurlaubt. Dort bestand er das Staatsexamen für das höhere Lehramt und wurde 1898 in Geschichte sowie 1899 in Theologie promoviert. Anschließend war er im Schuldienst an den Gymnasien in Paderborn, Münster, Warburg, Arnsberg und wieder in Paderborn. 1908/09 verbrachte er einen einjährigen Studienurlaub am
Preuß. Historischen Institut zu Rom. Im April 1910 wurde er zum Professor des Kirchenrechts an der
Phil.-
Theol. Akademie Paderborn ernannt. Im Herbst 1918 nahm er einen Ruf als Kirchenrechtler an der
Univ. Bonn an, schied aber schon im Mai 1919 aus dem Beamtenverhältnis aus, da er keine angemessene Wohnung finden konnte. Die Paderborner Stelle war inzwischen anderweitig besetzt;
L. übernahm sie indes 1921/22 noch einmal vertretungsweise. Im März 1919 wurde er Kanonikus an der Domkirche Paderborn, im Juli 1919 Geistlicher Rat im Bischöfl. Generalvikariat, Anfang 1920 Bischöfl. Offizial und im
Febr. 1922 Dompropst. Im
Aug. 1925 zog er als im Wahlkreis Westfalen-Süd gewählter Abgeordneter der Deutschen Zentrumspartei in den
preuß. Landtag ein, in dem er (seit 1928 für Westfalen-Nord) bis zu seinem Tode blieb. In der Zentrumsfraktion trat
L. als deren kirchenpolitischer Sprecher, vor allem in Fragen des Vermögens- und des Steuerrechts, hervor. An dem Zustandekommen des
Preuß. Konkordats (1929) war er maßgeblich beteiligt. Den Politiker
L. kennzeichneten ein ausgeprägter Sinn für Realitäten und rasche Entschlußfähigkeit. Das Interesse des Historikers galt vorwiegend der westfälischen Geschichte und der Zeit der Vorreformation. Dies führte 1909 zu seiner Wahl zum Vorsitzenden des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalen
Abt. Paderborn. Seine bedeutendste Leistung als Kirchenrechtler war der „Grundriß des Eherechts“ (1919
u. ö.). Als Dompropst leitete er die Renovierung der Paderborner Kathedrale in die Wege. Kirchliche Verwaltungsgeschäfte und Prozesse (vor allem von Kirchengemeinden gegen den Fiskus um Dotationsansprüche aus der Säkularisation) nahmen ihn stark in Anspruch. –
Apostol. Protonotar (1924).
Werke ↑
Weitere W. u. a.
Der Zustand d.
westfäl. Benediktinerklöster in d. letzten 50 J. vor ihrem Anschlusse an d. Bursfelder Kongregation, in:
Zs. f. vaterländ.
Gesch. u.
Altertumskde. (Westfalens) 56, 1898, 1.
Abt., S.1-64;
Die
Ref. d.
westfäl. Benediktinerklöster im 15.
Jh. durch d. Bursfelder Kongregation,
Diss. Münster 1899;
Die
westfäl. Klöster d. Cistercienserordens bis
z. 15.
Jh., in: J.
L. (
Hrsg.), Festgabe, H. Finke
z. 7.8.1904, S. 253-352;
Die Kirchenbaupflicht d. Zehntbesitzer im früheren
Hzgt. Westfalen, 1915;
Die kirchl. Baulast im
ehem. Fürstbistum Paderborn rechtsgeschichtl.
dargest., 1917;
Inventar d. Archivs d. Bischöfl. Generalvikariats zu Paderborn, 1920;
Inventare d. nichtstaatl. Archive d.
Kr. Paderborn, 1923;
Kirchenpol., in: A. Schmedding (
Bearb. u.
Hrsg.),
Jb. d.
Preuß. Zentrumsfraktion 1925, 1926, S. 9-49;
A. Schmedding u. J.
L. (
Hrsg.), Die Erhebung
v. Kirchensteuern in d.
kath. Kirchengemeinden, Gemeindeverbänden u. Diözesen, Kommentar zu d. Gesetzen
v. 14.7.1905 u. 3.5.1929,
erg. u. neubearb.
Aufl., 1929;
Zentrum u. Preußenkonkordat, in: K. A. Schulte (
Hrsg.), Nationale Arbeit, Das Zentrum u. s. Wirken in d.
dt. Republik, 1929, S. 225-34
(P);
Die
Kirchenpol. d. Zentrums,
ebd., S. 192-224;
Kirchl. Finanzwesen in Preußen, in:
Staatslex. III,
51926-32, S. 317-50;
Patronatsrecht,
ebd. IV, S. 87-98.
Literatur ↑
A. Herte, in:
Theol. u. Glaube 25, 1933, S. 133-41;
N. Hilling, in: Archiv f.
kath. Kirchenrecht 113, 1933, S. 500-05;
H. E. Feine, in:
ZSRGK. 22, 1933, S. 468;
G. May, Ludwig Kaas, Der Priester, d. Politiker u. d. Gelehrte aus d. Schule
v. Ulrich Stutz, 3
Bde., 1981 f.,
bes. I, S. 109-12, II, S. 403 f., S. 409-11;
A. u. Cl. Linneborn,
Gesch. d. Hagener Zweigs d.
Fam. Linneborn, 1981
(P);
Kosch, Kath. Dtld.;
LThK2.
Portraits ↑
Hdb. f. d.
Preuß. Landtag,
Ausg. f. d. 4. Wahlperiode (
v. 1932 ab),
hrsg. v. E. Kienast, 1932, S. 540.
Autor ↑
Georg MayEmpfohlene Zitierweise ↑
May, Georg, „Linneborn, Johannes“,
in: Neue Deutsche Biographie
14
(1985), S.
633 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd117035513.html