<< Ahrens, Wilhelm Ernst Martin Georg
Aich,von >>
Aiblinger, Johann Kaspar
katholischer Kirchenmusiker,
* 23.2.1779 Wasserburg/Inn,
† 6.5.1867 München.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Lorenz Äblinger (1743–1828), bürgerlicher Fragner in Wasserburg;
M Klara (
† 1834),
T des Josef Ainhart, Bürger und Gärtner in Konstanz;
Gvv Dominikus Äblinger, Schneider in Bergham.
Leben ↑
Aiblinger war Musikschüler von J. Schlett in München und in Bergamo 1802 von Simon Mayr; er hielt sich bis 1819 in Italien auf - 1803-11 in Vicenza, anschließend in Mailand - und wirkte seitdem in München, anfangs als Kapellmeister an der „Italienischen Oper“ und seit 1826 als Hofkapellmeister am königlichen Hof- und Nationaltheater, später an der 1837 vollendeten Allerheiligen-Hofkirche. Außer einigen Opern und Balletten komponierte er Kirchenmusik: Messen, Offertorien und Vespern. Seine Bedeutung liegt vor allem auf dem Gebiete der kirchenmusikalischen Restaurations- Bewegung.
Werke ↑
Weitere W Requiems; Marienlieder (nach Texten
v. J. Görres); Rodrigo u. Chimène, Oper, München 1821;
s.a. MGG.
Literatur ↑
ADB I;
P. Hötzl, Zum Gedächtnis
A.s, 1867;
L. Schiedermair, Aus
A.s
ital. Briefwechsel, in: Kirchenmusikal.
Jb., 24, 1911 u. Musica sacra, 46, 1913;
B.
A. Wallner. Zum 50. Todestag
A.s, ebenda, 50, 1917;
J. K.
A.s Reisetagebuch 1833, in: Heimat am Inn, 1929,
Nr. 5, 6, 8, 12, 13;
O. Ursprung, Die
kath. Kirchenmusik, 1931;
Riemann;
O. Ursprung, in:
MGG;
Enc. Catt. I, 1949.
Autor ↑
Walter GerstenbergEmpfohlene Zitierweise ↑
Gerstenberg, Walter, „Aiblinger, Johann Kaspar“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
114
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118868306.html
<< Ahuys, Heinrich
Aich, Arnd von >>
Aiblinger, Johann Caspar
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Aiblinger: Johann Caspar
A.
, Capellmeister und Componist, geb. zu Wasserburg in Baiern 23. Febr. 1779, † 6.
Mai 1867. Als elfjähriger Knabe kam er nach Tegernsee zu
den Benedictinern auf die lateinische Schule, wo auch seine schon
früher zu Tage getretenen musikalischen Anlagen Pflege und Nahrung
fanden. Eigentliche musikalische Ausbildung erhielt er aber erst
auf dem darauf bezogenen Gymnasium zu München, durch den Professor
Jos. Schlett, damaligen Organisten an der St. Michaelshofkirche,
welcher die Zöglinge des Seminars in Generalbaß und Composition zu
unterrichten hatte. Es war nämlich dies Seminar 1473 von Herzog
Albert V. blos für Studirende, welche zu
Musikern erzogen werden sollten, gestiftet worden. 1800 ging
A.
auf die Universität Landshut um Theologie zu studiren
und dann als
Ordenspriester in die Abtei Polling einzutreten. Die 1803 erfolgte
Säcularisation der Klöster veranlaßte ihn jedoch, ganz zur Musik
überzugehen. Er zog nach Italien, lebte 8 Jahre zu Vicenza und
siedelte 1811 nach Venedig über, wo er 1817 in Verbindung mit dem
Abbate Gregorio Trentino den Verein "Odeon" gründete. Derselbe
sollte für Musikliebhaber einen Vereinigungspunkt bilden, um durch
Ausführung der classischen Werke eines Marcello, Leo, Pergolese,
Jomelli, Valotti, Gluck, Mozart und anderer großen Meister ihre
Ideen über die Kunst zu bereichern, ihren Geschmack zu bilden und
ihre Technik zu fördern (s. Leipziger allgem. Musikzeitung XIX. 865). Doch hielt das verdienstliche
Unternehmen nicht lange Stand gegen den verwahrlosten Geschmack
der Italiener. Im Carneval 1819 wurde
A.
vom Balletmeister Vigano nach Mailand berufen, um die
Musik zu fünf neuen Balleten zu componiren; doch setzte er nur die
Musik zum ersten, "Bianca", und zum
zweiten Acte von "I Titani", löste dann
seinen Contract mit Vigano und kehrte alsbald wieder nach
Deutschland und in seine Vaterstadt zurück. Als hier Königin
Karoline den Entschluß gefaßt hatte, eine italienische Oper an
ihrem Hofe zu gründen, wurde 1819
A.
mit dem Balletmeister Friedrich Horschelt nach Italien
geschickt, um namentlich Sängerinnen dafür zu gewinnen; in der
That bewog er die meisten der damals bewunderten italienischen
Sängerinnen zum Auftreten in München, deren Einfluß dort auch z.
B. in der Schechner fortwirkte.
A.
wurde nun Maestro bei dieser neuen italienischen Oper;
allein er gerieth bald in Zwistigkeiten mit dem Sängerpersonale,
welche ihm seine Stellung vollständig verleideten. Der König
ernannte ihn deshalb 1825 zum Vicecapellmeister und 9. Nov. 1826
zum wirklichen Capellmeister seiner deutschen Hofmusik. Seit 1816
hatte der damalige Organist an der St. Michaelshofkirche Casp. Ett
in Verbindung mit seinem Freunde dem Hofcapellmeister Schmid die
classische Musik des 16. Jahrhunderts in seiner Kirche dem
erstaunten Publikum wieder vorzuführen angefangen; Publikum und
Hof nahmen an dieser Erscheinung gleich freudigen Antheil,
namentlich auch der Kronprinz, später König Max II. Dieser wollte seinen ehemaligen
Musiklehrer und Ett nach Italien senden, um von den Schätzen jener
längstvergangenen Zeit so viel als möglich wieder aufzusuchen. Ett
aber, der von seinen musikalischen Lectionen nur spärlich lebte,
konnte sich von seinen Schülern nicht trennen, und schlug deshalb
dem Kronprinzen
A.
vor, der in Italien ausgebreitete Bekanntschaft besaß.
A.
ging also 1833 wieder nach Italien und brachte von da
manches Interessante zurück, das in der Münchener Staatsbibliothek
bewahrt wird.
A.
hatte die Direction der eigentlichen Hofcapelle
übernommen, während Capellmeister Stunz und Director Moralt die
Oper im Hoftheater zu dirigiren hatten. Da in der neuen von Klenze
1826 erbauten Allerheiligen-Hofkirche Instrumentalmusik nicht
wirkte, wurden nun dort classische Vocalwerke eingebürgert, um
deren vollendete Aufführung sich
A.
die größten Verdienste erwarb, und denen er auch seine
ganze Thätigkeit widmete, bis die Kräfte des nahezu 80jährigen
Mannes wichen.
Als Componist hat sich
A.
in Italien herangebildet. Als er nach München
zurückkehrte, wurde ihm der Antrag gemacht, eine Oper zu
componiren. Er wählte einen heroisch romantischen Text "Roderigo e Chimene". Die Oper erlebte aber
nur eine Aufführung. Nach einem gleichzeitigen Berichte in der
Allgemeinen musik. Zeitung (von seinem Lehrer Prof. Schlett
verfaßt) hatten nur die Chöre Werth, im übrigen war die Oper bei
großer Länge arm an Melodie und eigenen Gedanken, voll von
auffälligen Reminiscenzen an Mozart etc. in der Harmonie und
Instrumentirung stark überladen u. s. f. Obwol
A.
die menschliche Stimme trefflich zu behandeln verstand
und mehrere Bravour-Arien, z. B. für die Schechner und für
Pellegrini setzte, die sehr gefielen, fehlte es ihm
|doch an tieferer Erfindung und dramatischem Talent. Nach
diesem unglücklichen Erfolg entsagte er jeder weiteren
dramatischen Composition und widmete seine ganze Kraft von nun an
der Kirchenmusik. Wenn auch seine Stärke im eigentlichen strengen
Stile nicht lag, so war er doch Meister in dem freieren Stile
seiner Zeit, besaß Formgewandtheit und tiefes religiöses Gefühl,
so daß seine Kirchencompositionen mit ihren sangbaren und leicht
faßlichen Melodien sehr beliebt wurden. Seine Werke tragen ganz
seinen eigenen Charakter: obwol beim Dirigiren oft sehr
aufbrausend, war
A.
doch im Leben höchst bescheiden, einfach, weich, mehr
zurückhaltend, als sich hervordrängend. Er vertritt deshalb in der
Kirchenmusik ungefähr die Stelle, die Weigl im Gebiete der Oper
einnimmt. Seine Kirchencompositionen leben in der katholischen
Kirche, vorzüglich in Süddeutschland, noch immer fort, und werden
sich ohne Zweifel noch lange erhalten. Sie bestehen in einer
Anzahl Messen (darunter auch solche für kleine Stadt- und
Landchöre), einige Todtenmessen, zahlreiche Gradualien und
Offertorien, Litaneien, Psalmen, ein Ave
Regina und andere Stücke, meist mit Orgel oder Orchester und
Orgel begleitet. Gedruckt sind davon mehrere in München bei
Falter; in Augsburg bei Böhm und bei Kollmann; in Paris bei B.
Schott's Söhnen. Auch ein Pastorale für Orgel ist bei Riccordi in
Mailand herausgekommen.
Autor ↑
Schafhaeutl.
Empfohlene Zitierweise ↑
Schafhaeutl, „Aiblinger, Johann Caspar“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
163-165
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118868306.html?anchor=adb
Aiblinger, Johann Kaspar
Name: Aiblinger, Johann Kaspar
Namensvariante: Aiblinger, Johann Caspar
Lebensdaten: 1779 bis 1867
Geburtsort: Wasserburg/Inn
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Kirchenmusiker; Kapellmeister; Komponist
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Gerstenberg, WalterAutor ADB:
SchafhaeutlPND: 118868306