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Lettenbauer, Wilhelm

Slavist, * 30.7.1907 Fürth (Bayern), 5.1.1984 Ehrenkirchen bei Freiburg (Breisgau). (katholisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Ludwig (1874–1937), Reichsfinanzrat, S d. Stationsdieners Joh. Baptist u. d. Barbara Schneider; M Luise (1878–1958), T d. Kaufm. Franz Wagner u. d. Magdalena Stöckel; ledig.

Leben  
|L. nahm 1926 das Studium der Slavischen Philologie, Germanistik und Byzantinistik an der Univ. München auf, wo besonders Erich Berneker zu seinen Lehrern zählte. Im Sommersemester 1928 studierte er in Berlin, vor allem bei Wilhelm Schulze und Max Vasmer, und promovierte 1930 in München mit der von Berneker angeregten sprachwissenschaftlichen Dissertation „Das Deminutivum im Russischen“. Wegen der für ihn persönlich wie für sein Fach ungünstigen Zeit des Dritten Reichs, die er mit Lektoren- und Übersetzertätigkeiten überbrückte, kam L. erst 1944 zur Habilitation für das Fach Slavische Philologie. Die hierfür vorgelegte Schrift „Der Baumkult bei den Slaven“ (1981) wies ihn als intimen Kenner der Volkskunde, Kultur- und Religionsgeschichte der Slaven und ihrer Nachbarvölker aus. 1954 folgte L. einem Ruf auf das slavist. Extraordinariat an der Univ. Erlangen, wo er 4 Jahre später nach der Ablehnung eines Rufs nach Saarbrücken zum Ordinarius ernannt wurde. 1962 ging L. an die Univ. Freiburg i. Br., an der er trotz eines Rufs nach München (1966) blieb und auch nach seiner Emeritierung (1975) bis kurz vor seinem Tod lehrte. 1978-81 vertrat er außerdem den slavistischen Lehrstuhl an der Univ. Basel.
L.s wissenschaftliches Werk ist durch eine außerordentliche Breite und Vielseitigkeit gekennzeichnet. Themen seiner Arbeiten waren außer den genannten das Kirchenslavische, die Balkanslavistik und die Nationalliteraturen nahezu aller slavischen Völker, worüber er mehr als 300 Beiträge in literarischen Lexika und Handbüchern verfaßte. Sein besonderes Interesse galt der russ. Geistesgeschichte, aus deren Bereich u. a. die Studie „Moskau das Dritte Rom, Zur Geschichte einer politischen Theorie“ (1961) stammt, der russ. Philosophie – L. war einer der Herausgeber der deutschen Gesamtausgabe der Werke Wladimir Solowjews - und vor allem der russ. Literatur, von der er in seiner „Russ. Literaturgeschichte“ (21958) eine Gesamtdarstellung gab, die als Standardwerk anerkannt ist. Zahlreiche grundlegende Aufsätze widmete L. einzelnen russ. Schriftstellern, insbesondere Tolstoj und Dostojewski.

Werke  
Weitere W u. a. Über Krankheitsdämonen im Volksglauben d. Balkanslaven, in: Serta Monacensia, Festschr. f. F. Babinger, 1952, S. 120-35; Eine lat. Kanonessig, in Mähren im 9. Jh., in: Orientalia Christiana Periodica 18, 1952, S. 246-69; Leo Tolstojs „Krieg u. Frieden“ u. d. Problem d. hist. Romans, in: Wiener Slavist. Jb. 3, 1953, S. 37-52; Zur Entstehung d. glagolit. Alphabets, in: Slovo 3, 1953, S. 35-50; Farben in Esenins Dichtung, in: Die Welt d. Slaven 2, 1957, S. 49-60; L. Tolstojs Stil in d. Sicht d. russ. Formalisten, in: Stil- u. Formprobleme in d. Lit., Vorträge d. VII. Kongresses d. Internat. Vereinigung f. moderne Sprachen u. Literaturen in Heidelberg, 1959, S. 396-402; Zur Dreigliedrigkeit d. Ausdrucks in Tolstojs „Vojna i mir“, in: Slawist. Stud. z. V. Internat. Slavistenkongreß in Sofia 1963 (Opera slavica IV), 1963, S. 427-35; Kirchenslavisch als Stilmittel in d. neueren russ. Lit., in: Die Welt d. Slaven 10, Festschr. f. E. Koschmieder, 1965, S. 330-40; Die Funktion idiomat. Ausdrücke in d. stilist. Struktur v. Werken A. P. Čechovs, in: Slavist. Stud. z. VI. Internat. Slavistenkongreß in Prag 1968, hrsg. v. E. Koschmieder u. M. Braun, 1968, S. 496-509; Die Entstehungszeit d. St. Emmeraner Glossen, in: Die Welt d. Slaven 19/20, 1974/75, S. 210-18; Das Wortspiel bei Vladimir Solov'ev, ebd. 21, 1976, S. 160-76; Zu d. Gedicht „Poslednaja smert'“ v. E. A. Baratynskij, in: Colloquium Slavicum Basiliense, Gedenkschr. f. H. Schroeder, 1981, S. 387-405; Die neuere tschech. Lit. auf d. Hintergrund d. älteren u. im Zusammenhang mit westeurop. Literaturen, in: A. A. Měšt'an, Gesch. d. tschech. Lit. d. 19. u. 20. Jh., 1984, S. 1-36; Lew Tolstoj, „Artemis-Einführungen“, 1984. - Hrsg.: F. M. Dostojewskij, Als schwanke d. Boden mir, Briefe 1837–81, in d. Übertragung v. K. Noetzel, 1953.

Literatur  
Festschr. f. W. L. z. 75. Geb.tag, hrsg. v. A. Měšt'an u. E. Weiher, 1982 (W-Verz., P).

Autor  
Edchard Weiher
Empfohlene Zitierweise  

Weiher, Eckhard, „Lettenbauer, Wilhelm“, in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 356 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118572156.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 14 (1985), S. 356 f.

PND: 118572156
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Index

Lettenbauer, Wilhelm

Name: Lettenbauer, Wilhelm
Lebensdaten: 1907 bis 1984
Geburtsort: Fürth (Bayern)
Sterbeort: Ehrenkirchen bei Freiburg (Breisgau)
Beruf/Lebensstellung: Slawist
Konfession: katholisch
Autor NDB: Weiher, Eckhard
PND: 118572156

Weitere Informationen

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Lettenbauer, Wilhelm

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118572156

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