<< Lessing, Carl Friedrich
Lessing, Julius >>
Lessing, Anton
Industrieller,
* 21.5.1840 Mühlhausen bei Bamberg,
† 3.4.1915 Oberlahnstein. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Samuel (1808–87), Maurermeister in
M.;
M Rosette Fröhlich (1810–82);
⚭ Frankfurt/
M. 1872 Lydia (
† 1904),
verw. Cappellmans,
T d. Antoine de Cuyper,
Prof. an d.
Univ. Lüttich, u. d. Francisca Saporta; 4
S, 4
T ,
u. a. Gottfried (
* 1877) u. Walter (1881–1967), Industrielle in Rußland;
E Clemens (
* 1925),
Dr. phil., Ministerialdirigent.
Leben ↑
L. besuchte die Volksschule in Mühlhausen und wurde anschließend Kaufmannslehrling in Ansbach. Nach Abschluß der Lehrzeit verdiente er sich als Angestellter das Geld für eine Reise nach Rußland. Sein Erfahrungsbericht an einen Freund in Birmingham (England) führte zu einer Tätigkeit als Reisender in Rußland für dessen Firma Lindner &
Co. In der freien Zeit zwischen den Rei
|sen bildete sich
L. als Gasthörer des Jesuitenkollegs in Bamberg fort. Er befreundete sich in
St. Petersburg mit dem Chefredakteur des angesehenen „Journal de
St. Petersbourg“ und schrieb für dieses Artikel zu Wirtschafts- und vor allem Zollfragen. Nach dem Tode des Direktors der Zeitung heiratete er dessen Witwe, eine Belgierin, und erwarb als Wohnsitz für seine Familie 1872 vom Generaldirektor der Bergwerke zu Friedrichssegen, Bompard, eine Villa in Lahnstein/Rhein.
In Rußland wandte sich
L. schon frühzeitig der Gründung industrieller Unternehmungen zu. Gemeinsam mit den Gebrüdern Struve gründete er 1864 eine Maschinenfabrik in Kolomna an der Moskwa, einem alten Schnittpunkt des tatarischen und
russ. Handels. Die Kolomnaer Maschinen- und Brückenbau
AG (seit 1871) entwickelte im Laufe der Zeit ein Produktionsprogramm mit vier Schwerpunkten: Lokomotivbau, Waggonbau, Eisenbahnkonstruktionen und Brückenbau, Schiffsbau. 1871 gründete
L., wieder mit den Gebrüdern Struve, die Čulkovo-Gesellschaft für Steinkohlegewinnung und 1881 die Sosva-Eisengußwerke. 1885 wurden zur Sicherung des Rohstoffbedarfs die Wyksaer Hüttenwerke bei Nischnij Nowgorod von einer britischen Gesellschaft übernommen, die über eigene Erzlagerstätten und Torfvorkommen verfügten sowie Holz aus eigenen umfangreichen Waldungen vearbeitete. Im dazugehörigen Hütten- und Walzwerk Nischnisawod wurden außer Blechen aller Art mittels einer von der Firma Thyssen gebauten Anlage auch Rohre produziert. Die Werke in Kolomna und Wyksa spielten eine wichtige Rolle in der ersten Phase der Industrialisierung in Rußland. 1906 wurden sie mit den Ssoromow-Werken bei Nischnij Nowgorod fusioniert. Insgesamt wurden in diesen Werken etwa 40 000 Menschen beschäftigt.
L., der die Leitung von Kolomna 1913 aus Altersgründen niederlegte, hatte auch große Bedeutung für den
russ. Eisenbahnbau, wirkte in handelspolitisch schwierigen Zeiten wiederholt für einen deutsch-
russ. Zollausgleich und war wirtschaftspolitischer Berater der deutschen Botschaft in
St. Petersburg. Seit etwa 1910 engagierte er sich auch in der Erdölgewinnung in Galizien, für die er die „Flüssige Brennstoff
GmbH“ in Berlin gründete. Nach seinem Tode konnten seine Söhne das wirtschaftliche Engagement in Rußland nur kurze Zeit fortsetzen, das durch den 1. Weltkrieg und die Revolution ein jähes Ende fand. –
Preuß. u.
russ. KR, Ehrenbürger
v. Mühlhausen u. Oberlahnstein.
Werke ↑
Kontinentalpol., e. Zukunftsbild, 1915;
Aus d. Fernen Osten, e. Rückblick u. Ausblick, 1915.
Literatur ↑
J. Mai,
Dt. Kapital in Rußland, 1970;
E. Amburger, Das Eisen im zentralen
russ. Industriegebiet, in: K. Zernack (
Hrsg.), Fremde u. Einheimische im
Wirtsch.- u. Kulturleben d. neuzeitl. Rußland, 1982.
Portraits ↑
Ölgem. u. Pastellporträt im
Fam.bes.Autor ↑
Clemens LessingEmpfohlene Zitierweise ↑
Lessing, Clemens, „Lessing, Anton“,
in: Neue Deutsche Biographie
14
(1985), S.
349 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd101821670.html