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Leonhard von Keutschach

Erzbischof von Salzburg (seit 1495), * circa 1442, 8.6.1519 Salzburg.


GenealogieLebenLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Otto, Hofrichter in Viktring (Kärnten); M Gertrud v. Möderndorf.

Leben  
L. wurde 1460 Chorherr in Eberndorf im Kärntner Jauntal, wo er seit 1467 als Schaffer wirkte. 1473 folgte die Ernennung zum Propst von St. Laurenzen b. Stein, 1481 die Wahl zum Propst von Eberndorf. Am 20.10.1490 erhielt er von Papst Innozenz VIII. die Salzburger Dompropstei, die er bis 1503 beibehielt, und der wohl schon ein Kanonikat vorausgegangen war. Am 7.7.1495 wurde L. durch Kompromissare zum Salzburger Erzbischof gewählt, am 17.4.1496 zum Bischof geweiht.
L.s Regierungszeit zeichnete sich durch Sparsamkeit und wirtschaftlichen Aufschwung aus. Aus Salzbergbau und Salzhandel konnten große Gewinne erzielt werden; die erste große Blüte des Goldbergbaues und der aufstrebende Venedighandel warfen bedeutende Erträge ab. In diesem Zusammenhang sind die Reform der Urbarverwaltung (1496–1500), die Wiederaufnahme einer eigenen Münzprägung und die Förderung des Fernhandels durch den Bau neuer Straßen zu sehen. Wirtschaftlich bedingt war sicherlich auch der Befehl L.s 1498, alle Juden aus dem Erzstift zu vertreiben und ihre Synagogen zu zerstören. – Das absolutistische Regiment L.s nahm seit 1503 den Kampf gegen die Privilegien der Hauptstadt Salzburg auf. 1511 ließ der Erzbischof die wichtigsten Repräsentanten der Stadtverwaltung gefangennehmen und sie zum Verzicht auf alle Rechte aus dem großen Ratsbrief von 1481 zwingen; 1512 wurde eine neue Stadtordnung erlassen. – Kämpfe und Streitigkeiten gab es auch mit dem Stift St. Peter, das zu Besitzabtretungen gezwungen wurde, und mit den Landständen, denen hohe Steuern vorgeschrieben wurden. – Mit dem benachbarten Bayern ergaben sich Reibereien bei der Festlegung der Salzpreise, in Steuerfragen, bezüglich des Hochgerichts um Mühldorf und nicht zuletzt durch die Fehde L.s mit Georg v. Wiesbach. Maximilian I. gegenüber war das Verhältnis des Erzbischofs ambivalent wegen der Salzburger Besitzungen in Innerösterreich und Tirol, vor allem aber wegen der bedrohlichen Umklammerung des Erzstifts durch habsburg. Territorien. Diese Bedrohung wurde trotz der Salzburger Neutralität im Landshuter Erbfolgekrieg spürbar, als 1505 Laufen, der Rupertiwinkel und Mühldorf von königl. Truppen schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Immerhin gelangen aber der Rückkauf von Gmünd (1502) und Pettau (1511) sowie Neuerwerbungen durch den Kauf des Gerichtes Wildeneck mit den Märkten Mondsee und St. Wolfgang (1506) und den Kauf des Hochgerichtes für die Herrschaft Itter. – Die letzten Lebensjahre L.s waren überschattet vom Konflikt mit Matthäus Lang, der dem Erzstift 1512 auf Empfehlung Kaiser Maximilians von Papst Julius II als Koadjutor aufgezwungen wurde. Lang konnte das Domkapitel durch das Versprechen gewinnen, sich beim Papst dafür einzusetzen, daß die Augustiner-Chorherren-Regel für die Salz|burger Kanoniker nicht mehr bindend sein solle. Dem widersetzte sich L. durch einen langjährigen Prozeß an der Kurie, der im Mai 1519 jedoch zu seinen Ungunsten entschieden wurde.
L.s Regierungszeit ist von einem allgemeinen Wohlstand geprägt gewesen; Salzburg wurde zu einem der reichsten deutschen Fürstentümer. Die Blüte von Kunst und Kultur im Erzstift zeigte sich auch beim Ausbau und Neubau von Schlössern und Burgen; die Festung Hohensalzburg ließ L. mit prächtigen Fürstenzimmern ausstatten, von Valkenauer ließ er sich ein Denkmal schaffen. Andererseits haben ihn aber sein Geiz, sein absolutistischer Regierungsstil und sein Nepotismus, wohl auch sein Mangel an Bildung bei den Zeitgenossen unbeliebt gemacht.

Literatur  
A. Altmann, Gesch. d. Juden in Stadt u. Land Salzburg, 1913; H. Dopsch, Salzburg im 15. Jh., in: Gesch. Salzburgs - Stadt u. Land I, 1, 1981, S. 570-93 (P); I. Friedhuber, Kaiser Maximilian I. u. d. Bemühungen Matthäus Langs um d. Erzbistum Salzburg, in: Festschr. Hermann Wiesflecker, 1963, S. 123-31; R. R. Heinisch, Die bischöfl. Wahlkapitulationen im Erzstift Salzburg 1514-1688, in: Fontes rerum Austriacarum II, 82, 1977; K. Lackenbauer, Der Kampf d. Stadt Salzburg gegen d. Erzbischöfe 1481-1524, Diss. Salzburg 1973 (ungedr.), S. 70-174; J. Lampel, Die Stellung Salzburgs im bair. Erbfolgekriege 1504, in: Zs. d. Ferdinandeums, 1888, S. 123-44: F. Pagitz, Salzburgs Gesch. in d. Epoche d. Spätgotik, in: Spätgotik in Salzburg, Die Malerei 1400-1530, Jschr. d. Salzburger Mus. C. A. 17, 1972, S. 21-35; R. Schlegel, Veste Hohensalzburg, 1952; ders., Die Baugesch. d. Festung Hohensalzburg, in: 900 J. Festung Hohensalzburg, 1977, S. 11-73; F. Wagner, Das Herrschermonument d. L. v. K., ebd., S. 183-95 (P); L. Spatzenegger, Die Reise-Rechnung d. EB L. v. K. nach Hall in Tirol, in: Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskde. 7, 1867, S. 46-78; H. Wagner u. H. Klein, Salzburgs Domherren 1300-1514, ebd. 92, 1952, S. 1-81; H. Widmann, Gesch. Salzburgs II, 1909, S. 344-410.

Portraits  
Denkmal v. H. Valkenauer (Festung Hohensalzburg).

Autor  
Reinhard R. Heinisch
Empfohlene Zitierweise  

Heinisch, Reinhard R., „Leonhard von Keutschach“, in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 250 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd129038393.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 14 (1985), S. 250 f.
Erwähnungen: 
NDB 11 (1977), S. 561*

PND: 129038393
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Index

Leonhard von Keutschach

Name: Leonhard von Keutschach
Namensvariante: Keutschach, Leonhard von
Namensvariante: Leonhard
Lebensdaten: um 1442 bis 1519
Sterbeort: Salzburg
Beruf/Lebensstellung: Erzbischof von Salzburg
Konfession: katholisch
Autor NDB: Heinisch, Reinhard R.
PND: 129038393

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Leonhard von Keutschach

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129038393

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